„Die Einsamkeit ist das größte Problem“ 171  |  03.03.2021 15:00

Bilder
Seit 1. Oktober letzten Jahres leitet Chefärztin Verena Hilmer-Krywka die Standorte der AMEOS Klinika in Preetz und Kiel: seit einiger Zeit beobachten sie und ihr Team, aufgrund der andauernden Corona-Pandemie, eine Zunahme an depressiven und suchtbezogenen Erkrankungen

Seit 1. Oktober letzten Jahres leitet Chefärztin Verena Hilmer-Krywka die Standorte der AMEOS Klinika in Preetz und Kiel: seit einiger Zeit beobachten sie und ihr Team, aufgrund der andauernden Corona-Pandemie, eine Zunahme an depressiven und suchtbezogenen Erkrankungen

Preetz (tg). Der Handlungsbedarf und die Zahl der Menschen, die infolge der anhaltenden Corona-Pandemie psychologische Hilfe benötigen, nimmt stetig zu. Diesen Trend beobachtet Dr. Verena Hilmer-Krywka, Chefärztin am AMEOS Klinikum in Preetz und dort zuständig für die psychiatrische Versorgung der Bevölkerung im Kreis Plön. Daneben ist die 40jährige auch für das AMEOS Klinikum Kiel zuständig, das einen suchtmedizinischen Behandlungsschwerpunkt hat. „Wir beobachten aktuell eine Zunahme an Alkoholmissbrauch, - oftmals gerade bei älteren Menschen, die alleinstehend sind“, schildert die Chefärztin. „Aus Angst vor einer Ansteckung ziehen sich die Betroffenen zurück und auch ihre sozialen Zusammenkünfte fallen aus, zu denen sie sonst das Haus verlassen haben.“
 
Die Einsamkeit führt zum Grübeln, woraus sich oftmals eine Depression entwickeln kann. Auf diese Weise rutschen aktuell vor allem alleinstehende Menschen, die ihr ganzes Leben keine Probleme mit dem Alkohol hatten, in eine Suchtproblematik hinein, berichtet die Klinikleiterin von ihren Erfahrungen. Verena Hilmer-Krywka rechnet damit, dass der Zulauf an Betroffenen im allgemein-psychiatrischen Bereich in der kommenden Zeit noch zunehmen wird, auch wenn es zu Lockerungen bei den Abstands- und Schutzmaßnahmen kommen sollte. „Wichtig ist, dass die Betroffenen rechtzeitig zu uns kommen und nicht zu lange warten“, betont Hilmer-Krywka. Viele Patienten warten zu lange und erleben dadurch einen, oft vermeidbaren, schwereren Verlauf. „Wir haben ein Corona-Schutzkonzept und die Patienten werden bei der Aufnahme natürlich getestet; - es braucht also Niemand Angst zu haben, zu uns zu kommen“, so die Preetzer Chefärztin. Die Therapieangebote wurden entsprechend den Schutz- und Hygienemaßgaben ebenfalls angepasst. Verena Hilmer-Krywka leitet seit Oktober letzten Jahres die AMEOS Klinikstandorte in Preetz und Kiel. Vorher war sie Chefärztin in der AMEOS Rehabilitationsklinik für pflegende Angehörige und für Psychosomatik in Ratzeburg. Der interne Wechsel hatte für Verena Hilmer-Krywka, neben den fachbezogenen Herausforderungen vor Ort, auch ganz praktische Gründe.
 
„Ich spare mir einfach das Pendeln“, erklärt die Kielerin. In ihrer neuen Position hat die Chefärztin sich zum Ziel gesetzt, das wohnortnahe Behandlungsangebot für psychisch erkrankte Menschen auszubauen. Weiterhin sollen Patienten mit Suchterkrankungen bestmöglich unterstützt werden, um wieder in ein abstinentes Leben zurückzukehren. Verena Hilmer-Krywka stammt ursprünglich aus München. Dort absolvierte sie ihre Facharztausbildung für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Neurologie. Später bildete sie sich in den Bereichen der suchtmedizinischen Grundversorgung und der Psychoanalyse weiter. „Der direkte Kontakt zu Menschen ist mir schon immer wichtig gewesen“, erklärt die 40jährige. Gerade die Behandlung von akuten Fällen ist für sie die zentrale Herausforderung bei ihrer neuen Tätigkeit in der Schusterstadt. Im AMEOS Klinikum Preetz stehen 53 Betten für die stationäre psychiatrische Versorgung zur Verfügung. Darüber hinaus werden 18 Plätze in der Tagesklinik bereitgehalten. „Wichtig ist vor allem, sich zunächst einmal selbst einzugestehen, dass Hilfe benötigt wird“, betont die Chefärztin. „Der ‚Mut zur Schwäche‘ ist eine wichtige Voraussetzung für die Behandlung!“ Hilfesuchende können sich in einem ersten Schritt immer an ihren Hausarzt wenden. „Es ist ebenfalls möglich, direkt zu uns hier in die Klinik zu kommen, in die offene Sprechstunde“, sagt die Chefärztin. „Wir sind darüber hinaus 24/7 erreichbar und es ist im Notfall immer ein Arzt anwesend!“ Es empfiehlt sich, wenn möglich, eine vorherige telefonische Kontaktaufnahme. Notfallpatienten können unter der 04342-85 800 80 jederzeit anrufen und sich Hilfe holen.