Kristina Kolbe
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Seit 50 Jahren in Grömitz: Zoo Arche Noah bringt Mensch und Tier zusammen

Ein Teil der Familie Wilhelm inmitten der Ziegen: Tierpflegeleitung und Ausbilderin Maja Wilhelm-Cellmann, Birgit und Ingo Wilhelm mit Enkeltochter Emma Wilhelm (v. lks.).

Ein Teil der Familie Wilhelm inmitten der Ziegen: Tierpflegeleitung und Ausbilderin Maja Wilhelm-Cellmann, Birgit und Ingo Wilhelm mit Enkeltochter Emma Wilhelm (v. lks.).

Bild: Kristina Kolbe

Grömitz. Als Familie Wilhelm das Streichelgehege ihres Zoos Arche Noah betritt, kommt ihnen Ziege Mufasa sofort entgegengetrappelt. Emma, eins von 13 Enkelkindern des Betreiberehepaars, schließt das Tier in die Arme und erzählt, dass sie Mufasa schon seit seiner Geburt kenne. „Ich komme jeden Tag her“, berichtet die tierliebe 13-Jährige. Hier im Streichelgehege hat auch vor 50 Jahren alles angefangen, getragen von der Idee, Menschen und Tiere zusammenzubringen, eröffneten Hans und Brunhilde Wilhelm mit ihren Söhnen Ingo (der heutige Zoodirektor) und Uwe den Zoo Arche Noah in Grömitz. Das Streichelgehege mit den Ziegen war von Anfang an die erste Attraktion, die es für die Zoobesucher zu entdecken gab. Auf 3,5 Hektar fanden zusätzlich zwei Schimpansen, ein kleiner Elefant, die Kragenbären „Ben“ und „Bonnie“, Stachelschweine, Kamele, Flamingos, „Olaf“ das Mufflon und viele mehr ihr Zuhause.

Die Anfänge

Der Zoo legte mit 110.000 Besuchern im ersten Jahr einen soliden Start hin. Insgesamt sei es jedoch immer eine Achterbahnfahrt gewesen, erinnert sich Ingo Wilhelm. Ein erster herber Einschnitt war zum Beispiel die Schneekatastrophe 1979. „Wir wurden von der Bundeswehr mit Öl versorgt. Es gab meterhohe Schneewehen“, beschreibt Wilhelm. Jedoch hat die Familie auch aus schweren Zeiten immer etwas für die Zukunft mitnehmen und lernen können, zum Beispiel immer ausreichend Nahrung für mehrere Monate vorrätig zu halten, was sich spätestens während der Corona-Pandemie bezahlt machte.

Die Geschichte

Bereits in den 80er Jahren entwickelte sich das Konzept des Zoos hin zu seiner heutigen Ausrichtung, die den Fokus auf große Gehege, begehbare Anlagen mit Rückzugsmöglichkeiten für die Tiere und Besucherfreundlichkeit richtet. Mit dem Boom der Ostseebäder durch die Grenzöffnung 1989 stiegen die Besucherzahlen wieder. Ingo Wilhelm ist gerade in dieser Zeit häufig durch seinen Zoo spaziert und fragte sich, wie er den Besuch für die Familien noch angenehmer gestalten könne. Die Gehege im Zoo Arche Noah sind daher allesamt aus Kinderperspektive gut einsehbar und verfügen über niedrige Fenster oder Erhöhungen. Hinzu kommt die Einrichtung diverser Spielplätze für unterschiedlichste Altersklassen sowie der Bau des Cafés, Anfang der 90er Jahre, das gerade komplett modernisiert wurde.

Die Geburt der „Ligas“

Am 26. März 1990 erwartete die Familie Wilhelm eine besondere Überraschung: Im Raubkatzengehege waren drei „Ligas“ geboren, eine Kreuzung aus Löwe und Tiger, die allerdings nicht geplant war. Die Babys waren mit 600 Gramm viel zu klein und wurden von Ingo Wilhelm und Tierpflegerin

Mareike Spitzer mit der Flasche aufgezogen. Das war ein Fulltimejob, erinnert sich Ingo Wilhelm, immerhin hatte das Ehepaar gerade selbst Tochter Sophie bekommen. „Außerdem musste ja ein neues Gehege her“, so der Zoodirektor, der anstehende Aufgaben meist in Eigenleistung anpackte. So entstand in den frühen 2000ern das riesige Schimpansen-Areal, bestehend aus einem Haus mit zahlreichen Kletter-, Spiel- sowie Ruhemöglichkeiten und angrenzendem Außenbereich. Acht Jahre lang haben Ingo Wilhelm und zwei festangestellte Handwerker des Zoos an dem Gehege gebaut. Diese Mühe wurde schließlich 2016 vom Verband deutscher Zootierpfleger gewürdigt und mit dem BdZ-Biber für gute Tierhaltung und -präsentation ausgezeichnet.

Viel Platz, wenig Arten

Inzwischen hat der Zoo sein Areal auf 10 Hektar vergrößert und auch seine Linie, lieber wenige Tiere in dafür größeren Gehegen unterzubringen, weiter forciert. Mittlerweile sind die begehbaren Welten „Südamerika“ mit den Lamas, Nandus und Maras, „Australien“ mit den Bennett-Kängurus und Emus sowie die Alpaka-Anlage beliebte Ausflugsziele für Familien aus ganz Schleswig-Holstein. Im Zoo Arche Noah haben 50 verschiedene Arten und circa 400 Tiere ihr Zuhause gefunden. Das sei für einen Zoo dieser Größe relativ wenig, berichtet Ingo Wilhelm über seine Entscheidung zugunsten des Tierwohls. Auch bedrohte Arten wie die Makis, Weißbüschel- und Lisztaffen leben im Zoo Arche Noah. Waschbärin Josy, die aufgrund einer zurückliegenden Verletzung etwas „schief“ läuft gehört ebenfalls fest zu der Zoofamilie. Dass Tiere aufgrund von Besonderheiten oder ihres Alters den Zoo verlassen müssen, gibt es hier nicht.

Eine Familie packt an

Bis heute geht es der Familie Wilhelm darum, Menschen und Tier zusammenzubringen. Öffentliche Fütterung und Zooführungen gehören daher fest dazu. Auch die regelmäßige Einladung von Schulklassen und Kindergartengruppen ist für die Betreiber selbstverständlich.

Drei von fünf Töchtern sind inzwischen in das Unternehmen eingestiegen und kümmern sich um Bürotätigkeiten, Tierpflege und Gestaltungsfragen. Enkelin Emma zeigt ebenfalls großes Interesse an den Tieren und könnte sich gut vorstellen, später mal im Zoo Arche Noah zu arbeiten. Doch bis diese Entscheidung ansteht, kommt sie weiterhin täglich vorbei und schaut nach Mufasa und den anderen Tieren. Denn eines wird deutlich: Wer mit dem Zoo Arche Noah aufwächst, hat die Liebe zu Tieren in den Genen. (ko)


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