Kristina Kolbe

„Sicherheit ist keine Frage der Haushaltslage“ - Feuerwehr blickt auf vergangenes Jahr zurück

Neustadt in Holstein. Der Saal war fast bis auf den letzten Platz gefüllt, als die Freiwillige Feuerwehr Neustadt am vergangenen Freitag zu ihrer Jahreshauptversammlung eingeladen hatte. Wehrführer Marcel Moldenhauer begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste aus der Blaulichtfamilie, Verwaltung und Politik und blickte auf das vergangene Jahr zurück.

Sparmaßnahmen treffen die Feuerwehr

Während er von den Ereignissen erzählte, die im Jahr 2025 stattgefunden hatten, war ausgerechnet das Fehlen einer Sache besonders auffällig: In diesem Jahr konnte Bürgermeister Mirko Spieckermann kein „Flachgeschenk“, wie er es traditionellerweise nennt, übergeben. Auf Nachfrage aus den Reihen der Kameradinnen und Kameraden, was denn aus dem Briefumschlag geworden sei, antwortete er, dass der Scheck in Höhe von 700 Euro in einer vergangenen Ausschusssitzung für gesellschaftliche Angelegenheiten durch die Politik im Rahmen der Konsolidierungsmaßnahmen gestrichen worden sei. In dieser Sitzung fiel die Entscheidung etliche freiwillige Leistungen zu kürzen. Eine weitere Sparmaßnahme, zu der die Politik jedoch auch von Seiten der Stadt angehalten gewesen war und die aufgrund der schlechten Haushaltslage beschlossen werden musste.

Die Politik steht zu ihrer Entscheidung

Die Entscheidung sei allein aufgrund der zwingend notwendigen Konsolidierungsmaßnahmen erfolgt, sind sich die Fraktionsvorsitzenden einig. Dennoch stieß diese Geste bei der Feuerwehr negativ auf. „Nur mit einem starken Team, das sich seiner wichtigen Aufgabe bewusst ist und Wertschätzung erfährt, können wir auch weiterhin rund um die Uhr für die Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger einstehen“, betonte Moldenhauer in seinem Jahresbericht. Die Feuerwehr habe auch in 2025 immer Verantwortung übernommen, ohne zu fragen, ob es gerade passe, erklärte der Wehrführer und brachte auf den Punkt: „Sicherheit ist keine Frage der Haushaltslage.“ Moldenhauer kritisierte, dass die Kürzung von Mitteln die Einsatzbereitschaft vor Ort beeinflusse: „Es betrifft Sicherheit, Nachwuchsgewinnung und die Bindung engagierter Kräfte.“ Er hätte sich gewünscht, dass die Entscheidung über die Kürzung im Dialog und transparent getroffen worden wäre.

Wachsende Aufgaben und Verantwortung

Auch sein Stellvertreter Christian Exner ergänzte, dass die Aufgaben der Kameradinnen und Kameraden extrem anspruchsvoll seien. Die Realität der Feuerwehr sei mit anderen Vereinen abseits der Blaulichtfamilie nicht zu vergleichen. Hinzu kommen wachsende Aufgabenbereiche, wie immer mehr technische Hilfeleistung und Katastrophenschutz, was zuletzt der großflächige Stromausfall deutlich gemacht habe. Mit aktuell 92 aktiven Mitgliedern habe die Feuerwehr im vergangenen Jahr 256 Einsätze absolviert, davon waren 34 Prozent nachts. Insgesamt komme die Feuerwehr auf weit über 8.000 Einsatz- und Dienststunden. Auch sei es insbesondere jetzt wichtig, mit Blick auf den demografischen Wandel, die Mitgliederstärke der Feuerwehr zu erhalten. „Wir laufen auf eine Lücke zu, die wir mit unserer eigenen Nachwuchsarbeit nicht schließen können“, mahnte er. Auch die Anzahl der Atemschutzgeräteträger, sei mit 47 in 2025 leicht rückläufig.

Kinderfeuerwehr gut aufgestellt

Dennoch berichtete Nadine Herrmann von den 61er Minis, der Kinderfeuerwehr, dass es zum Jahresbeginn sogar Wartelistenplätze gegeben habe und die 20 möglichen Plätze fast durchgehend besetzt waren. Aktuell sind 16 Jungs und 4 Mädchen in der Kinderfeuerwehr aktiv und treffen sich alle zwei Wochen zu Knotenkunde, Spielen, 1. Hilfe am Kuscheltier, Hydrantenkunde und anderen Übungen.

Kassenbericht

Die Kinderfeuerwehr (erstmalig in 2026 mit 1.200 Euro) wird, genauso wie die Jugendfeuerwehr (jährlich mit 400 Euro), finanziell von der Stadt unterstützt. Hinzu kommen 5.500 Euro für die Einsatzabteilung, die sich ebenfalls im Vergleich zum Vorjahr nicht verändert haben. Dennoch habe die Feuerwehr die Renovierung des sogenannten ZBV-Raums (zur besonderen Verfügung) komplett in Eigenleistung realisiert. Einnahmen aus Fördermitgliedschaften, Veranstaltungen und durch den Förderverein seien daher für den finanziellen Spielraum im vergangenen Jahr maßgeblich gewesen, erläuterte Florian Engelking in seinem Kassenbericht.

Zu viele Fehlalarme

Insgesamt konnte die Feuerwehr auf ein Jahr voller Herausforderungen, Engagement und gelebter Kameradschaft blicken, das Moldenhauer in seinem Jahresbericht noch einmal zusammenfasste. Besondere Herausforderungen seien die vielen Fehlalarme gewesen, weshalb der Wehrführer dringend appellierte, den Notruf nur im Notfall zu wählen und die Feuerwehr nicht als handwerklichen Notdienst zu betrachten. Das hohe Engagement der Einsatzkräfte, die kontinuierliche Aus- und Fortbildung und das Großfeuer in der Innenstadt am Abend der feuerwehreigenen Maifeier, fanden ebenfalls Erwähnung. (ko)

Beförderungen

Befördert zum Feuerwehrmann/zur Feuerwehrfrau wurden Sissi Algner, Finn Breede, Markus Büsing, Emanuela Elsässer, Simone Steffen, Fadil Dogan, Alica Graf, Daniela Hintze und Bryan Wabo.

Emilio Zanin wurde zum Hauptfeuerwehrmann *** und Mirco Dieckmann zum Löschmeister befördert. Jan-Hendrik Heisler (Oberlöschmeister) und Tobias Scheunemann (Oberbrandmeister) wurden ebenfalls befördert.

Ehrungen

Auf der Jahreshauptversammlung wurden die langjährigen Mitgliedschaften der Kameradinnen und Kameraden gewürdigt. 10 Jahre in der Feuerwehr sind Sven Almreiter, Levin Mütz, Jannik Schau und Claus Cablitz. 20 Jahre: Vanessa Gisa, Marcel Piegsa, Stefanie Rether, Christian Steffen und Dirk Süssenbach. Wehrführer Marcel Moldenhauer ist bereits seit 30 Jahren in der Feuerwehr. 40 Jahre sind Holger Behla und Florian Jaekel dabei und 60 Jahre Mitgliedschaft können Horst Kutning und Reinhard Reiss vorweisen.

Das Brandschutzehrenzeichen in Silber für 25 Jahre im aktiven Feuerwehrdienst gab es für Kai Johannsen, David Rabe, Peter Stoehr und Nicole Moldenhauer. 40 Jahre im aktiven Dienst ist Detmar Horn, der dafür mit dem Brandschutzehrenzeichen in Gold ausgezeichnet wurde.


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