Stolpersteine für zwei NS-Opfer in Heikendorf verlegt

Reporter Eutin Neu

Heikendorf (t). Am Freitag, 22. Mai, sind in Heikendorf zwei Stolpersteine verlegt worden. Sie erinnern an Opfer des Nationalsozialismus. Organisiert wurde die Aktion von der Archivgruppe Heikendorf gemeinsam mit der Gemeinde. Die Archivgruppe berichtet: Gegen 10 Uhr versammelten sich zahlreiche Bürger am ersten Verlegeort im Schulredder 10. Die beiden Steine waren bereits einige Tage zuvor vom Bauhof eingesetzt und bis zur offiziellen Einweihung abgedeckt worden. Die Kosten übernahm die Gemeinde.

Dennis Rindermann von der Archivgruppe erläuterte zunächst den Hintergrund der Aktion. Sie geht zurück auf Recherchen für das Buch „Heikendorf im Zweiten Weltkrieg“, das erstmals die lokale NS-Zeit umfassend aufarbeitet. Dabei stieß die Gruppe auf zwei bislang kaum bekannte Schicksale. Eine wichtige Rolle bei den Recherchen spielte der inzwischen verstorbene Dietmar Dombrowski. Er stellte den Kontakt zu Gretchen Stemplewski her. Die Heikendorferin ist Zeitzeugin und unterstützte die Arbeit der Archivgruppe mit eigenen Erinnerungen und Erzählungen aus dem Dorf. So konnte gezielt in Archiven und Gedenkstätten weiter recherchiert werden.

„Was damals geschehen ist, war in Heikendorf lange in Vergessenheit geraten“, sagte Rindermann. Um die Erinnerung dauerhaft sichtbar zu machen, regte er nach der Buchveröffentlichung die Verlegung von Stolpersteinen an. Bürgermeister Tade Peetz unterstützte das Vorhaben. Aus gesundheitlichen Gründen konnte er bei der Einweihung nicht persönlich anwesend sein. Für die Gemeinde dankte Bürgervorsteherin Nicola Specker allen Beteiligten und hob das Engagement der Archivgruppe hervor. Dennis Rindermann kündigte an, dass zwei weitere Stolpersteine in Heikendorf folgen sollen. Die Klasse 10a der Grund- und Gemeinschaftsschule Heikendorf hatte sich unter Leitung von Lehrerin Ulrike Janz mit den Lebensgeschichten der beiden Opfer beschäftigt und stellte diese vor Ort vor:

Der Stolperstein für Heinz Güldenzoph

Am Schulredder erinnert nun ein Stolperstein an Heinz Güldenzoph. Er wurde am 23. März 1914 in Heikendorf geboren und wuchs als Sohn des Zimmermanns Wilhelm Güldenzoph und seiner Ehefrau Anna, geborene Grube, in einem kleinen Haus auf, das heute nicht mehr existiert. Güldenzoph arbeitete als Landwirt und galt als ruhiger, friedlicher Mensch. Die Familie war vom Ersten Weltkrieg geprägt; sein Vater war Soldat, ein Onkel fiel 1915 an der Ostfront. Am 16. Februar 1939 wurde Heinz Güldenzoph auf Ersuchen der Gestapo Potsdam festgenommen. Wenige Tage später kam er in das Konzentrationslager Sachsenhausen, im April 1940 wurde er dann in das KZ Flossenbürg verlegt. 

Dort wurde er als sogenannter „SAW-Häftling“ geführt – ein Hinweis darauf, dass er als „wehrunwürdig“ galt und die Konzentrationslager auch als Disziplinierungsinstrument genutzt wurden. Güldenzoph starb am 17. November 1941 im Alter von 27 Jahren im Krankenbau des Lagers. Als Todesursache wurde Lungentuberkulose angegeben; ob diese Angabe zutrifft, ist unklar. Seine sterblichen Überreste wurden verbrannt und nach Heikendorf geschickt. Die Beisetzung erfolgte am 22. Januar 1942 auf dem örtlichen Friedhof.

Der Stolperstein für Helmuth Kurzweg

Im Blumenweg erinnert ein weiterer Stolperstein an Helmuth Kurzweg. Er wurde am 12. Oktober 1905 in Kiel-Gaarden geboren und lebte später mit seiner Familie in dem Haus, an dessen Stelle sich heute ein Raumausstattergeschäft befindet. Kurzweg arbeitete als Arbeiter auf der Kriegsmarinewerft.

Zwischen 1935 und 1938 war er in der Landesheilanstalt Schleswig-Stadtfeld untergebracht. Auf Grundlage eines Beschlusses des sogenannten Erbgesundheitsgerichts in Kiel wurde er 1937 zwangssterilisiert; als Begründung wurde Schizophrenie angeführt. Im Juni 1939 wurde gegen Kurzweg ein Haftbefehl wegen „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ erlassen. Die Behörden gingen davon aus, dass er die vorgeworfene Tat in einem Zustand „krankhafter Störung der Geistestätigkeit“ begangen habe. Nach Untersuchungshaft in Kiel wurde er Ende Oktober 1939 zur Unterbringung in einer Heil- und Pflegeanstalt verurteilt und im November in die Landesheilanstalt Neustadt in Holstein verlegt. Von dort aus wurde Kurzweg am 20. Mai 1941 im Rahmen der sogenannten „Aktion T4“ deportiert. Gemeinsam mit 139 weiteren Patienten wurde er in einem Sonderzug nach Bernburg an der Saale gebracht und dort in der Tötungsanstalt ermordet. Die Opfer wurden unmittelbar nach ihrer Ankunft registriert und in Gaskammern getötet. Die Behörden verschleierten das Verbrechen systematisch. Kurzwegs Akte wurde nach Hadamar weitergeleitet, wo ein Trostbrief mit falschen Angaben erstellt und das Todesdatum manipuliert wurde. In den Heikendorfer Kirchenbüchern ist deshalb der 9. Juni 1941 mit dem Ort Hadamar verzeichnet. Die Angehörigen erhielten eine Urne, die am 3. Juli 1941 beigesetzt wurde, jedoch nicht mit der tatsächlichen Asche des Ermordeten.