Gelassenheit, Ruhe und Freundlichkeit als Erfolgsrezept 93  |  12.11.2020 13:00

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Schönberg (los). Blümchen statt „Knöllchen“, lange Sommertage erleben statt langer Diskussionen mit Falschparkern: „Jetzt kann ich meinen Garten genießen“, freut sich Jürgen Ehlers als frisch gebackener Ruheständler. Autos ohne Parkschein und Ticket aufzuschreiben gehört für ihn nun der Vergangenheit an, letzte Überstunden werden „abgefeiert“.
Das Ostseebad Schönberg hat seinen langjährigen Mitarbeiter Jürgen Ehlers verabschiedet. Insgesamt war der 75-jährige 48 Jahre lang für und in der Gemeinde tätig, in den vergangenen 10 Jahren als Verkehrsüberwacher. Als Ehlers Nachfolger stellte Bürgermeister Peter A. Kokocinski Uwe Toschke vor. Er überwacht künftig mit Kollege Eckhard Penner die Parkräume und wurde in den vergangenen Monaten unter Ehlers Regie bereits eingearbeitet.

Ehlers startete am 15. Mai 1972 in Schönberg durch. „Das Ferienzentrum Holm ging ans Rohr, erste Gäste fanden sich ein, und da wurden Strandwärter für Kalifornien gesucht“, erinnert er sich. 1500 Strandkörbe gab es damals. „Und die waren zu 100 Prozent ausgebucht.“ Die alte Kurverwaltung von Schönberg hatte viel zu tun: „Die Gäste standen Schlange für einen Korb“, berichtet Ehlers, „als es die DDR noch gab, haben alle hier Urlaub gemacht.“

Aller Anfang ist schwer, besonders, wenn es um unangenehme Konsequenzen wie ungeliebte Knöllchen geht. „Das war ungewohnt, als diese in Schönberg verteilt wurden“, erzählt Ehlers, dem manches unfreundliche Echo – „Ey, was machst du an meinem Auto?“ – heute noch nachklingt. „Wenn man wie heute zu zweit unterwegs ist, ist das nicht so“, hat er in den vergangenen Jahren festgestellt. „Die Leute sind reservierter.“ Trotzdem habe er zwischendurch seitens ertappter Falschparker auch Handgreiflichkeiten, etwa Schubsen miterlebt: „Wer lässt sich schon gern erwischen?“

Für Ehlers zählte damals auch die Verkehrsraumüberwachung zu den täglichen Aufgaben. „Die Strandüberwacher haben den Verkehrsraum mit überwacht“, erzählt er auf die 70-er Jahre rückblickend. So war es für ihn auch keine Hürde, diesen „Job“ später noch einmal zu übernehmen. „Ich war ja drin, deshalb habe ich weitergemacht“, sagt er. Denn eigentlich war Jürgen Ehlers bereits 2009 in den Ruhestand verabschiedet, später jedoch von der Gemeinde „reaktiviert“ worden, um als Verkehrsüberwacher die Parksituation zu kontrollieren, zunächst allein. Kollege Eckhard Penner unterstützte ihn seit 2016.

„Wir sind als Gemeinde nicht die, die sich das aussuchen können“, erklärt Bürgermeister Peter A. Kokocinski den Hintergrund der Pflichtaufgabe. „Denn die Verkehrsüberwachung ist Sache der Kreisverwaltung.“ Hier werde festgelegt, wie viele Stunden für das Aufspüren von Parkvergehen zur Verfügung stehen. Schönberg darf mit 20 Wochenstunden operieren, „auch je nachdem, wie viele Knöllchen der Kreis verarbeiten kann“.

„Wir tun das nicht, um damit Geld zu verdienen – die Leute kriegen auch keine Provision, sondern Gehalt“, nutzte Kokocinski die Gelegenheit, mit Vorurteilen aufzuräumen. Vielmehr gehe das Knöllchengeld an den Kreis Plön, „und wir erhalten dann eine Zuweisung“.

Die Parkraumbewirtschaftung mit Parkscheiben stelle sicher, dass Kunden bei einem Zeitfenster von zwei Stunden genügend „Luft“ haben, in Schönbergs Geschäften einzukaufen, bevor sie zum Auto zurück müssen. Würden dort Anwohner parken, wäre dies für die Läden und Betriebe von Nachteil, so der dahinter liegende Gedanke. „Wir wollen das Gewerbe unterstützen und haben daher diese befristete Regelung“, unterstreicht Kokocinski. Allerdings: „Wenn man nicht kontrolliert, bringt das alles nichts.“ Das gilt auch für die Strandbereiche, die im Corona-Sommer 2020 mehr Tagesgäste als sonst angelockt haben. „Wenn man aber nicht bereit ist, 3 Euro für das Parken zu zahlen und sein Auto in Wohngebieten abstellt, erhöht das die Unzufriedenheit.“ Allerdings gab es bei der Kontrolle auch ungeplante Ausfälle: „Wegen der Hitze funktionierten im Sommer die Geräte mal nicht.“ Und trotz des schönen Wetters begegneten die Aufschreiber nicht immer sonnigen Gemütern, sondern wurden „bepöbelt und beschimpft“. „Die Arbeit der Mitarbeiter ist nicht immer die Schönste“, verdeutlicht Kokoncinski. Ein dickes Fell allein reicht da nicht. „Gelassenheit im Umgang mit den Menschen, Ruhe und Freundlichkeit“, ist Jürgen Ehlers Erfolgsrezept.