Gesche Muchow

Von Neustadt nach Uganda - Lehrer engagiert sich für Kinder in Uganda

Neustadt/Uganda. Eigentlich hatte Jörg Cygan seinen Ruhestand längst erreicht. Doch statt sich komplett zurückzuziehen, engagiert sich der ehemalige Mathematik- und Chemielehrer weiterhin ehrenamtlich und das inzwischen sogar international. Über den Senior Expert Service (SES), eine Organisation, die Fachkräfte im Ruhestand für Hilfs- und Bildungsprojekte weltweit vermittelt, führte ihn sein erster Auslandseinsatz nun nach Uganda. Dort unterstützte der Neustädter Lehrer eine Grundschule im Distrikt Mpigi.

Sein Auftrag an der St. Mugagga Grundschule in Nkozi war klar umrissen: Ein Konzept zu entwickeln, um die Mathematikleistungen der Schülerinnen und Schüler zu verbessern. Schnell wurde jedoch deutlich, dass die Herausforderungen weit über den Unterricht hinausgehen.

Die Internatsgrundschule besuchen rund 600 Kinder der Klassen eins bis sieben sowie drei Kindergartengruppen. Die Klassen sind mit bis zu 75 Kindern stark belegt. Unterrichtet wird ausschließlich mit Tafel und Kreide. Schulbücher oder Arbeitshefte stehen kaum zur Verfügung. Hinzu kommt, dass Englisch in Uganda zwar Unterrichtssprache ist, viele Kinder zu Hause jedoch überwiegend Luganda sprechen und somit bereits ab der Einschulung in einer Fremdsprache lernen müssen.

Auch die Lebensbedingungen vor Ort unterscheiden sich deutlich von denen in Deutschland. Fließendes Wasser, eine stabile Stromversorgung oder ein intaktes Straßennetz sind vielerorts keine Selbstverständlichkeit. Viele Lehrkräfte leben direkt auf dem Schulgelände und übernehmen neben dem Unterricht zahlreiche weitere Aufgaben. Sie betreuen die Kinder, arbeiten im Schulgarten und kümmern sich teilweise bis in die Abendstunden um die Schülerinnen und Schüler.

Besonders bewegt hat Cygan die Wasserversorgung der Schule. Der gesamte Bedarf wird über gesammeltes Regenwasser gedeckt. Reicht dieses nicht aus, muss Wasser aus einem nahegelegenen Sumpf geholt werden, dessen Qualität problematisch ist. Ein eigener Brunnen könnte die Situation nachhaltig verbessern. Die Kosten dafür liegen bei rund 10.000 Euro. Für die Schule selbst ist diese Summe kaum aufzubringen. Lehrkräfte verdienen dort durchschnittlich etwa 150 Euro im Monat.

„Viele Dinge, die für uns selbstverständlich sind, fehlen dort komplett“, berichtet Cygan rückblickend. Gleichzeitig habe ihn beeindruckt, mit welchem Engagement Lehrkräfte und Kinder trotz der schwierigen Bedingungen arbeiten und lernen.

Der 63-Jährige lebt seit vielen Jahren in Neustadt. Nach Stationen als Lehrer in Deutschland und an einer europäischen Schule in den Niederlanden engagiert er sich heute unter anderem auch ehrenamtlich als kommunaler Beauftragter für Menschen mit Behinderung in Neustadt. Der Einsatz in Uganda war sein erster dieser Art, vermutlich aber nicht der letzte.

Unterstützung für das Brunnenprojekt gesucht

Nun hofft Cygan, Unterstützung in Neustadt und Umgebung zu finden, die beim Brunnenprojekt helfen möchten. Ziel ist es, die Lebens- und Lernbedingungen der Kinder langfristig zu verbessern.

Jede Spende ist willkommen: an den Senior Expert Service (SES) gGmbH bei der Sparkasse KölnBonn unter IBAN DE97 3705 0198 1902 0065 82, BIC: COLSDE33XXX. Als Betreff bitte angeben: UG-SNMATH-Brunnenbau. (gm)


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