

Schashagen. In Beusloe soll nahe der A1-Anschlussstelle Neustadt-Pelzerhaken auf einer rund vier Hektar großen Fläche ein neues Gewerbegebiet entstehen. Bevor die Bauarbeiten jedoch beginnen können, werfen Archäologen einen Blick in die Vergangenheit des Geländes, welches, wie sich herausstellte, eine über 4.000 Jahre alte Geschichte erzählt. Diesen Rückschluss lässt zumindest der Fund einer Keramikscherbe mit Verzierungen, die der Trichterbecherkultur zugeordnet werden konnten, zu. Inzwischen haben weitere Experten bestätigt: Die Scherbe ist mindestens 4.000 Jahre alt und stammt aus der Jungsteinzeit. Der reporter hat den Ausgrabungsort besucht und mit der archäologischen Leiterin Natalie Könnecke gesprochen.
„Hier muss eine Siedlung gewesen sein“, erklärte sie, denn zusätzlich wurden bisher Brunnen, Feuerstellen und mutmaßliche Abfallgruben bei der archäologischen Untersuchung entdeckt. Damit wurde auf der Fläche des zukünftigen Gewerbegebiets erst die dritte Siedlung aus der Jungsteinzeit in Ostholstein nachgewiesen. Laut Natalie Könnecke sei das schon etwas Besonderes. „Nur den Keramikofen, in dem die Tonkrüge und Schalen hätten gebrannt werden können, haben wir noch nicht gefunden“, sagte sie. Noch gibt es aber auch zahlreiche dunkle Flecken auf dem Boden zu sehen, die nach dem Abtragen der obersten Erdschicht durch einen Bagger zum Vorschein gekommen sind und auf mögliche Funde hindeuten. Diese werden zunächst von außen betrachtet und eingeordnet. Wird ein interessanter Fund vermutet, markiert ein Fähnchen die Stelle, an der schließlich vorsichtig gegraben wird. In Tiefen zwischen 5 und 100 Zentimetern wird nach weiteren Hinweisen auf frühere Besiedlung gesucht.
Einige dieser dunklen Stellen entpuppten sich bereits als Überbleibsel aus der jüngsten Vergangenheit, zum Beispiel in Form von Drainagerohren, die teilweise durch die historischen Feuerstellen verlaufen. Daran könne man gut sehen, wie die heutige Nutzung der Fläche auf die archäologischen Funde einwirke und Gegenwart auf Vergangenheit treffe, erklärte die Grabungsleiterin.
Das Areal sei von Menschen über mehrere Zeitepochen hinweg genutzt worden, erklärte auch das Archäologische Landesamt Schleswig-Holstein. Bereits aus früheren Untersuchungen war bekannt, dass im nördlichen Bereich der Fläche eisenzeitliche Spuren zu erwarten sind. Diese Hinweise konnten durch die laufenden Arbeiten bestätigt werden. Seit Anfang April untersucht das sechsköpfige Team nun die Fläche. Bislang wurden auf rund 1,5 Hektar in fünf Grabungsabschnitten etwa 190 Befunde dokumentiert. Rund 120 davon wurden bisher näher untersucht. Nach aktuellem Stand gelten etwa die Hälfte der Strukturen als archäologisch relevant. Besonders häufig stießen die Fachleute auf Feuerstellen und sogenannte Kochsteingruben. Außerdem wurden einzelne Gruben sowie zwei mögliche Wasserentnahme- oder Wasserschöpfstellen entdeckt. Auch Pfostengruben, die vermuten lassen, dass Häuser auf der Fläche gestanden haben, wurden bereits entdeckt. Welche zeitlichen und funktionalen Zusammenhänge dahinterstehen, sollen die weiteren Untersuchungen zeigen. Die archäologischen Arbeiten laufen noch bis zum 30. November.
Dass weitere Funde den Baustart verzögern können, sei laut Natalie Könnecke jedoch auszuschließen. „Wir haben einen Zeitplan, an den wir uns halten müssen und der auch vertraglich festgelegt ist“, erklärte die Archäologin. Sie rät außerdem dringend davon ab, das Gelände auf eigene Faust zu erkunden, da die vielen Löcher gefährliche Stolperfallen darstellen. Die Funde werden allesamt katalogisiert, archiviert und für die weitere Forschung zur Verfügung gestellt. (ko)


