Gesche Muchow

Wer hat Vorfahrt? Hund oder Fahrrad ?

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Bei schönem Wetter ist der Untere Jungfernstieg ein beliebter Ort für Ausflügler. Auch viele Radfahrer nutzen den gerade verlaufenden, gepflasterten Weg, obwohl sie hier nicht fahren dürfen.

Bei schönem Wetter ist der Untere Jungfernstieg ein beliebter Ort für Ausflügler. Auch viele Radfahrer nutzen den gerade verlaufenden, gepflasterten Weg, obwohl sie hier nicht fahren dürfen.

Foto: Gesche Muchow

Neustadt. Kaum ein Streitthema erhitzt die Gemüter so sehr, wie unerzogene Hunde oder rücksichtslose Radfahrer. Ganz besonders brisant wird es, wenn diese beiden „Phänomene“ ungut aufeinandertreffen. Ein beliebter Ort, an dem dies häufiger passiert, ist der Untere Jungfernstieg (Promenade) in Neustadt.
 
Der Untere Jungfernstieg direkt an der Wasserkante und der parallel dazu verlaufende Obere Jungfernstieg sind sowohl als Gassistrecke bei Hundehaltern als auch als Ausflugsroute bei Radfahrern sehr beliebt.
 
Damit sich dort keiner in die Quere kommt, ist auf der Promenade direkt am Wasser das Radfahren nicht gestattet. Radfahrer müssen hier zwischen dem Fischeramtsgebäude und dem NSV-Rundhafen auf den Oberen Jungfernstieg ausweichen. Leider halten sich viele Fahrradfahrer nicht daran und nutzen beide Strecken - sehr zum Verdruss der Spaziergänger, die sich häufig von den Bikern belästigt fühlen.
 
So auch eine reporter-Leserin, die uns einen langen, aufgebrachten Brief zu diesem Thema geschrieben hat, in dem sie ein aktuelles Erlebnis mit uns teilte: „Eben ist es wieder passiert, diesmal wurde ich selbst von einem Radfahrer beschimpft, ich fühlte mich bedroht, er hat meinen kleinen Hund mit dem Reifen berührt und wollte ihn sich schnappen beziehungsweise mir in die Leinen greifen. Dann hat er auch noch ein Foto gemacht, leider hatte ich mein Handy nicht dabei, sonst hätte ich ihn fotografiert und wäre sofort zur Polizei gegangen“, so die Neustädterin, die aber anonym bleiben möchte. Gleichzeitig berichtete sie über andere Geschehnisse, beispielsweise einen Unfall, bei dem im vergangenen Sommer eine Fußgängerin von einem E-Biker angefahren wurde, stürzte und sich das Handgelenk schwer verletzte. Der Radfahrer sei einfach weitergefahren.
 
Der reporter machte sich am vergangenen Wochenende vor Ort ein Bild und fragte einige Spaziergänger nach ihren Erfahrungen. Die meisten von ihnen hatten noch keine derart negativen Erlebnisse mit Radfahrern, sie alle gaben aber an, dass sie sich von den Fahrradfahrern eher gestört fühlen würden. Eine Hundehalterin berichtete, dass vor allem Jugendliche häufig frech reagierten, wenn man sie auf das Radfahrverbot hinweist. Sie habe das jetzt einfach aufgegeben und belehrt die Schüler nicht mehr.
 
Tatsächlich fiel vor Ort auf, dass die meisten Radfahrer den Unteren Jungfernstieg benutzen und nur die wenigsten auf den Oberen Jungfernstieg ausweichen. Auch der Stadtverwaltung sind die Probleme und Auseinandersetzungen zwischen Radfahrern und Fußgängern bekannt.
 
Das Ordnungsamt bestätigte auf Nachfrage des reporters, dass der Untere Jungfernstieg ausschließlich ein Gehweg sei, auf dem das Radfahren verboten ist. „Wer hier erwischt wird, muss mit einem Buß- oder Verwarngeld rechnen“, so Ordnungsamtsleiter Klaas Raloff.
 
Unabhängig davon appellierte er aber an alle Verkehrsteilnehmer, sich rücksichtsvoll zu verhalten. Stärkere Kontrollen in diesem Bereich seien jedoch nicht vorgesehen. (gm)


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