

Brustkrebs gilt oft als Erkrankung älterer Frauen. Tatsächlich steigt das Risiko mit dem Alter deutlich an. Doch auch jüngere Frauen können betroffen sein und das teilweise ohne klassische Risikofaktoren. Gerade deshalb gewinnt das Thema Aufmerksamkeit und Eigenwahrnehmung zunehmend an Bedeutung.
Wenn die Diagnose unerwartet kommt
Für Frauen unter 40 ist Brustkrebs selten, aber nicht ausgeschlossen. Wird die Erkrankung in jungen Jahren festgestellt, trifft sie Betroffene häufig in einer Lebensphase, die von Familienplanung, Karriereaufbau oder kleinen Kindern geprägt ist. Die Diagnose kommt oft überraschend, da viele nicht damit rechnen, selbst betroffen zu sein.
Hinzu kommt: Das gesetzliche Mammografie-Screening richtet sich in Deutschland in erster Linie an Frauen zwischen 50 und 69 Jahren. Jüngere Frauen nehmen daher meist nicht an einem routinemäßigen Screening-Programm teil.
Frühzeitig Veränderungen wahrnehmen
Umso wichtiger ist es, den eigenen Körper zu kennen. Regelmäßiges Abtasten der Brust – idealerweise einmal im Monat – hilft, Veränderungen frühzeitig zu bemerken. Dazu zählen:
• Knoten oder Verhärtungen
• Veränderungen der Brustform
• Einziehungen der Haut
• Absonderungen aus der Brustwarze
• Rötungen oder ungewöhnliche Schmerzen
Auch wenn viele Veränderungen gutartig sind: Jede Auffälligkeit sollte ärztlich abgeklärt werden.
Familiäres Risiko ernst nehmen
Besteht eine familiäre Vorbelastung, etwa wenn Mutter, Schwester oder Großmutter an Brust- oder Eierstockkrebs erkrankt sind, kann das persönliche Risiko erhöht sein. In solchen Fällen kann eine genetische Beratung sinnvoll sein. Moderne Testverfahren ermöglichen es, bestimmte Risikogene frühzeitig zu erkennen und individuelle Vorsorgekonzepte zu entwickeln.
Moderne Diagnostik für jüngere Patientinnen
Bei jüngeren Frauen ist das Brustgewebe häufig dichter, wodurch klassische Mammografien weniger aussagekräftig sein können. Ergänzend kommen deshalb Ultraschall oder MRT zum Einsatz. Die individuelle Diagnostik richtet sich nach Alter, Risikoprofil und Befund.
Kompetente Hilfe in einem Brustzentrum suchen
Sollte man eine Auffälligkeit an der Brust ärztlich abklären lassen wollen, ist man in einem sogenannten Brustzentrum gut aufgehoben. In einem Brustzentrum werden gutartige und bösartige Brusterkrankungen ganzheitlich betreut, von der Diagnose (Mammographie, Ultraschall, Biopsie) über die interdisziplinäre Therapie (Operation, Chemo-, Strahlen-, Hormontherapie) bis hin zur Nachsorge und psychosozialen Unterstützung (Psychoonkologie, Sozialdienst, Breast Care Nurses) – alles unter einem Dach für eine optimale, spezialisierte Versorgung.
In Schleswig-Holstein gibt es insgesamt 11 Brustzentren, die nächsten befinden sich in Eutin und in Lübeck.
Offener Umgang statt Tabu
Brustkrebs bei jungen Frauen ist nicht nur eine medizinische, sondern auch eine psychische Herausforderung. Themen wie Fruchtbarkeit, Partnerschaft, Sexualität oder berufliche Perspektiven spielen eine große Rolle. Spezialisierte Beratungsangebote und Selbsthilfegruppen bieten Unterstützung, auch regional.
Brustkrebs ist keine Frage des Alters allein. Aufmerksamkeit, Wissen und eine frühzeitige ärztliche Abklärung bei Veränderungen sind entscheidend. Wer den eigenen Körper kennt und Warnsignale ernst nimmt, schafft die Grundlage für eine möglichst frühe Diagnose und damit für bessere Heilungschancen. (gm/red)



