Verabschiedungs-Gottesdienst als Zeichen der Verbundenheit

Marco Gruemmer 166
Das Ortsschild der Gemeinde Lensahn geht mit in den Kosovo, während die Kompaniefahne in der Zeit des Einsatzes vor dem Lensahner Rathaus weht. Den Tausch vollzogen stellvertretender Kompaniechef Ulf Hadeler, Kompaniechef David Cacic, Vertretungspastor im Kirchspiel Bungsberg Jens Motschmann sowie Bürgermeister Michael Robien (v. lks.).

Das Ortsschild der Gemeinde Lensahn geht mit in den Kosovo, während die Kompaniefahne in der Zeit des Einsatzes vor dem Lensahner Rathaus weht. Den Tausch vollzogen stellvertretender Kompaniechef Ulf Hadeler, Kompaniechef David Cacic, Vertretungspastor im Kirchspiel Bungsberg Jens Motschmann sowie Bürgermeister Michael Robien (v. lks.).

Bild: Marco Grümmer

Lensahn. Die Zeit der Vorbereitung ist abgeschlossen. Anfang Mai geht es für 10 Soldatinnen und Soldaten der 3. Kompanie des Aufklärungsbataillon 6 „Holstein“ aus Eutin zum Auslandseinsatz in den Kosovo. Dort sind sie Teil der NATO-Mission KFOR.

Die Kosovo-Truppe (KFOR) ist die 1999 nach Beendigung des Kosovokrieges aufgestellte multinationale militärische Formation unter der Leitung der NATO. Im Vordergrund steht, die Republik Kosovo politisch zu stabilisieren und die Friedensregelung militärisch abzusichern. Aktuell wird die KFOR-Truppe von 33 Staaten gestellt und umfasst rund 4.700 Soldaten. Das Hauptquartier befindet sich in der kosovarischen Hauptstadt Pristina.

Die 3. Kompanie ist die Patenkompanie der Gemeinde Lensahn. Beide pflegen seit Jahrzehnten eine enge, sehr intensive Verbindung. Daher ist es auch mittlerweile Tradition, dass die Soldatinnen und Soldaten vor dieser herausfordernden Zeit mit einem Gottesdienst in der St. Katharinenkirche würdig verabschiedet werden. Ein Schutzengel als Symbol für himmlischen Beistand, Schutz und Führung soll sie in ihrem Einsatz begleiten.

In seiner Predigt stellte Pastor Jens Motschmann so auch den Engel in den Mittelpunkt. Von ihm hieß es: „Wir alle sind mit guten Wünschen an eurer Seite.“

Für die Kompanie markiert der Einsatz im Kosovo gleich in mehrfacher Hinsicht einen besonderen Moment. Zum dritten Mal in Folge entsendet die Einheit Kräfte in die europäische Krisenregion. Dies verdeutlicht den strategischen Wandel der Bundeswehr: Weg von weit entfernten Auslandseinsätzen hin zu einem stärkeren Fokus auf Sicherheit und Stabilität in Europa. In diesem Jahr tritt der 2. Feldnachrichtenzug seinen Auftrag an. Für einige der Soldatinnen und Soldaten wird es der erste Auslandseinsatz sein und damit verbunden auch ein Stück weit der so oft zitierte „Sprung ins kalte Wasser“.

Gleichzeitig könnte es sich um den vorerst letzten Abschiedsgottesdienst dieser Art gehandelt haben. Nach aktueller Planung wird die Kompanie in den Jahren 2027 und 2028 erstmals nach fast drei Jahrzehnten nicht mehr geschlossen an Auslandseinsätzen teilnehmen.

Für Kompaniechef Major David Cacic ist der Anlass auch persönlich bedeutsam: Es war seine letzte Verabschiedung von Soldaten in einen Auslandseinsatz.

Nicht unerwähnt blieben neben den Einsatzkräften vor allem ihre Angehörigen. Sie wurden ausdrücklich als unverzichtbare Stütze gewürdigt, die den Einsatz durch ihren Rückhalt im Alltag überhaupt erst ermöglichen. „Für uns gilt unverändert: Familie und Gemeinschaft an erster Stelle“, bekräftigte Major Cacic.

Mit Blick auf die bevorstehenden Monate appellierte der Kompaniechef an die Soldaten, Vertrauen in ihre Ausbildung, ihre Kameraden und sich selbst zu haben. Als Ziel bleibt eine sichere und gesunde Rückkehr, denn, so erklärte Major Cacic im Gespräch mit dem reporter: „Die Sicherheitslage kann jederzeit eskalieren.“

„Den Soldatinnen und Soldaten gebührt unser größter Respekt. Wir stehen hinter unserer Patenkompanie“, erklärte Bürgermeister Michael Robien. Für ihn sind die Auslandseinsätze der Bundeswehr von großer Bedeutung. Die Lage sei eine andere als noch vor Jahren, Kriege in Europa und in Nahost sind brandaktuell. Er forderte dazu auf, der Destabilisierung der Europäischen Union entgegenzuwirken. Als sichtbares Zeichen bleibt die Kompaniefahne solange vor dem Lensahner Rathaus gehisst, bis die letzte Soldatin und der letzte Soldat aus dem Einsatz zurück ist. (mg)