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„Eutiner Stadtgeschichte“ hofft auf eine Chance für beschädigtes Haus

Eutin (t). Karlheinz & Regine Jepp vom Büro für Eutiner Stadtgeschichte sind über den Brand des Hauses Weidestraße 28 bestürzt, hoffen aber darauf, dass die Eigentümer den Dachstuhl erneut aufbauen lassen und damit dem Gesamtensemble der Häuser Nr. 24 bis 28 eine Chance geben. 

Auch wenn das Haus nicht direkt zu den ältesten der Stadt gehört, so bildet es gemeinsam mit den beiden rechts anschließenden Gebäuden ein Entree in die Altstadt Eutins, um das andere Städte unsere Heimat beneiden. An der Torbalkeninschrift über der „Grootdör“ steht „J. M. Kaven 1823“. In diesem Jahr hat der Kuchenbäcker Johann Mathias Kaven das Haus errichten lassen, das Grundstück hat er im Oktober des Vorjahres von dem Arbeitsmann Specht erworben. Von Anfang an sind hier nicht nur landwirtschaftliches Gerät, Vieh und Getreide untergebracht, sondern es sind auch Wohnungen vorhanden. Schon im August 1823, das Haus muss gerade fertiggestellt worden sein, wirbt der Mechanikus Thieme aus Leipzig damit, bei Kaven erreichbar zu sein. Er führt seine „magische Show“ in „dem dazu eingerichteten Local des Hrn. Kaven“ vor. Wahrscheinlich stehen die „Ehrlich-Brother“ mit ihrer Zauberkunst in der Tradition von Leuten wie Thieme. 

1844 verkauft Kaven das große Fachhallenhaus an den Hofbäcker Johnsen. Auch er vermietet die Wohnungen in diesem Gebäude. Im Adressbuch von 1864 sind die drei Arbeitsmänner Ehler, Freese und Roggenkamp ebenso wie die Säger sen. und jun. Vermehren und der Dachdecker Wulff hier verzeichnet. Im Adressbuch von 1908 sind in den Wohnungen sechs Mietpartien gemeldet. Die Arbeiter Friedrich Stelling, genannt Beckmann, Wilhelm Lübcker, Heinrich Schmidt und Marie Schöning und das Ehepaar Julius und Marie Steffen, er ist Fuhrmann, sie Brotträgerin. 1913 leben in den Wohnungen sogar acht Personen. 

Schon im Jahr 1816 hat der Stadtmagistrat begonnen, die Weidestraße pflastern zu lassen, da der Verkehr aus dem Umland in die Stadt nicht im Matsch versinken sollte. 1825 wird der Straßenbau fortgesetzt, die Steine stammen zum Teil von dem aufgelassenen Michaelisfriedhof an der Kirche. Fünf Jahre später erhält die Straße an den Seiten Rinnen, damit das Oberflächenwasser ablaufen kann. Es hat sich wahrscheinlich im sog. „Schweineteich“ in der Nähe der heutigen Bahnlinie gesammelt. 1869 werden die Bürgersteige gepflastert. 

An dieser Stelle ist spürbar, dass sich die Stadt als urbanes Zentrum historisch zugleich verantwortlich für das Umland fühlt. Einerseits versorgen sich Bürgerinnen und Bürger aus Ahrensbök in Eutin, anderseits können Eutiner ihre Liegenschaften vor der Stadt problemlos erreichen. „All dies sollten Gründe sein, dass Ensemble Weidestraße 24 bis 28 unbedingt zu erhalten“, meinen Karlheinz und Regine Jepp.


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