Tausendfacher Protest gegen Schließung der Travemünder Praxisklinik

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SPD übergibt Ministerin von der Decken Unterschriften für den Erhalt der Klinik: Tausendfacher Protest gegen Schließung der Travemünder Praxisklinik

5.930 Unterschriften über die Online-Petition und Listen mit über 1.200 Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern übergab der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Peter Dummann der Gesundheitsministerin Kerstin von der Decken.

Bild: Renate Prüß

Lübeck-Travemünde/Kiel. Der Protest gegen die drohende Schließung der Praxisklinik in Travemünde ist groß. Über 7.000 Bürgerinnen und Bürger haben bisher eine vom SPD-Ortsverein Kücknitz Travemünde gestartete Petition zum Erhalt des zur Sana-Klinik gehörenden Krankenhauses unterschrieben - auf Listen und im Internet.
Im Gesundheitsministerium in Kiel übergaben jetzt Mitglieder des Ortsvereins, Ärzte und Vertreter der Sana-Klinik  einen dicken Packen ausgefüllter Unterschriftenlisten an Schleswig-Holsteins Gesundheitsministerin Dr. Kerstin von der Decken (CDU). 
Die Unterzeichner der Petition, darunter auch Personen aus anderen Lübecker Stadtteilen sowie einige Feriengäste, fordern die Landesregierung in Kiel auf, alle Möglichkeiten zu nutzen, um den Erhalt der Praxisklinik in Lübeck-Travemünde mit ihren 27 Betten zu sichern. Denn sie ist seit mehr als 20 Jahren ein unverzichtbarer Bestandteil der wohnortnahen Gesundheitsversorgung in Travemünde, Kücknitz und den umliegenden Gemeinden, betonen die Initiatoren der Petition.  Gemeinsam mit den angeschlossenen fachärztlichen Praxen für Innere Medizin sowie Orthopädie und Chirurgie und der interdisziplinären Schmerzklinik bieten sie eine medizinische Versorgung, die qualitativ hochwertig, leistungsfähig und eng auf die Bedürfnisse der Menschen vor Ort ausgerichtet ist. Zu den Spezialitäten gehört die Endoprothetik, also das Einsetzen künstlicher Gelenke. Fast  500 solcher Operationen  haben die Chirurgen der Facharztpraxis im vergangenen Jahr vorgenommen. Die Patientinnen und Patienten konnten nach dem Eingriff in der Praxisklinik stationär betreut werden – in ruhiger Umgebung und nahe bei Freunden und Angehörigen.
Nun ist diese bewährte Versorgungsstruktur in Gefahr. Nach den Planungen der Ministerin  zur Umsetzung des Krankenhaus-Reformgesetzes droht der Praxisklinik die Schließung.
Zentrales Ziel dieses Gesetzes ist die Konzentration medizinischer Leistungen wie planbare Operationen in großen zentralen Kliniken, in denen Ärzte und Pflegepersonal besonders qualifiziert und erfahren sind. Dazu gibt es einen Katalog von Kriterien, die die Praxisklinik nicht erfüllt. So darf sie  nicht weiter als zwei Kilometer vom Haupthaus, der großen Sana-Klinik in der Innenstadt mit ihrer Intensivstation, entfernt sein. Die Praxisklinik liegt rund 20 Kilometer weit weg.
Frau von der Decken und ihre Mitarbeiter sahen in dem offenen und wertschätzenden Gespräch keine Spielräume für einen Erhalt des bisherigen Konzeptes. In dem engen Rahmen des Bundesgesetzes, der auch in dem Anpassungsgesetz von Frau von Warken in diesem Jahr nur unzureichend ausgeweitet wurde, gibt zu wenig Spielraum für Schleswig – Holstein. Für mehr Spielräume hatte sich die Ministerin engagiert eingesetzt.  Ausnahmeregelungen bezogen auf die sogenannten „sektorenübergreifenden Einrichtungen“, die eine Bündelung von ambulanter und stationärer Versorgung ermöglicht, gäbe es ausschließlich in den Leistungsgruppen Innere Medizin und Geriatrie. Und auch nur, wenn es in der Region eine Unterversorgung gäbe. Das sei in Lübeck mit seinen beiden großen Versorgern der Uniklinik und des Sana-Haupthauses im Süden der Stadt nicht der Fall.
„Wir bedanken uns bei der Ministerin für das konstruktive Gespräch“, betonten Peter Dummann und Sabine Haltern aus dem Vorstand der SPD Kücknitz Travemünde. „Wir waren schon mal erleichtert darüber, dass die stationären Betten im Falle einer Schließung der Praxisklinik in Lübeck verbleiben und nicht gestrichen werden. Auch die Übergangsregelung von einem Jahr ist angesichts der Tatsache, dass das Bundesgesetz keine Regelung vorsieht, zunächst positiv zu bewerten. Aber wir wollen mehr versuchen, zu erreichen“.
„Da sind wir uns mit den vielen Unterstützerinnen und Unterstützern der Petition, den betroffenen Mitarbeitern, mit denen wir gesprochen haben, und den Ärztinnen und Ärzten der Praxisklinik einig,“ so SPD-Fraktionsmitglied Renate Prüß.
Der nächste Schritt ist jetzt das Anhörungsverfahren, zu dem die Sana-Klinik bis zum 31. Oktober einen schlüssigen Antrag zur Anpassung des Konzeptes und gegebenenfalls eine Erweiterung der Übergangsfrist einreichen kann.“
Die Ärzte in den angeschlossenen Facharztpraxen haben dazu Vorschläge erarbeitet, die nun auf den Prüfstand kommen und die Teil des Gespräches mit der Ministerin waren. (PM/rk)