Erste Pläne zur Elektrifizierung der Bäderbahn vorgestellt
Timmendorfer Strand/Scharbeutz. Nachdem Staatssekretärin Henckel im vergangenen Dialogforum angekündigt hatte, dass das Land Schleswig-Holstein den Erhalt der Bäderbahn inklusive Elektrifizierung anstrebt (zwischenzeitlich auch vom Landtag bestätigt), hat nun die Deutsche Bahn vor Kurzem im Projektbeirat erste konkrete Pläne hierzu vorgestellt. Das teilen die Gemeinden Timmendorfer Strand und Scharbeutz in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit.
Demnach soll das Plan- und Genehmigungsverfahren zur Elektrifizierung der Bäderbahn vom Planfeststellungsverfahren zur Hinterlandanbindung abgekoppelt werden. Was nach Ansicht der DB bedeutet, dass in Haffkrug zwei getrennte Bahnhöfe, Haffkrug Ost (Bäderbahn) und Haffkrug West (Neubaustrecke), entstehen würden. In einer ersten Reaktion aller regionalen Teilnehmer trübt diese Planung nicht nur die Freude über die Kehrtwende des Landes, die wichtigste Nahverkehrsachse zwischen der Hansestadt Lübeck und Neustadt erhalten zu wollen, sondern hat zu großem Unverständnis und Ablehnung geführt. „Hierzu wird es keine Akzeptanz der Gemeinde Scharbeutz und der Einwohner von Haffkrug geben“, so die klare Einschätzung der Scharbeutzer Bürgermeisterin Bettina Schäfer.
Auch die Nachbargemeinde Timmendorfer Strand unterstützt in ihrer Stellungnahme zum Ausbau der Hinterlandanbindung die Position der Gemeinde Scharbeutz bezüglich der Situation in Haffkrug. „Wir freuen uns sehr, dass Timmendorfer Strand nach jahrelangem Kampf auch zukünftig über die Bäderbahn angebunden bleibt, aber das darf natürlich nicht zu Lasten anderer Orte - lediglich aus formalen Verfahrensgründen – führen, schließlich werden jetzt die entscheidenden Weichen für die nächsten Jahrzehnte gestellt,“ so der stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde Timmendorfer Strand, Nils Hopp. Zudem wurde vielmehr erneut deutlich, dass die gesamte Region gemeinsam die beste Lösung für die verkehrliche Anbindung und Erreichbarkeit einfordert.
Die Region fordert dabei nachdrücklich, die Bäderbahn in Haffkrug so zu verschwenken und weichenfrei an die Neubaustrecke heranzuführen, dass ein gemeinsamer Verknüpfungsbahnhof für beide Strecken entsteht. Nur so lässt sich das Potential beider Bahnverbindungen für die Region vollständig nutzen. Zwei getrennte Bahnhöfe in Haffkrug sind aus Sicht der Beteiligten weder verkehrlich noch mit Blick auf eine zukunftsfähige Entwicklung der Region sinnvoll.
Ebenso wird weiterhin das dritte Gleis für nordwärts fahrende Züge im Bahnhof Ratekau gefordert. Dieses ist aus Sicht der Region aufgrund diverser Kapazitätsfragen eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass der künftige Personen- und Güterverkehr auf der Schiene leistungsfähig, verlässlich und zukunftsfähig abgewickelt werden kann. Der Erhalt der Bäderbahn, ihre Elektrifizierung, die Verschwenkung und Verknüpfung in Haffkrug sowie ausreichende Kapazitäten im Bereich Ratekau müssen daher als Teile eines gemeinsamen, verbindlichen und verkehrlichen Gesamtkonzeptes betrachtet werden.
Für das Land Schleswig-Holstein führte Michael Pirschel vom Verkehrsministerium im Projektbeirat aus, dass die Planungen der Deutschen Bahn noch nicht abschließend seien und man in einer zeitnahen Arbeitsgruppe Optimierungen und gemeinsame Vorstellungen abstimmen wolle. Diese übergeordnete Arbeitsgruppe soll unter der Federführung der NAH.SH aus Vertretern des Landes Schleswig-Holstein, der Deutschen Bahn, möglichst des Bundesverkehrsministeriums und den betroffenen Kommunen bestehen.
Dies auch vor dem Hintergrund, dass eine Finanzierung der Elektrifizierung der Bäderbahn aus Bundesmitteln in Konkurrenz zu z.B. bayrischen Verkehrsprojekten steht. Dabei geht es jedoch um weit mehr als um die Finanzierung einer technischen Modernisierung der Strecke. Sollten die erforderlichen Bundesmittel für die Elektrifizierung nicht zur Verfügung stehen, besteht die konkrete Gefahr, dass ein attraktiver und zukunftsfähiger Betrieb von RE-Zügen Hamburg – Lübeck – Bäderorte – Neustadt im Halbstundentakt insgesamt nicht gesichert werden kann. Damit würde zugleich auch eine attraktive Schienenanbindung von Sierksdorf und Neustadt in Frage gestellt. Hiermit würden zahlreiche ungelöste verkehrsplanerische Fragestellungen aufgeworfen, die den Erfolg der Planfeststellungsverfahren zur Hinterlandanbindung der Festen Fehrmanbeltquerung insgesamt gefährden würden.
Eine solche Entwicklung hätte erhebliche Folgen für die gesamte Region. Neustadt in Holstein ist nicht nur ein bedeutender Wohn-, Wirtschafts-, Tourismus- und Gesundheitsstandort, sondern mit dem Marinestützpunkt Neustadt auch ein wichtiger Standort der Deutschen Marine an der Ostsee. Gerade vor dem Hintergrund der veränderten sicherheitspolitischen Lage und der zunehmenden Bedeutung einer leistungsfähigen und resilienten Infrastruktur wäre es kaum nachvollziehbar, wenn ein solcher Standort keine attraktive Schienenanbindung hätte. Auch Sierksdorf mit seiner erheblichen touristischen Bedeutung und dem Hansa-Park darf bei der Neuordnung des Schienenverkehrs nicht abgehängt werden, sondern braucht sowohl eine halbstündige Anbindung an Hamburg und Lübeck, als auch attraktive Umsteigemöglichkeiten über einen neuen Verknüpfungsbahnhof Haffkrug ins nördliche Ostholstein und von /nach Dänemark.
Hier sind nun wiederum die politischen Vertreter im Landtag und Bundestag gefordert, sich für ihre Region einzusetzen und die Chance für eine zukunftsweisende verkehrliche Anbindung auch zu unterstützen und zu nutzen. Die angekündigte Kehrtwende zum Erhalt der Bäderbahn muss deshalb auch finanziell abgesichert werden. Ein politisches Bekenntnis zum Erhalt der Strecke reicht nicht aus, wenn die für ihren zukünftigen Betrieb notwendige Elektrifizierung am Ende an fehlenden Bundesmitteln scheitert.
„Wir brauchen jetzt endlich eine verlässliche Gesamtplanung für unsere Region. Dazu gehören für uns der dauerhafte Erhalt und die Elektrifizierung der Bäderbahn ebenso wie die Verschwenkung in Haffkrug mit einem gemeinsamen Verknüpfungsbahnhof und ausreichende Kapazitäten durch ein drittes Gleis in Ratekau. Es kann nicht sein, dass einzelne Planungen immer wieder isoliert verändert werden und wir am Ende zwar verschiedene Bahnstrecken haben, das Gesamtsystem aufgrund fehlender Verknüpfungen oder Kapazitäten aber nicht funktioniert. Und wenn die Elektrifizierung Voraussetzung für den dauerhaften Betrieb der Bäderbahn ist, muss auch ihre Finanzierung gesichert werden. Es darf nicht passieren, dass wir alle unsere Schienenanbindung verlieren“, so Bürgermeisterin Bettina Schäfer.
Die Ergebnisse der Arbeitsgruppe sollen zunächst im Dialogforum im Oktober 2026 vorgestellt werden und als Basis für die weiteren Planungen und Verhandlungen mit dem Bund genutzt werden.
Ergänzender Exkurs zum Verknüpfungsbahnhof Haffkrug: Mit einem gemeinsamen Bahnhof würde eine sinnvolle verkehrliche Verknüpfung zwischen dem zukünftigen Fehmarnbelt-Regional-Express von Lübeck über das nördliche Ostholstein und Fehmarn bis nach Nykøbing, der idealerweise perspektivisch im Stundentakt verkehren soll und dem Regional-Express Hamburg – Lübeck – Neustadt geschaffen, der über die Bäderbahn im Halbstundentakt verkehren soll (als Teil der Regio-S-Bahn Lübeck). Die Bandbreite der dabei entstehenden möglichen Reiseketten durch einen neuen Verknüpfungsbahnhof ist groß: Reisende aus Dänemark könnten beispielsweise in Haffkrug vom Fehmarnbelt-RE auf die Bäderbahn umsteigen, um den Hansa-Park zu erreichen. Auszubildende könnten aus Oldenburg i. H. nach Neustadt i. H. oder Timmendorfer Strand fahren. Diese Beispiele zeigen, dass die beiden Bahnverbindungen keineswegs isoliert betrachtet werden dürfen. Gerade die Möglichkeit eines einfachen Umstiegs in Haffkrug würde erheblichen zusätzlichen verkehrlichen Nutzen für die gesamte Region schaffen. Letztlich zeigt sich gerade an der Haffkrug-Frage, dass eine gut funktionierende Bäderbahn die Neubaustrecke braucht und eine gut funktionierende Neubaustrecke umgekehrt auch die Bäderbahn.
Die Forderung nach einem gemeinsamen Verknüpfungsbahnhof Haffkrug ist dabei ausdrücklich eine gemeinsame Forderung der Region und ist auch Bestandteil des gemeinsamen Regio-S-Bahn-Appells, den die Kommunen, der Kreis und weitere Akteure der regionalen Tourismuswirtschaft entlang der Strecke zwischen Lübeck und Neustadt Anfang Juli im Hansa-Park übergeben haben. (PM/rk)

