Marlies Henke

Bürgervogelschießen Cismar: Ein zäher Vogel und eine Königin mit Geschichte

Cismar. Als die Sonne längst hinter den Bäumen verschwunden war und der Festplatz nur noch im Schein der Flutlichtanlage lag, hallten die Ansagen des Schießleiters immer noch über das Gelände. Fast schien es, als wolle der hölzerne Vogel des 60. Bürgervogelschießen den Gästen einen besonders langen Festabend schenken. Was ihm schließlich gelang: Erst um 22.40 Uhr fiel das zähe Exemplar von der Stange und Merle Dörr aus Kempen in Nordrhein-Westfalen durfte sich über die Königswürde freuen. Für sie ist der Titel eng mit der Familiengeschichte verbunden: Ihr Großvater Eberhard Dörr senior gehörte vor 60 Jahren zu den Mitinitiatoren des Bürgervogelschießens und ist bis heute bei jedem Fest dabei.

Insgesamt 197 Teilnehmende gingen am Samstag an den Schießstand, 49 davon zogen in die Königsrunde ein. Dort waren dann weitere 510 Schüsse nötig, ehe der Vogel und damit die Entscheidung fiel.

Und auch der Nachwuchs ermittelte seine Majestäten: Kinderkönigin wurde Mia Haberl, Jugendkönigin Lotta Nyhoff.

Begonnen hatte der Festtag bereits am Vormittag mit dem traditionellen Festkommers im Klosterkrug. Fester Bestandteil war wieder das Programm „Ein Dorf lacht über sich selbst“, bei dem die Cismarer ihre Eigenheiten mit viel Humor aufs Korn nahmen. Außerdem wurden mehrere Bürger für ihr Engagement ausgezeichnet. Waltraud Drückler erhielt eine Ehrung für ihren langjährigen Einsatz im Frauenkreis des Kirchenkreises. Geehrt wurden zudem die Klosterjäger Manfred Stoll, Erhard Borchert, Klaus Hansen, Norbert Meier, Manfred Ströwer und Karl-Jürgen Wulf. Veränderungen gab es zudem in der Kommersleitung: Henning Siems und Burkhard Glaser wurden zu Ehren-Kommersmitgliedern ernannt. Neu in das Gremium rücken Lotte Prüss und Benedikt Schrum nach.

Im Anschluss zog die Festgemeinschaft gut gelaunt zum Seniorenheim Magnoliengarten, wo der Musikzug der Gemeindewehr den Bewohnern ein Ständchen spielte. Danach ging es weiter auf den liebevoll von Feuerwehr und Klosterjägern vorbereiteten Festplatz, wo neben Bierwagen, Festzelt, kulinarischen Angeboten und Spielmöglichkeiten für die Kinder bereits der noch „unschuldig“ wirkende Holzvogel auf seinen großen Auftritt wartete. Gebaut hatte ihn erneut Vogelbauer Arwin Scholz, der kunstvollen Anstrich kam von Tim und Malte Venneberg. Dass ihr Gemeinschaftswerk am Ende so viel Ausdauer bewies, war wohl nicht beabsichtigt, sorgte aber dafür, dass das 60. Bürgervogelschießen um eine Anekdote reicher ist, die noch lange in Erinnerung bleiben dürfte. (he)


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