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Ganz gepflegt die StartUp Challenge gewonnen

Eutin (aj). Ein Hauch von „Höhle der Löwen“ wehte am Mittwoch der vergangenen Woche durch die Kundenhalle der Volksbank Eutin. Wo sonst Bankgeschäfte vorgenommen werden, präsentierten zwölf Teams des elften Jahrgangs der Beruflichen Schule des Kreises Eutin einer kompetent besetzten Jury ihre Geschäftsideen. StartUp Challenge Schleswig-Holstein ist der Name des Wettbewerbs, den die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Kiel für die Beruflichen Schulen des Landes auflegt, um jungen Menschen eine Plattform für Erfindungsgeist und unternehmerischen Mut zu bieten. Dass Courage genauso wichtig ist wie eine originelle Produkt-Idee und ein stimmiges Geschäftskonzept, war offensichtlich. Schließlich galt es vor einem großen Publikum und der Jury bestmöglich zu verkaufen, was man sich im Unterricht erdacht hatte. Und auch wenn es bei der Vorbereitung Unterstützung und Begleitung durch Lehrkräfte und vonseiten der Entwicklungsgesellschaft Ostholstein mbH EGOH als Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises gab – überzeugen mussten am Ende die Schüler*innen selbst. Die zeigten sich bestens präpariert, beeindruckten mit Kreativität und Fantasie und meisterten ihre Auftritte bravourös. Vom Outfit bis zu szenischen Einlagen stimmte jedes Detail. Sechs Minuten Zeit hatten die Gruppen jeweils, um ihr Produkt an die Jury zu bringen, die im Anschluss Fragen stellen konnte. Gelegenheit für einen individuellen Austausch gab es auf der anschließenden kleinen Messe. Denn auch der eigene Stand ist Teil der Wettbewerbsanforderung. Der erste Erfolg liegt damit schon in der Teilnahme. Oder wie es Patrick Gütschow, Vorstandssprecher der Volksbank Eutin Raiffeisenbank eG, formulierte: „Die gute Nachricht ist: Sie sind hier!“ Neben Gütschow bewerteten Timo Gaarz (Landrat des Kreises Ostholstein und Aufsichtsratsvorsitzender der EGOH), Christoph Salewski (Leiter Berufliche Schule Eutin), Wolfgang Lilienthal (Unternehmensverband Ostholstein-Plön e.V.), Liane Pitzschel (Die Ostholsteiner gGmbH), Susanne Remmler (EGOH) und Prof. Dr. Kay Poggensee (Hochschule für Angewandte Wissenschaften Kiel) die StartUps. 

Die Bandbreite begeisterte: Vom Kleiderwärmsystem für einen kuscheligen Tagesanfang über eine flexible Sehhilfe für den Einkauf, eine überschwappsichere Tasse oder eine Schutzhülle für Getränkedosen bis zu einem hygienischen Müllsammelsystem, einem Tool in Ballform fürs Klettertraining und einem Automaten, der bei Gepäckverlust am Flughafen mit einer Grundausstattung aushilft, reichte das Spektrum. Nicht zu vergessen: ein Hundenapf „Sniff-Up“, der über köstliche Gerüche zum Fressen auch wenig geliebter Diätkost oder Medikamente verführen soll. Für den Testlauf vorab, so war zu erfahren, hatte sich der Dackel einer der Erfinder*innen zur Verfügung gestellt. Dafür gab es am Ende den dritten Platz. 

Die Vorstellung war so individuell wie die jungen Menschen selbst. Wie aber kommt man auf einen Kugelschreiber, der über ausgewählte Düfte wirksamen, aber ungesunden Softdrinks Konkurrenz machen kann? „Viele trinken Energy-Drinks, da dachten wir: Das geht besser“, erzählte Darius Karl Brunner. Er gehört zum Trio, das den „Focus Pen“ pitchte. Pitchen ist übrigens der Fachausdruck für die prägnante Produktpräsentation: „Das war der schwierigste Teil des Projektes“, verriet Jannes Schwiemann. Eine Situation, bei der der Focus Pen gut zum Einsatz kommen könnte: „Er hilft über eine kleine Duftkapsel dabei, sich zu entspannen, zu konzentrieren, zu fokussieren“, führte der Schüler aus. Ein gutes Hilfsmittel für alle, die ohnehin immer einen Stift dabeihaben. Praxistauglich ist auch die Visio-Sehhilfe, die beim Einkauf den Blick in untere und obere Regaletagen erleichtert und auch das Kleingedruckte verlässlich lesbar macht: „Ich arbeite im Futterhaus und sehe häufig, dass das ein Thema ist“, erklärte Julia Scheel. Dass es gut ist, der Jury einen Prototypen vorführen zu können, wussten die jungen Frauen von PureDrop. Sie konnten nicht nur die Vorteile ihres Baumwoll-Reinigungspads erläutern, sie hatten auch selbst genäht. Der weiche Pad mit der Reinigungskapsel stand für einen Schwerpunkt, der sich als roter Faden durch die Challenge zog: Nachhaltigkeit.

Damit punktete auch das Sieger-Team. Anastasia Voltz und Frida Josephine haben ein Duschgel-Pulver als Alternative zu herkömmlichen Duschgels in Plastikflaschen erdacht – hygienisch geschützt und verpackt in einer wiederverwendbaren Metalldose. Mit individuell wählbaren Düften können Kundinnen und Kunden ihr persönliches Dusch- und Peelingerlebnis kreieren. EGOH-Geschäftsführer Jens Meyer war nicht nur überzeugt vom Produkt, er hatte auch sofort eine Idee, welches Unternehmen man vor Ort für die Umsetzung ins Boot holen könnte: „Diese Verknüpfung ist ein Grund, warum wir die StartUp Challenge so gern unterstützen“, betonte er. „Frenavi“ nimmt am 27. Februar am Landesfinale der StartUp Challenge Schleswig-Holstein in Kiel teil. Den zweiten Platz sicherte sich „TriPour“. Die Ölflasche mit drei Kammern ist eine unkomplizierte Alternative zu kleckernden Flaschen und eignet sich hervorragend für ein Picknick. „Mehr Ordnung, Übersicht und Sauberkeit – sowohl in der Küche als auch unterwegs“, versprach die „TriPour“-Truppe. „Das ist sehr durchdacht“, bescheinigte Prof. Dr. Kay Poggensee. Und Jens Meyer resümierte angesichts der vielen klugen Köpfe: „Im Alltag werden wir laufend mit Problemen konfrontiert, hier können wir uns über tolle Lösungen freuen!“


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