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Heikendorfer Speeldeel spielt „Das Zaubertönnchen“

Heikendorf (mm). „Ich bin das einzige Kind im ganzen Dorf, das keinen Kaugummi bekommt!“ Tine reißt der Geduldsfaden. Lautstark lässt sie Frust ab, macht ihren Gefühlen Luft. Das Mädchen leidet erbärmlich unter den ärmlichen Verhältnissen, in denen es aufwächst. Doch mit moderner Latzhose und wegen ihrer lockeren und aktuellen Jugendsprache wirkt Tine wie aus der Zeit gefallen. Ein typisches Merkmal im Bühnenstück „Das Zaubertönnchen“, das am Freitag, 24. November, Premiere feiert. Durch spannungsreiche Mischung aus zeitgemäßen Theaterelementen und mittelalterlichen Darstellungen entwickelt sich von Beginn an eine Geschichte mit vielen Überraschungen, die die Laienschauspieler der „Heikendorfer Speeldeel“ in der Aula am Ratsredder auf die Bühne bringen.
Seit 1984 ist es das zwanzigste ‚Weihnachtsmärchen für die ganze Familie‘, das traditionell in hochdeutscher Sprache aufgeführt wird. „Vor zwei Jahren mussten wir wegen Corona ja leider pausieren“, erinnert Regisseur Ralph Eckelmann. Dass damals ausgerechnet ein ‚Weihnachtsmärchen‘ vom Programmplan gestrichen werden musste, sei besonders schade. Denn diese Art Theater übe einen außergewöhnlichen Reiz aus. „Auf Zuschauer und Schauspieler gleichermaßen“, betont er. Im Durchschnitt seien fast die Hälfte der Besucher Kinder. „Die sind begeistert bei der Sache. Das ist spannend und herausfordernd zugleich“. Und im Gegensatz zur sonst eher schlichten Ausstattung, wie sie bei plattdeutschen Aufführungen üblich seien, ließen sich beim Weihnachtsmärchen auch optisch zahlreiche Glanzpunkte setzen, etwa durch aufwändige Bühnengestaltung oder fantasiereiche Kostüme.
Was das im „Zaubertönnchen“ heißt, wird spätestens dann deutlich, wenn sich der Vorhang hebt für die Bergkönigin (Jutta Hanke). In bunt-wallendem Rokoko-Kostüm, mit prachtvoll toupiertem Haar, über und über dekoriert mit unzähligen Glitzersternchen, zaubert sie ausdrucksvoll das Reich der Fantasie auf die Bühne. Damit sind wir mittendrin in der Geschichte, die jedoch sehr unromantisch beginnt, im rauhen, bäuerlichen Alltag des Mittelalters. Die Geschichte führt zurück in eine Zeit, als der Adel sich auf Kosten abhängiger Bauern nach Gutdünken bereichern konnte. Etwa bei den Bauersleuten Andreas (Gerhard Schöler) und Lisa (Susanne Ruhberg). Deren kleiner landwirtschaftlicher Hof wirft gerade so viel ab, dass es zum Überleben reicht. Wasser und trockenes Brot sind oft die einzigen Lebensmittel, die Lisa als Mahlzeit auf den Tisch stellt. Extrawürste gibt’s nicht, noch nicht einmal ein Kaugummi für die aufmüpfige, quirlige Tochter Tine (Marcia Talleur). Als ob die ärmlichen Verhältnisse nicht schon niederschmetternd genug wären, wird der kleine Hof obendrein von einer Überschwemmung heimgesucht. Dieses Unglück treibt die Familie endgültig an den Rand des Ruins. Denn sie ist abhängig von der Gunst des kaltherzigen Burgherrn (Reiner Fock). Doch der hat kein Einsehen mit ihrer Not. Andreas, Lisa und Tine fürchten daher, bald völlig verarmt, ausgeliefert und schutzlos auf der Straße zu stehen. „Was nur soll aus uns werden?“, so ihr banges Zaudern.
„Das Zaubertönnchen“ wäre kein Märchen für die ganze Familie, wenn das Blatt sich nicht wendete; wir machen einen Sprung zum fantastischen Teil der Geschichte: Bei einem Marsch durch dichten Wald begegnen Andreas und Lisa zufällig der Bergkönigin. Die beiden Bauersleute helfen ihr, eines ihrer geliebten Zauberdinge zurückzubringen, das zuvor gestohlen wurde. Zum Dank schenkt die edle Dame den beiden ein silbernes, magisches Tönnchen. Auf sehr wundersame - besser: kulinarische - Weise beendet das kleine, runde Behältnis die Misere der Familie. Das kommt auch dem gierigen Burgherrn zu Ohren. Gemeinsam mit Frau Fleißig (Dörthe Rath), seiner verschlagenen Gehilfin, will er in den Besitz des magischen Tönnchens kommen. Um dieses Ziel zu erreichen, versucht das ungleiche Paar die Bauernfamilie zu überlisten. Doch zum Glück ist Lisa nicht auf den Kopf gefallen... Wer wissen will, wie die Geschichte weitergeht, hat Gelegenheit eine von insgesamt zwölf Aufführungen zu besuchen, freitags um 18 Uhr, sonnabends und sonntags jeweils um 15 Uhr. Erster Spieltag ist Freitag, 24. November, letzter Spieltag ist Sonntag, 17. Dezember. Der Eintritt kostet zehn Euro. Vorverkauf in Krügers Ecklädchen, Möltenorter Weg 55, Heikendorf. Kartenreservierungen sind online möglich (www.speeldeel-heikendorf.de).

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