Marco Gruemmer

Über 350 Jahre alte Eiche zum Nationalerbe-Baum ernannt

Grönwohldshorst. Sie ist rund 350 bis 400 Jahre alt, beeindruckt mit einem Stammumfang von 6,50 Metern und einer gewaltigen Krone, die sich über mehr als 30 Meter erstreckt. Die mächtige Stiel-Eiche im Park des Hofes Klostersee in Grönwohldshorst gehört zu den zehn stärksten ihrer Art in Schleswig-Holstein. Jetzt wurde der außergewöhnliche Baum offiziell zum Nationalerbe-Baum ernannt. Damit ist er erst der dritte Baum in Schleswig-Holstein, dem diese Auszeichnung zuteil wird.

Schon seit Jahrhunderten prägt die Eiche das Erscheinungsbild des Hofes. Ihre weit ausladenden, eindrucksvoll geschlängelten Äste bilden eine nahezu halbkreisförmige Krone. Der mächtige Stamm mit seiner markanten Rinde, tiefen Rissen und knorrigen Wurzelanläufen erzählt von einer langen Geschichte. Mit einer Höhe von rund 25 Metern ist die Eiche nicht nur ein beeindruckendes Naturdenkmal, sondern auch ein Treffpunkt auf dem Hof.

Ein Baum, der Generationen verbindet

„Der Baum ist es gewohnt, dass er angeschaut wird“, erklärte Knut Ellenberger von der Betriebsgemeinschaft Hof Klostersee. Tatsächlich zieht die Eiche seit vielen Jahren die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich. Zu jeder Jahreszeit biete sie einen besonderen Anblick und man könne immer wieder Neues entdecken. Für Ellenberger stehen Baum und Umgebung in einer engen Beziehung zueinander. Der Baum präge die Landschaft, während die Landschaft wiederum den Baum forme. Umso wichtiger sei es, die alte Eiche zu würdigen und ihre Geheimnisse zu entdecken.

Der Hof Klostersee wird seit knapp 40 Jahren von einer Hofgemeinschaft biologisch-dynamisch bewirtschaftet. Der Demeter-Betrieb mit Hofladen, Hofbäckerei und Café ist weit über die Region hinaus bekannt.

Ein lebendiges Stück Geschichte

Auch die Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Bettina Hagedorn, zeigte sich erfreut über die Auszeichnung. Die Würdigung der Hofeiche sei für sie eine Herzensangelegenheit. Die Eiche habe bereits Generationen von Menschen Schutz geboten und sei ein lebendiges Zeugnis der Vergangenheit. Grömitz‘ Bürgermeister Sebastian Rieke betonte ebenfalls die Bedeutung der Auszeichnung. Die Gemeinde sei stolz darauf, einen solchen Baum in ihren Reihen zu haben. Sein Dank und seine Anerkennung galten zugleich der Hofgemeinschaft Klostersee, die sich seit vielen Jahren für den Erhalt einsetzt.

Einer von 100 Nationalerbe-Bäumen

Die Auszeichnung geht auf eine Initiative der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft (DDG) zurück. Ziel ist es, bundesweit 100 alte und eindrucksvolle Bäume als Nationalerbe-Bäume auszuweisen und langfristig zu schützen. Finanziert wird das Vorhaben durch die Eva Mayr-Stihl Stiftung, die auch geeignete Pflegemaßnahmen unterstützt.

Prof. Dr. Andreas Roloff, international bekannter und anerkannter Baumexperte, erläuterte die Hintergründe des Projektes. Deutschland verfüge über einen bemerkenswerten Bestand alter Bäume. Die älteste Eiche des Landes sei rund 900 Jahre alt. Insgesamt seien bislang 68 Bäume bundesweit ausgezeichnet worden, allein 15 davon in diesem Jahr. Vor allem Ostholstein sei reich an alten Bäumen.

Für die Ernennung zum Nationalerbe-Baum spielen verschiedene Kriterien eine Rolle. Dazu gehören ein Stammumfang von mindestens vier Metern sowie der allgemeine Zustand des Baumes. Entscheidend sei aber auch das unmittelbare Umfeld. Unversiegelte Flächen, ausreichend Platz für das Wurzelwerk und eine fachgerechte Pflege seien wichtige Voraussetzungen, damit die Bäume möglichst lange erhalten bleiben. Dazu gehöre auch die gezielte Entfernung von Totholz.

Langfristiger Schutz gesichert

Im Frühjahr 2026 wurden in Ostholstein zahlreiche bereits gemeldete und weitere vielversprechende Bäume untersucht. Dabei rückte die Eiche auf Hof Klostersee in den Fokus.

Nach der Zustimmung des Eigentümervereins wurde eine entsprechende Vereinbarung zum Schutz der Eiche unterzeichnet. Auch die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Ostholstein wurde einbezogen und begrüßte die Auszeichnung ausdrücklich. Schließlich entspreche der langfristige Schutz und die Pflege solcher Bäume genau den Zielen des Naturschutzes. (mg)


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