Gesche Muchow

Kein städtischer Zuschuss für den „Glückshafen“

In der ehemaligen „Glücksklee“-Fabrik wollte der Verein mit der Unterstützung der Stadt Räumlichkeiten anmieten.

In der ehemaligen „Glücksklee“-Fabrik wollte der Verein mit der Unterstützung der Stadt Räumlichkeiten anmieten.

Bild: Gesche Muchow

Neustadt. Eigentlich befinden sich die politischen Gremien bereits in der Sommerpause. Für das geplante Vereins- und Bürgerzentrum „Glückshafen“ kamen die Mitglieder des Ausschusses für gesellschaftliche Angelegenheiten (AfgA) dennoch in der vergangenen Woche zu einer Sondersitzung zusammen. Der Verein „Glückshafen“ möchte Räumlichkeiten in der ehemaligen Glücksklee-Fabrik anmieten. Dafür wird jedoch eine finanzielle Unterstützung der Stadt benötigt, da der Verein bislang weder über Mitglieder noch über eigene Einnahmen verfügt. Gleichzeitig gebe es bereits zahlreiche Interessenten, die die Räume künftig nutzen möchten, erläuterten die Vereinsvorsitzenden Antje und Thomas Hüttmann.

Da der Vermieter der Immobilie in der Werftstraße nicht länger auf eine Entscheidung warten konnte, hatte die CDU-Fraktion das Thema kurzfristig auf die Tagesordnung setzen lassen. Konkret ging es um eine Anschubfinanzierung für drei Jahre in Höhe von zunächst rund 36.000 Euro. Im Laufe der Diskussion konnte dieser Betrag durch Anpassungen auf rund 28.000 Euro reduziert werden.

Gleichwohl standen die Ausschussmitglieder vor einer schwierigen Entscheidung. Die Stadt muss sparen. Freiwillige Leistungen stehen auf dem Prüfstand, Zuschüsse werden gekürzt und in vielen Bereichen wird um jeden Euro gerungen. Umso intensiver wurde darüber diskutiert, ob die Stadt den Aufbau eines neuen Vereins- und Bürgerzentrums dennoch unterstützen sollte. Bauchschmerzen bereitete vielen Ausschussmitgliedern, dass zuletzt an anderer Stelle bereits empfindlich gekürzt werden musste (der reporter berichtete).

Einig waren sich die Fraktionen darin, dass die Idee eines zentralen Treffpunkts für Vereine und Initiativen grundsätzlich sinnvoll ist und Neustadt bereichern könnte. Auch die Argumentation des Vereins, das Ehrenamt zu stärken, insbesondere den sogenannten Nicht-Sportvereinen eine dauerhafte Heimat zu geben und einen generationsübergreifenden Begegnungsort zu schaffen, stieß überwiegend auf Zustimmung.

Die mehrstündige Diskussion zeigte jedoch auch, dass viele Ausschussmitglieder noch zu viele offene Fragen sahen. Was passiert, wenn die erhoffte Auslastung der Räume ausbleibt? Kann der Verein die Miete langfristig ohne städtische Unterstützung finanzieren? Und wäre Neustadt angesichts der bereits vorhandenen Treffpunkte tatsächlich auf ein weiteres Bürgerzentrum angewiesen?

Zwar wurde mehrfach betont, dass die Stadt selbst weder ein solches Zentrum errichten noch betreiben müsste, sondern mit dem Verein engagierte Ehrenamtliche bereitstünden, die diese Aufgabe übernehmen würden. Kritisch hinterfragt wurde jedoch unter anderem, warum der Verein bislang noch keine Mitglieder geworben oder weitere Finanzierungsmöglichkeiten wie Crowdfunding geprüft habe. Zudem sorgten unterschiedliche Aussagen über möglicherweise verfügbare Räumlichkeiten der Kirche für Irritationen. Während aus den Reihen der SPD-Fraktion berichtet wurde, der Propst habe freie Räume für Vereine in Aussicht gestellt, erklärten die Vereinsvorsitzenden, ihnen sei von kirchlicher Seite das genaue Gegenteil mitgeteilt worden.

Am Ende überwogen die Zweifel. Während die CDU-Fraktion die Anschubfinanzierung befürwortete, lehnten die übrigen Ausschussmitglieder den Antrag ab. Mit sechs Nein- bei drei Ja-Stimmen sprach sich der Ausschuss gegen eine finanzielle Unterstützung des Projekts aus.

Enttäuscht zeigten sich nach der Entscheidung Antje und Thomas Hüttmann. Aufgeben wollen sie ihr Vorhaben jedoch nicht. Nun wollen sie das Gespräch mit den potenziellen Vermietern suchen. Außerdem gebe es eine weitere mögliche Räumlichkeit, die für das Vereins- und Bürgerzentrum infrage kommen könnte. Auch diese Option soll nun geprüft werden. Ob und in welcher Form der „Glückshafen“ am Ende doch noch Realität wird, ist damit weiterhin offen. (gm)


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