

Plön (los). So sieht‘s aus, wenn jemand verstorben ist: Ein Bild oder Porträt, eine Urne, wahlweise auch der Sarg, je nach Geschmack Blumen und Kränze von allerlei Couleur. Das Ganze in einer Trauerhalle, Kapelle oder Kirche mit Sorgfalt arrangiert. Die Plöner Zeitgeister haben dieses zeremonielle Vorbild europäischer Abschiedskultur jetzt unter der Regie von Katharina Butting zur schwarzhumorigen Szene auswachsen lassen. Und die Premiere von „Kalter weißer Mann“ ist bezeichnenderweise auch noch am „Freitag, den 13. …“
Wem dieser Termin suspekt sein sollte: Eine weitere Vorstellung gibt das Theater Zeitgeist Ensemble direkt am Folgetag, Sonnabend, den 14. März. An beiden Terminen öffnen sich die Vorhänge um 19.30 Uhr in der neuen Aula des Plöner Gymnasiums, Prinzenstraße 8.
Karten sind online (www.theater-zeitgeist.de) sowie in der Plöner Buchhandlung Schneider erhältlich.
Kleinkampf um Stilfragen, Differenzen, Umgangsformen und den guten Ton: Nicht selten scheiden sich beim delikaten Thema Trauerfeier die Geister. Die Plöner Zeitgeister haben diesen Aspekt als Spielball ihrer neuen Inszenierung aufgegriffen. Mit dem Grollen und Geifern, das zu allerlei kritischen Fragen derzeit quer durch Deutschland wabert, gelingt Regisseurin Katharina Butting beim Feinschliff des Bühnenstücks eine scharfe Würze: Den zwiespältigen Blick auf die Gestaltung eines würdigen Abschieds, der hier satirisch auf die Spitze getrieben wird, dabei aber gleich eine umfängliche gesellschaftliche Debatte aufrollt. Man mag sie mögen oder nicht.
Da geht es um die Gepflogenheiten der Generationen, ums „Gendern“ und um tiefe Gräben zwischen den Geschlechtern, die daraus resultieren. Alles gute Gründe für schmerzhafte Reibung. Und die erzeugt bekanntlich Hitze.
Die Aneinanderreihung von Pointen im Angesicht von Abschied, Urne und Asche haben die Autoren (unter anderem von „Extrawurst“, verfilmt mit Hape Kerkeling und Christoph Maria Herbst) Moritz Netenjakob und Dietmar Jacobs für die Rollen bühnenreif und detailverliebt verdichtet. Und so wird die am symbolträchtigen Trauerkranz drapierte Textilschleife mit der vielsagenden Aufschrift „In tiefer Trauer. Deine Mitarbeiter“ prompt zum Aufhänger eines hitzigen Streits. Einer Auseinandersetzung, die überdeutlich jenseits der klassischen „Ruhe in Frieden!“-Formel die Befindlichkeiten hervorhebt. Nämlich Befindlichkeiten aus dem Umfeld des durch seine Urne irgendwie doch so gegenwärtigen Patriarchen.
Das lässt Gefühle – und nicht nur traurige - aufwallen. Und so wird im sich aufheizenden zwischenmenschlichen Klima bald eine Auseinandersetzung in aller Peinlichkeit und alles andere als „comme il faut“ just vor dem strengen Antlitz des dahingeschiedenen Firmenchefs Gernot Steinfels ausgetragen, der im Alter von 94 immerhin durchaus friedlich verschied. Grenzt die Schleifenaufschrift das Spektrum der Geschlechterdiversität aus? Symbolisiert sie die Irrwege der „Weiße Männer“-Gesellschaft von vorgestern? Des konservativ-gepflegten Mackertums?
Unternehmensnachfolger Horst Bohne (Christoph Kohrt) jedenfalls, der in männlicher Bräsigkeit ganz auf traditioneller Linie eingeschossen und mit 60 Jahren im übrigen ja nicht mehr ganz so jung ist, findet das ganz und gar nicht. Er hat sich aber diese Frage – Überraschung ... – vorab auch gar nicht erst gestellt.
Die Firmenfrauen mit Marketing-Leiterin Alina Bergreiter (Sonja Rohleder-Grimm), Sekretärin Rieke Schneider (Antje Kemmler-Reder/Marion Witte), Social Media Expertin Sammy Packert (Lene Hilgendorff) und Praktikantin Kim (Luna Neumann) kommen daher, ganz „woke“, peu à peu auf die Palme. Schon steigt Rauch am Horizont auf. Und die zu bedauernde Pastorin (Birgit Neumann/Conny Neugebauer), in ausgleichender (wenn auch vergeblicher) Mission naturgemäß zwischen allen Stühlen, sieht schon ihr schönes Konzept platzen. Bald schon geht sie im Talar auf dem Zahnfleisch, als die Trauerfeier unter den mikroinvasiven fiesen Spitzen der Ereignisse, und weil die Urne erfolgreich „viral“ zu gehen scheint, zu einer Farce zu geraten droht.
Währenddessen dreht sich der verbale Fleischwolf um die aktuellen gesellschaftsrelevanten Streitpunkte Sexismus, Polemik und Political Correctness in direkter Konfrontation vor dem Altar unaufhaltsam weiter. Bleibt die Frage, auf wessen Haupt die Asche am Ende des sichtbar genüsslich ausgetragenen Schlagabtauschs eigentlich verstreut gehört...
Weitere Termine: 11. und 12. April, Plön, katholische Kirche St. Antonius; 25. April, Malente, Maria-Magdalenenkirche.
Nach den Sommerferien 2026: 19. September, Sellin, Alter Kälberstall; 1. November, Schulzentrum Lütjenburg; 7. November, Preetzer Stadtkirche; 21. November, Bösdorf, Lutherkirche Kleinmeinsdorf.



