

Lütjenburg (t/los). Die Veranstaltungsreihe „Lütjenburger Vorträge zur Archäologie & Geschichte“ wird am Freitag, 23. Januar, fortgesetzt. Als Referent ist Professor Dr. Frank Nikulka von der Universität Hamburg zu Gast. Sein Thema „Delbende gefunden? Aktuelle Forschung zu einer Burg an der Elbe bei Boizenburg“ knüpft an seine aktuellen Forschungen zu einer frühmittelalterlichen Burganlage an. Der Vortrag beginnt um 19.30 Uhr im Hotel Lüttje Burg am Markt 20 in Lütjenburg. Der Eintritt ist frei.
Die Palmschleuse in Lauenburg
Die Frage nach dem Ort „Delbende“ berührt einen alten Grenzbereich, der sich anhand des Verlaufs der Delvenau nachzeichnen lässt. Dieser 50 Kilometer lange Fluss entspringt in Grambek im Kreis Herzogtum Lauenburg. Er steht häufig synonym für die Stecknitz, obwohl diese in die Trave mündet – die Delvenau fließt hingegen Richtung Süden in die Elbe.
Jedoch wurde im 14. Jahrhundert von der Delvenau eine Verbindung zur Stecknitz gegraben und der Stecknitzkanal erschaffen. Im 19. Jahrhundert wurde er nochmals ausgebaut. Er mündet an der Lübecker Altstadtinsel in die Trave und verbindet die Stadt mit Lauenburg an der Elbe. Die Palmschleuse in Lauenburg – früher auch „Schlüse zu Bockhorst“ – war 1398 aus Holz gebaut worden und regulierte als eine von 15 Schleusen die Wasserstände.
Bevor dieses Kanalprojekt begonnen wurde, gab es also nur die nach Norden zur Ostsee orientierte Stecknitz und die nach Süden zur Elbe und damit in die Nordsee entwässernde Delvenau, zu fränkischer Zeit ein Teil des Limes saxoniae. Ihr Gewässername soll nach den Ergebnissen des Experten Wolfgang Laur auf das niederdeutsche Substantiv „delf“, „Graben“ zurückzuführen sein.
Auch das am rechten Traveufer gelegene Lübeck gab es in fränkischer Zeit noch nicht, wohl aber den Ort Alt-Lübeck, der um 819 (nach dendrochronologischen Daten) bis 1138 auf der Lübecker Teerhofinsel als „Liubice“, auch „Leubice“ bestand, also am linken Traveufer in einem Bereich, in dem die Schwartau in die Untertrave mündet.
Seit dem Jahr 810 (noch unter Kaiser Karl dem Großen) markierte die Delvenau einen Teil des Limes saxoniae, der das Reich der Karolinger zum Herrschaftsbezirk der slawischen Abodriten hin abgrenzte.
Im Jahr 822 lässt der fränkische Kaiser Ludwig der Fromme nach dem Sieg über die slawischen Abodriten eine Burg nördlich der Elbe zur Sicherung des Gebietes Nordalbingens errichten. Nach den fränkischen Reichsannalen (Annales regni Francorum) wird dieser Ort Delbende genannt.
Die fränkischen Annalen berichten aber nicht, wo genau der Ort und die Burg liegen und weder die Burg noch der Ort Delbende werden danach noch einmal erwähnt.
Historiker und Archäologen haben trotzdem immer wieder versucht, den Standort der Burg zu finden. Frank Nikulka reiht sich mit seinen Forschungen zu einer Burganlage bei Nostorf, Landkreis Ludwigslust-Parchim, nahe Boizenburg, in diese Riege ein.
Anhand der Burganlage und einiger bedeutender Funde geht Nikulka der Frage nach, ob endlich die Burg Delbende gefunden wurde. Dazu berichtet er allgemein davon, wie schwer es ist, einen Ort zu finden, der nur in einer Schriftquelle erwähnt wird.
Frank Nikulka hat an der Universität Vor- und Frühgeschichte, Bodenkunde und Völkerkunde studiert, an der Universität Tübingen promoviert und sich an der Universität Münster habilitiert. Von 2002 bis 2010 war er Dezernent am Landesamt für Kultur und Denkmalpflege in Mecklenburg-Vorpommern. Seit 2010 ist er Professor an der Universität Hamburg und leitet dort das Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie. Sein Forschungsschwerpunkt liegt seit seiner Studienzeit vor allem auf den Metallzeiten.
Seit seiner Tätigkeit in Mecklenburg-Vorpommern forscht er verstärkt zur Zeit der Slawen und seit mehreren Jahren am Fundplatz in Nostorf bei Boizenburg an der Elbe.




