

Lensahn. Wie können die Häuser in Lensahn künftig klimafreundlich beheizt werden? Wo könnten Wärmenetze sinnvoll sein und wo werden eher individuelle Lösungen wie Wärmepumpen eine Rolle spielen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die kommunale Wärmeplanung der Gemeinde Lensahn. Das Verfahren befindet sich inzwischen in der finalen Phase. Nun waren auch die Bürgerinnen und Bürger gefragt
Bürgermeister Michael Robien erläuterte, dass es bei der kommunalen Wärmeplanung darum gehe, einen möglichen Fahrplan für die zukünftige Wärmeversorgung bis hin zur Klimaneutralität zu entwickeln. Als Unterzentrum gehört Lensahn zu den Kommunen, die einen entsprechenden Wärmeplan erstellen müssen. Grundlage dafür ist das Wärmeplanungsgesetz der Bundesregierung, das im Januar 2024 in Kraft getreten ist und die kommunale Wärmeplanung bundesweit verpflichtend macht. Für Gemeinden wie Lensahn muss der Wärmeplan spätestens bis zum 30. Juni 2028 vorliegen.
Fachliche Unterstützung
Für die Erstellung des Wärmeplans hat sich die Gemeinde fachliche Unterstützung geholt. Am Mittwoch letzter Woche waren Silke Steen, Projektleiterin für kommunale Wärmeplanung bei der ZVO Energie, und Diplom-Ingenieur Peter Bergmann, Vorstand der BBH Consulting AG mit dem Schwerpunkt kommunale Energiewirtschaft, im Haus der Begegnung zu Gast. Sie stellten die Ergebnisse der bisherigen Untersuchungen vor und erläuterten die Möglichkeiten einer zukünftigen Wärmeversorgung in Lensahn.
Im Mittelpunkt standen dabei die Bestandsanalyse, die vorhandenen Potenziale und die Frage, welche Versorgungsformen für die unterschiedlichen Bereiche der Gemeinde langfristig infrage kommen.
Erdgas und Heizöl dominieren bislang
Die Bestandsanalyse zeigt, dass die Wärmeversorgung in Lensahn derzeit noch überwiegend auf fossilen Energieträgern basiert. Insbesondere Erdgas und Heizöl spielen bei der Beheizung der Gebäude eine wichtige Rolle. Um die angestrebte Klimaneutralität zu erreichen, müssen langfristig Alternativen gefunden werden.
Dabei unterscheiden sich die Voraussetzungen innerhalb des Gemeindegebietes deutlich. Während in locker bebauten Wohngebieten vergleichsweise wenig Wärme auf einer größeren Fläche benötigt wird, besteht im Lensahner Ortszentrum ein erhöhter Wärmebedarf. Dort ist die sogenannte Wärmedichte besonders hoch. Das bedeutet, dass auf einer relativ kleinen Fläche viel Heizenergie benötigt wird. Solche Gebiete können grundsätzlich interessante Voraussetzungen für eine gemeinsame Wärmeversorgung bieten.
Wärmenetze für einzelne Bereiche denkbar
Nach dem bisherigen Stand zeichnet sich ab, dass es für große Teile des Gemeindegebietes keine zentrale Wärmeversorgung geben wird. Für viele Haushalte dürften deshalb dezentrale Lösungen eine wichtige Rolle spielen. Dazu gehören insbesondere Wärmepumpen.
Ein flächendeckendes Nah- oder Fernwärmenetz ist nach dem derzeitigen Entwurf nicht vorgesehen. Dennoch werden Wärmenetze für einzelne Bereiche weiterhin geprüft. Als sogenannte Prüfgebiete wurden insbesondere das Lensahner Zentrum und der Bereich rund um den Mühlenteich identifiziert. Aufgrund der dort vorhandenen Wärmedichte könnte eine gemeinschaftliche Wärmeversorgung unter bestimmten Voraussetzungen wirtschaftlich und technisch sinnvoll sein.
Ob entsprechende Wärmenetze tatsächlich umgesetzt werden können, hängt allerdings von weiteren Untersuchungen und konkreten Planungen ab. Für ausgewählte Teilbereiche wurden bereits im Vorfeld entsprechende Nahwärmekonzepte durch Energieversorger diskutiert.
Wärmeplan schreibt keinen sofortigen Heizungstausch vor
Für Hauseigentümer ist dabei wichtig: Aus der kommunalen Wärmeplanung ergibt sich nicht automatisch die Verpflichtung, eine vorhandene und funktionierende Heizung unmittelbar auszutauschen. Der Wärmeplan dient zunächst als strategische Grundlage und ist kein verbindlicher Ausbauplan für bestimmte Straßen oder Grundstücke.
Er soll vielmehr aufzeigen, welche Formen der Wärmeversorgung in den unterschiedlichen Bereichen der Gemeinde langfristig sinnvoll und möglich sein könnten. Damit bietet er sowohl privaten Eigentümern als auch Unternehmen und Energieversorgern eine Orientierung für zukünftige Investitionsentscheidungen.
Bürger können sich informieren
Der vollständige Entwurf des Wärmeplans wird im Rathaus öffentlich ausgelegt und ist auch unter www.lensahn.de einzusehen. Bestandteil sind unter anderem die Bestandsanalyse sowie eine Untersuchung der vorhandenen Potenziale für eine klimafreundliche Wärmeversorgung.
Mit der Bürgerbeteiligung geht die kommunale Wärmeplanung in Lensahn einen weiteren wichtigen Schritt. Die Ergebnisse sollen der Gemeinde, den Bürgerinnen und Bürgern sowie möglichen Energieversorgern als Grundlage dienen, um die Wärmeversorgung in den kommenden Jahren schrittweise klimafreundlicher zu gestalten. (mg)




