Reporter Eutin

Die Finnenhaussiedlung sagt Nein

Preetz (vg). Donnerstag, 26. Februar: Die Mensa der Schulen am Hufenweg platzt aus allen Nähten, so groß ist der Besucherandrang für die Bürgerwerkstatt der Stadt Preetz. An diesem Abend soll die Vorentwurfsplanung für ein Verkehrskonzept für die Finnenhaussiedlung vorgestellt und mit den Einwohnern diskutiert werden. Rund 200 Menschen sind gekommen, darunter etwa 170 direkte Anwohner, die sich inzwischen zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen haben. Denn bei dem Projekt geht es um weit mehr als nur ein Verkehrskonzept: Geplant ist die grundlegende Sanierung und Neuordnung der Straßenräume, und dafür werden auch die Anlieger mit Straßenausbaubeiträgen zur Kasse gebeten.

Fünfstellige Beiträge zum Straßenausbau

Rückblick: Im November flatterte den Anwohnern erstmals ein Flyer ins Haus, der auf das Vorhaben inklusive Online-Befragung und Planungsspaziergang hinwies. „Viele Nachbarn haben den Flyer als Werbung abgetan und gar nicht richtig beachtet. Auch über die örtliche Presse wurde nicht das Projekt aufmerksam gemacht“, erzählt zum Beispiel Dominik Specht. Vielen Anwohnern sei nicht klar gewesen, was die Größenordnung dieses Projekts für sie bedeute. „Über Kosten sollte auch auf dem Planungsspaziergang nicht geredet werden. Da ging es nur um ,Wünsch dir was’“, kritisiert Specht. Wie die Nachbarschaft jedoch herausgefunden hat, werden die Anliegerstraßen an den Kosten – bisher steht ein Volumen von 10 Millionen Euro im Raum – mit 51 Prozent beteiligt. Das dürften pro Haushalt knapp 20.000 Euro sein. „Angesichts zu erwartender Kostensteigerungen rechnen wir sogar mit deutlich höheren Beiträgen.“ 

Die Bürgerinitiative hat der Ratsversammlung am Dienstag nun eine Unterschriftensammlung übergeben. Das Ergebnis ist mehr als deutlich, sagt Anwohner Jens Giesder: „Von den 263 betroffenen Hauseigentümern lehnen 84 Prozent das Projekt in Gänze ab. Und wir haben niemanden getroffen, der das Vorhaben, so wie es bisher geplant ist, unterstützt.“ Die Bürgerinitiative fordert die Stadt auf, von dem Verkehrskonzept Abstand zu nehmen und alle notwendigen Sanierungen im Rahmen der Instandhaltungspflicht durchzuführen. 

„Infrastruktur ist in die Jahre gekommen“

Eine Neugestaltung des Quartiers mit Parkbuchten, aufgepflasterten Spielstraßen, neuen Bürgersteigen oder Leuchten zu Lasten der Hauseigentümer lehnen die Anwohner ab. „Ganz viele ältere Menschen beschäftigt das Thema, sie haben Existenzängste. Und auch junge Familien, die gerade ihr Haus kernsaniert haben und demnächst in neue Heizungen investieren müssen, wissen nicht, was da finanziell auf sie zukommt“, erzählt Specht. Darüber hinaus plädieren die Nachbarn dafür, den historischen Charakter der Finnenhaussiedlung zu erhalten. Das sei auch Planungsziel des bestehenden B-Plans für das Areal.

Bürgermeister Tim Brockmann betonte bei der Bürgerwerkstatt, dass man noch in einem ganz frühen Stadium der Planung sei. „Eine Umsetzung erfolgt nicht vor 2028, und die Maßnahme wird fünf bis zehn Jahre dauern“, so der Verwaltungschef. Und weiter: „Wir gehen das Projekt an, weil die Infrastruktur in die Jahre gekommen ist und die Kanäle teilweise erneuert werden müssen.“ Viele Straßen sind beschädigt oder schadstoffbelastet, Gehwege zu schmal, unbefestigt und teilweise nicht barrierefrei. Mit dem Mobilitätskonzept verfolgt die Stadt das Ziel, die Nahmobilität zu stärken, die Verkehrssicherheit zu erhöhen und die Aufenthaltsqualität im Quartier zu verbessern. Diese Herausforderungen dürfe man nicht auf kommende Generationen verschieben, so Brockmann. Natürlich sei dabei auch der Erhalt des quartierprägenden Charakters der Siedlung ein wichtiger Punkt.

Dass letzterer Aspekt allerdings mit den vorgestellten Maßnahmen – gerade in Bezug auf die Verkehrsberuhigung – tatsächlich einzuhalten ist, bezweifeln die Anwohner. Sie wollen jetzt am Ball bleiben und bei allen Veranstaltungen, die das Thema betreffen, in hoher Anzahl erscheinen – das nächste Mal wieder in der Sitzung des Ausschusses für Mobilität und Infrastruktur, der am 29. April um 19 Uhr im Ratssaal tagt. Weitere Infos hat die Initiative auf der Homepage buergerinitiative-finnenhaussiedlung.wasgehtinpreetz.de zusammengestellt. Auch die Stadt Preetz hat eine eigene Website zum Projekt, die auf www.finnenhaussiedlung-verkehr.de zu finden ist.


UNTERNEHMEN DER REGION

Meistgelesen