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Heiraten und Steuern: Wann sich der Bund fürs Leben auch finanziell lohnt

Der wichtigste steuerliche Effekt einer Ehe in Deutschland ist das sogenannte Ehegattensplitting.

Der wichtigste steuerliche Effekt einer Ehe in Deutschland ist das sogenannte Ehegattensplitting.

Bild: HFR

Die Entscheidung zu heiraten ist in erster Linie eine persönliche. Doch auch steuerlich kann sich der Schritt lohnen, allerdings nicht für alle Paare gleichermaßen. Wer die Mechanismen kennt, kann besser einschätzen, ob und wie stark sich eine Ehe auf die eigene Steuerlast auswirkt.

Der zentrale Vorteil: das Ehegattensplitting

Der wichtigste steuerliche Effekt einer Ehe in Deutschland ist das sogenannte Ehegattensplitting. Dabei werden die Einkommen beider Partner zusammengerechnet und anschließend halbiert. Auf diese Hälfte wird die Einkommensteuer berechnet, bevor das Ergebnis wieder verdoppelt wird.

Der Vorteil liegt darin, dass durch die Halbierung ein progressiver Steuersatz abgeflacht wird. Das führt dazu, dass Paare insgesamt weniger Steuern zahlen, allerdings nur dann spürbar, wenn die Einkommen unterschiedlich hoch sind.

Ein Beispiel verdeutlicht das Prinzip: Verdient ein Partner deutlich mehr als der andere, wird das gemeinsame Einkommen rechnerisch gleichmäßiger verteilt. Dadurch sinkt die Steuerlast insgesamt. Verdienen hingegen beide ähnlich viel, fällt der Effekt deutlich geringer aus.

Unterschiedliche Einkommen bringen den größten Vorteil

Besonders profitieren Paare, bei denen ein Partner ein deutlich höheres Einkommen hat als der andere, etwa bei klassischen Einverdiener-Modellen oder wenn einer in Teilzeit arbeitet. In solchen Fällen kann die steuerliche Entlastung mehrere tausend Euro im Jahr betragen.

Bei Paaren mit ähnlich hohen Einkommen hingegen bleibt der Vorteil meist überschaubar. Hier bewegt sich die Ersparnis oft nur im Bereich von einigen hundert Euro jährlich.

Steuerklassen beeinflussen das monatliche Nettoeinkommen

Nach der Hochzeit können Ehepaare zwischen verschiedenen Steuerklassenkombinationen wählen. Häufig genutzt wird die Kombination drei und fünf, bei der ein Partner deutlich mehr Netto im Monat erhält. Allerdings kann es hierbei am Jahresende zu Nachzahlungen kommen.

Alternativ bietet sich die Kombination vier und vier an, die einer neutralen Verteilung entspricht. Eine genauere Anpassung ermöglicht die Variante vier und vier mit Faktor, bei der die monatliche Steuerlast möglichst nah an der tatsächlichen Jahressteuer liegt.

Wichtig ist, dass die Wahl der Steuerklasse lediglich die monatliche Liquidität beeinflusst. Die endgültige Steuerlast wird erst mit der Steuererklärung festgelegt.

Weitere steuerliche Effekte

Neben dem Splittingtarif ergeben sich weitere Vorteile durch die gemeinsame Veranlagung. So können Verluste eines Partners mit Gewinnen des anderen verrechnet werden. Auch Freibeträge, etwa bei Kapitalerträgen, lassen sich gemeinsam besser ausschöpfen.

Darüber hinaus spielen steuerliche Regelungen bei Erbschaften und Schenkungen eine Rolle, da Ehepartner hier deutlich höhere Freibeträge nutzen können als unverheiratete Paare.

Kein Automatismus für große Ersparnisse

So attraktiv die steuerlichen Vorteile klingen, eine Hochzeit führt nicht automatisch zu erheblichen Einsparungen. Entscheidend ist die individuelle Einkommenssituation. Während manche Paare deutlich profitieren, bleibt der Effekt bei anderen gering.

Zudem kann die Wahl bestimmter Steuerklassen kurzfristig zu einem höheren monatlichen Einkommen führen, langfristig jedoch Nachzahlungen nach sich ziehen. Eine genaue Betrachtung der eigenen Situation lohnt sich daher in jedem Fall.

Hier helfen gerne die Steuerberaterinnen und -berater weiter. (red/gm)


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