Marlies Henke

Grömitz startet mit Zuversicht ins neue Jahr – Lob fürs Ehrenamt, große Projekte im Blick

Grömitz. Über zwei Stunden voller Informationen, Musik und Anerkennung fürs Ehrenamt: Beim Neujahrsempfang der Gemeinde Grömitz im Klosterkrug Cismar begrüßten Bürgervorsteher Matthias Dammer, Bürgermeister Sebastian Rieke und Tourismusleiter Manfred Wohnrade zahlreiche Bürgerinnen und Bürger sowie Gäste aus Politik, Vereinen und Feuerwehren. Für musikalische Begleitung sorgten der Feuerwehrmusikzug Grömitz und der Grömitzer Shantychor. Zwischendurch blieb viel Raum für Gespräche.


Solide Finanzen trotz enger Spielräume

Bürgervorsteher Matthias Dammer machte deutlich, dass die Gemeinde finanziell auf einem stabilen Kurs ist, auch wenn die Spielräume kleiner werden. Für 2026 konnte erneut ein ausgeglichener Haushalt verabschiedet werden. Möglich geworden sei das vor allem durch eine frühzeitige Erhöhung des Tourismusbeitrags und die Ausdehnung der Hauptsaisonzeiten. „Wir sind auf einem sehr guten Weg“, betonte Dammer. Gleichzeitig dämpfte er allzu große Erwartungen: Preis- und Lohnsteigerungen bei gleichzeitig sinkenden Steuereinnahmen hätten das erhoffte finanzielle Polster schnell aufgezehrt. „Wir können nur hoffen, dass der Tourismus brummt und die Steuereinnahmen nicht weiter sinken“, so Dammer.


Schulneubau und Baugebiete

Ungeachtet dessen treibt die Gemeinde große Zukunftsprojekte voran, allen voran das Großprojekt Schulzentrum (der reporter berichtete). Eine aktuelle Kostenschätzung von rund 50 Millionen Euro stellt die Gemeinde jedoch vor große Herausforderungen. „Oberster Grundsatz ist und bleibt: Das Ganze muss solide bezahlt werden können. Wir wollen keinen Schuldenberg für die nächsten Generationen hinterlassen“, stellte der Bürgervorsteher klar.

Zum Thema Wohnraum informierte er über die Baugebiete Kirchkoppel und Grönwohldshorst, die voraussichtlich kurz vor der Erschließung stehen.


Volkstrauertag, Kirche und gesellschaftlicher Zusammenhalt

Einen besonderen Akzent setzte Dammer beim Volkstrauertag, der 2025 erstmalig als „Volkstrauertag und Friedensgedenken“ stärker ins Bewusstsein gerückt worden war. Das neue Konzept mit anschließender Begegnung habe intensive Gespräche ermöglicht und solle 2026 ausgebaut werden.

Sorgen bereitet ihm die Zukunft der Kirche vor Ort. Mit dem anstehenden Ruhestand von Pastor Holger Lorenzen, dem Fortgang von Pastorin Angela Zuschneid-Dorn sowie dem Ruhestand von Burkhard Kiersch von der Kirchengemeinde Cismar am Jahresende 2026 werden die Nachbesetzungen schwierig.

Dammer warb zudem für mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt: Wenn sich die Menschen weiter voneinander entfernten, werde es zunehmend schwieriger, das Land in dem Sinne zu gestalten, wie man es kenne und schätze. „Die Freiheit kommt nur durch Engagement aller Bürgerinnen und Bürger. Nur so funktioniert unser Land.“


Infrastruktur, Sicherheit und Ortsentwicklung

Bürgermeister Sebastian Rieke blickte auf ein arbeitsreiches Jahr 2025 zurück mit vielen Projekten, die nicht immer sofort sichtbar seien. „Gerade diese Arbeit im Hintergrund ist entscheidend für die Zukunftsfähigkeit unserer Gemeinde“, sagte er.

Ein Schwerpunkt lag auf der Infrastruktur: Straßen, Abwasser- und Trinkwassernetze. Durch bessere Abstimmung mit allen Versorgern sollen Straßen künftig nur noch einmal geöffnet werden. „Der Koordinierungsaufwand ist hoch, aber er lohnt sich. Und wir alle sparen Zeit, Geld und Nerven“, so Rieke.

Für 2026 sind erneut eine Million Euro für Straßensanierungen eingeplant. Gleichzeitig investiert die Gemeinde in den Katastrophenschutz: Notstromaggregate für Feuerwehrgerätehäuser, Schule und künftig auch den Klosterkrug sowie ein Hochwasserschutzsystem an den Strandzugängen.

Bei der Ortsentwicklung stehen Verkehr und Parken im Fokus. Tempo-30-Zonen, ein Parkleitsystem und verkehrsberuhigte Bereiche sollen die Aufenthaltsqualität verbessern. Erste Umsetzungen sind noch für dieses Jahr vorgesehen.


Wohnen, Kinderbetreuung und Gewerbegebiet

Beim Wohnraum setzt die Gemeinde auf Schutz und Neubau zugleich. Die Zweckentfremdungssatzung soll Dauerwohnraum sichern. „Diese Regelung wird nicht jedem gefallen, aber sie ist notwendig, um die Balance zwischen Tourismus und dauerhaftem Wohnen zu halten“, betonte Rieke.

Positiv bewertete er zudem das Projekt Mitarbeiterwohnen im Genossenschaftsmodell, bei dem Gemeinde, Gewerbetreibende und Zweckverband gemeinsam Wohnraum für Mitarbeitende realisieren. Erfreuliche Nachrichten gab es zudem aus der Kinderbetreuung: Der Kindergarten Zwergenstübchen in Cismarfelde wurde erweitert, ein Naturkindergarten auf Hof Klostersee eröffnet. Weitere Plätze sollen folgen.

Des Weiteren treibt die Gemeinde die Erweiterung des Gewerbegebiets im Körnickerfeld voran.


Feuerwehren, Vereine und Ehrenamt

Große Anerkennung sprach Rieke den Feuerwehren aus. Mit 199 aktiven Einsatzkräften und insgesamt rund 340 Mitgliedern seien sie eine tragende Säule der Gemeinde. Ebenso stellte er Vereine, Jugendarbeit und den Bauhof heraus. Investitionen in die Ostholsteinhalle und ein neuer Sozialtrakt für den Bauhof sind fest eingeplant.


Rekordjahr für den Tourismus

Tourismusleiter Manfred Wohnrade präsentierte beeindruckende Zahlen: Grömitz zählt 2025 erstmals mehr als zwei Millionen Übernachtungen. Wohnrade betonte, dass diese Entwicklung nur mit den Leistungsträgern möglich sei. „Die Zahlen sprechen für sich. Das ist eine Teamleistung. Danke, Team Grömitz!“

Highlights wie der neue Beach Club, das Festival „Sonne, Strand und Sterne“ mit Wincent Weiss, „Ostsee in Flammen“ oder der neue Wohnmobilplatz „Sonnenplatz 29“ sorgten für große Resonanz bei Gästen wie Einheimischen.


Große Projekte für 2026

Für das laufende Jahr kündigte Wohnrade zahlreiche Projekte an: die Eröffnung der Dünenwelten mit Spielwelt, Bowlingbahn, Veranstaltungssaal und Gastronomie, pünktlich zur Saison und bislang ohne Kostenüberschreitung. „Ja, es scheint tatsächlich möglich zu sein, dass die öffentliche Hand ein Projekt für 12,5 Millionen Euro plant und auch für 12,5 Millionen Euro baut“, sagte er.

Auf der Agenda stehen außerdem ein Solarpark auf dem Großparkplatz Gildestraße, eine zweitägige Ausgabe von „Ostsee in Flammen“, die Umgestaltung des Seebrückenplatzes und eine feste Bühne im Kurpark, die auch von Vereinen und Verbänden genutzt werden kann.


Ehrungen

Peggy Andersen-Hartwig, Maria Kononov und Marion Lindner wurden für ihr besonderes Engagement bei der täglichen Ausgabe des kostenlosen Frühstücks für Schülerinnen und Schüler im Gosch Hotel ausgezeichnet.

Zudem erhielten Daniela Knoop, Sabrina Prüss, Henning Siems und Burkhard Glaser eine Auszeichnung in Anerkennung von 20 Jahren engagierter Kommersleitung des Bürgervogelschießens in Cismar.

Geehrt wurden außerdem folgende Sportlerinnen und Sportler für ihre herausragenden Leistungen: Nikolina Karaman, Ben Arb, Anni Nestler, Helen Hedda Reese, Stephan Lüthans, Jörg Bohner, Amy Deckenhoff, Jens Petersen, Donata von Ludowig und Rüdiger Reibe. (he)


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