Reporter Eutin

Eine glatte 4 fürs Fahrradklima

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Eutin (aj). Wer in Eutin mit dem Fahrrad aus der Innenstadt kommend auf dem Bischof-Wilhelm-Kieckbusch-Gang unterwegs ist, kann sich zunächst über relativ gute Radfahrbedingungen freuen: Es gibt einen Radweg, der gut erkennbar vom Fußgängerbereich getrennt und auch sonst gut befahrbar ist - dann allerdings abrupt am Opernring im Nichts endet. Wie man hier nun als Radfahrer*in den Weg - zum Beispiel zur Schule am Kleinen See - sicher und regelkonform fortsetzen soll und kann, erschließt sich auch erfahrenen Radler*innen nicht. Zugegeben, das Beispiel ist alt und wird nicht zum ersten Mal herangezogen. Aber das macht es ja nicht besser. Genau genommen liegt genau in dieser Langatmigkeit ein Grund, dass Eutin beim Fahrradklima-Test 2021 des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC) von 418 Orten mit einer Einwohnerzahl von weniger als 20 000 nur Rang 383 erreichen konnte. Oder wie es Tilo Hegenberg von der Eutiner Fahrradinitiative und Mitglied im Mobilitätsbeirat der Stadt formuliert: „Radfahren boomt, Eutin hinkt leider insgesamt in der Infrastrukturentwicklung und Instandhaltung der Entwicklung hinterher.“ So sahen das auch die Teilnehmenden des ADFC-Klimatests, die die Frage „Und wie ist Fahrradfahren in Deiner Stadt?“ für Eutin in der Gesamtschau mit der Schulnote 4,3 bewerteten. Negativ sah man in der Umfrage die Oberfläche der (Rad)wege, die Möglichkeiten zur Fahrradmitnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln und den Winterdienst auf den Radwegen.
Eine starke Verschlechterung für die Stadt, die sich vor zwei Jahren noch über eine 3,7 freuen konnte. Für die als mangelhaft beurteilten Punkte findet Tilo Hegenberg eine Reihe von Beispielen: So sei etwa auf dem Schulweg in der Bismarckstraße die Oberfläche nur wenig fahrradtauglich: „Mit der Folge, dass die Schülerinnen und Schüler auf den Fußweg ausweichen und es dort zu gefährlichen Situationen kommen kann“, merkt er an. Auch an der Lübschen Koppel oder in der Plöner Straße, dort zum Beispiel auf dem Abschnitt vor der Kreuzung Elisebethstraße-Kerntangente, erlaube der Zustand der Oberflächen kein unbeschwertes Fahren, gerade wenn man auch schneller unterwegs sei, so Hegenberg. Seine Beobachtung: „Die Budgets zur Instandhaltung werden nicht ausgeschöpft.“ Grundsätzlich beklagt die Fahrradinitiative, dass bei Zustandsanalysen in Sachen Verkehrswege ausschließlich die Fahrbahnen untersucht und andere Wege übersehen würden. Dieser Fokus auf den motorisierten Verkehr sei „völlig aus der Zeit gefallen.“ In puncto Fahrradmitnahme im ÖPNV spricht es Bände, dass, wer von Eutin mit der Bahn nach Bad Malente-Gremsmühlen fährt und das Fahrrad mitnehmen möchte, nur die Möglichkeit habe, für den Drahtesel ein Tagesticket in Höhe von 4,50 Euro zu lösen: „Das ist teuer“, konstatiert Tilo Hegenberg, der auf seinem Weg (mit dem Fahrrad) zur Arbeit den Herrentunnel bei Lübeck kostenfrei und im eigens dafür zur Verfügung gestellten Fahrradtransporter passiert.
Immerhin: In den aktuellen Maßnahmen in der Elisabethstraße, wo die Einmündung der Fahrradweges auf die Fahrbahn nun vorschriftsmäßig baulich verändert, sichtbar und sicherer gemacht worden ist und wo mit der Einrichtung von Fahrradschutzstreifen die Umsetzung des Radverkehrskonzeptes vorangeht, sieht Hegenberg einen Hoffnungsschimmer. In einer entsprechenden Mitteilung der Stadt Eutin heißt es: „Es werden im Zuge der Maßnahme Fahrradschutzstreifen in der Elisabethstraße von der Lübschen Koppel beidseitig bis zur Weidestraße hergestellt, von dort führt der Fahrradstreifen dann wechselseitig auf nur einer Seite bis auf Höhe Lübecker Landstraße. Im Bereich der Kreuzungen werden die Schutzstreifen unterbrochen, dort werden Aufstellflächen für Radfahrer*innen markiert. Kurz hinter der Friedrichstraße wird eine zusätzliche Lichtsignalanlage installiert, die auch als Pförtnerampel für Fahrradfahrer*innen dient.“ Die Aufstellflächen im Kreuzungsbereich sieht Hegenberg als Lösung für erfahrene Radfahrer*innen, wer ungeübt oder unsicher sei, werde sich dort möglicherweise nicht wohlfühlen. Gut sei die Entwicklung in der Innenstadt, wo mit der Freigabe von Fußgängerzone und Einbahnstraßen wie Am Rosengarten nicht nur Zeichen gesetzt, sondern der Radverkehr effektiv gefördert wurde. Davon profitiere letztlich auch der Einzelhandel im Zentrum: „Es hat noch nie jemand einen Impulskauf vom Auto aus getätigt - vom Fahrrad aus schon“, meint Tilo Hegenberg. Grundsätzlich sei ein Testergebnis wie das aktuelle Resultat des ADFC-Klimatests Anlass, eine stringente Umsetzung anstehender Maßnahmen und lang gefasster Beschlüsse vorzunehmen: „Wenn Schlaglöcher und Wurzelaufbrüche endlich geglättet werden, fällt das Kind nicht mehr aus dem Kindersitz und das Gepäck bleibt im Radkorb“, beschreibt es Hegenberg anschaulich. Und vielleicht gibt es ja doch noch ein Happyend statt des Dead ends (Sackgasse) für den Radweg auf dem Bischof-Wilhelm-Kieckbusch-Gang: „Dass sich die Fahrradfahrer*innen am Ende des Weges auflösen, ist jedenfalls keine Option“, so Hegenberg.


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