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Optiker sponsert Glasschätze

Plön (mm). „Das Kreismuseum verfügt zwar über eine sehr umfangreiche Glassammlung, doch diese drei Flaschen sind etwas ganz Besonderes“, sagte Museumsleiterin Julia Meyer als Ruth Kühl von der Plöner Optiker-Filiale Fielmann die wertvollen Glasobjekte überreichte, im Namen der Fielmann Group, die kleineren Museen in Norddeutschland regelmäßig zu Kunstgegenständen oder wertvollen Sammlerstücken verhilft. „Genau diese drei Flaschen hat sich der Museumsverein wirklich sehr gewünscht“, betont Meyer. Bei den drei Glasschätzen handelt es sich um Holsteiner Siegelflaschen aus dem 17. Jahrhundert. Sie stammen aus der Sammlung von Jürgen Böhrens, der voriges Jahr gestorben war. „Es war sein Wunsch, dass das Museum die wertvollsten Stücke erhält“, bekräftigt Böhrens’ Witwe Hella, die ebenfalls bei der Übergabe mit von der Partie war und erinnert, wie ihr Ehemann an die „Flasche mit dem langen Hals“ kam. Ende der neunziger Jahre sei das gewesen. In Holland. Dort sei das Ehepaar in der Szene als Glassammler bekannt gewesen. Kanalarbeiter hätten die Flasche entdeckt und zum Kauf angeboten. „Mein Mann war verrückt genug, solch seltenen Stücke zu erwerben und professionell restaurieren zu lassen“, erinnert sich Hella Böhrens. Ein Glücksfall für das Museum. „Diese Flasche ist nicht nur selten und wertvoll, sondern auch sehr schön“, erläutert Julia Meyer. „Sie strahlt einen wunderbar morbiden Charme aus“. Gefunden wurden die Scherben bei Kanalarbeiten in Holland. Das Siegel der Flasche zeigt die dänische Königskrone, den norwegischen Löwen, sowie die Buchstaben „C“ und die Ziffer „5“ für König Christian V. (1646-1699). „Klar ist, dass diese Flasche auf der Glashütte Hasselburg im Kreis Plön hergestellt wurde“, erläutert Meyer. Das Siegel habe bereits ihr Amtsvorgänger, Hans-Joachim Kruse der Glashütte Hasselburg zuordnen können, nachdem er die Herkunft von mehr als eintausend Siegeln erforscht hatte. Allen drei Flaschen gemeinsam ist, dass sie in Glashütten aus dem Kreis Plön oder Ostholstein hergestellt wurden. „Mehr als fünfzig dieser Manufakturen gab es hier in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts“, weiß Meyer. Einfacher Grund: hier gibt es reichlich Quarzgestein als Ausgangsstoff für Glas und, damals noch, gab es ausgedehnte Buchenwälder. Mit deren Holz lassen sich hohe Temperaturen für die Schmelztiegel erzielen. Glasmacher aus Hessen wussten diese günstigen Bedingungen zu schätzen und ließen sich hier nieder. Ortsbezeichnungen und Flurnamen künden noch heute von der einst blühenden Glasproduktion, etwa Glashütte, Glasholz, Gläserkoppel, Hüttenwohld, Glasmoor oder Glasteich. Diese ehemaligen Standorte befanden sich meist auf dem Grund und Boden adeliger Güter, denen der Buchenwald gehörte. Die meisten Bäume waren jedoch etwa ab dem Jahr 1720 verfeuert. Das führte zum Niedergang der ehemals florierenden Glasherstellung. Die Glasmacher versuchten zwar mit Torf ihre Schmelzöfen auf Temperatur zu bringen, doch die Qualität der Ware sank. Und die Nachfrage. Selbst die wenigen verbliebenen Torfglashütten mussten aufgeben. Erst im 19. Jahrhundert wurden in Schleswig-Holstein neue Glashütten errichtet.
Doch zurück zu den drei geschenkten Glasflaschen für das Museum. „Sie werden einen festen Platz in der Dauerausstellung bekommen“, verspricht Museumsleiterin Julia Meyer. Die zweite Bouteille ist ebenfalls eine Weinflasche und aus grünem Glas. In welcher Glashütte sie gefertigt wurde, lässt sich nur näherungsweise bestimmen. Anhand des Siegels, das das Wappen der sieben vereinigten Provinzen der Niederlande zeigt, mit einem „steigenden Löwen“, der in der erhobenen Rechten das Schwert schwingt und in der gesenkten Linken ein Bündel aus sieben Blitzen. Diese Flaschen wurden nach Holland exportiert, produziert von den Glashütten Gut Bossee, Depenau und Schönhorst. Während die beiden großen „Bouteillen“ als Weinflaschen dienten, handelt es sich bei der dritten um eine Apothekerflasche. Wo sie hergestellt wurde, ist eindeutig: ebenfalls in Hasselburg. Deren Siegel ist deutlich schlichter als das der beiden Weinflaschen. Es zeigt die Ziffer 2. „Da Ende des 17. Jahrhunderts viele Menschen kaum lesen konnten, wurden Medikamente nummeriert“, erläutert die Museumsleiterin. Ein einfaches Zeichen, um Verwechslungen zu vermeiden. Auch wenn sie schlichter ist, sei diese Flasche für die Glassammlung des Museums etwas Besonderes, hebt Meyer hervor. Doch was kosten solch begehrten Glasobjekte? „Über so etwas redet man nicht“, meint sie und blickt anerkennungsvoll zu Constanze Köster von der Fielmann Group. „Der Museumsverein ist einfach nur dankbar, dass Fielmann das möglich gemacht hat. Es ist wirklich ein besonderes Geschenk, das wir sehr zu schätzen wissen“.


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