Reporter Eutin

„Ich will einfach helfen können“

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Fissau (ed). Nach dem Erste Hilfe-Kurs für den Führerschein ist für die meisten Menschen Schluss – kaum jemand frischt seine Kenntnisse regelmäßig auf. Und wie das so ist mit Dingen, bei denen man aus der Übung ist: Man wird unsicher, hat Angst, etwas falsch zu machen, und hofft einfach, dass schon nichts passiert. Wenn dann doch in unmittelbarer Nähe jemand Hilfe braucht, wird es schwierig. So ging es auch Andreas Ebbersmeyer, hauptberuflich Datenschutzbeauftragter, Fissauer, aktiver Tierschützer – und seit einigen Jahren auch Rettungssanitäter.
Andreas Ebbersmeyers Equipment komplett macht seit Kurzem ein transportabler AED, ein automatisierter externer Defibrillator oder auch Defi. Denn in die Lage, jemandem nicht helfen zu können, der dringend medizinische oder auch nur Erste Hilfe braucht, wolle er nie wieder kommen. „Ich will einfach helfen können. Und die Hilfe soll einfach nicht daran scheitern, dass ich keinen Defi habe“, sagt er, „und tatsächlich wäre ein Sanitäter-Rucksack auch quasi sinnfrei ohne Defi.“
Auslöser für sein Engagement sei ein Unfall in der Familie gewesen – sein Sohn, erzählt Andreas Ebbersmeyer, habe sich schwer verletzt, und er selbst habe nichts tun können, außer den Jungen so schnell wie möglich ins Krankenhaus zu bringen. „Ich habe mich selten so hilflos gefühlt“, erinnert er sich. „Das fand ich einfach nur schrecklich.“ Damals habe er beschlossen, dass es ihm nicht noch einmal so gehen würde – und erkundigte sich beim Deutschen Roten Kreuz nach den Möglichkeiten. Weil hier engagierte Helfer immer willkommen sind und es nie ausreichend Helfer in der Not geben kann, konnte Andreas Ebbersmeyer problemlos seine Ausbildung zum Sanitäter absolvieren und ist seither Mitglied der Bereitschaft in Süsel. In seinem Sanitäter-Rucksack gibt es keine Lücken, keine Verletzung, die unversorgt bliebe – die Ausstattung ist lückenlos und immer aktuell, einsatz- und griffbereit, ebenso wie Ebbersmeyer selbst – im Notfall helfen zu können, das hat bei ihm oberste Priorität. Er wünscht sich, dass das für noch viele Menschen mehr gelten könnte und appelliert an jeden, der in einem Notfall helfen könnte, das auch zu tun. So weit wie er müsse man allerdings nicht gehen, schmunzelt Andreas Ebbersmeyer, rät aber dazu, regelmäßig die Erste Hilfe-Kenntnisse aufzufrischen, „einfach weil das Gelernte so eher zur Routine wird“, hat er die Erfahrung gemacht, „wenn man geübt ist, überwindet man den Schockmoment leichter, der so ein Notfall ja immer erstmal ist.“ Wichtig sei es in jedem Notfall, überhaupt etwas zu tun, zu helfen. Vor allem, wenn jemand mit Herz-Kreislauf-Problemen bewusstlos werde, sei höchste Eile angesagt und jedes Zögern kann tödlich sein. Zuallererst und umgehend sollte dann die 112 gerufen werden, aber dann geht es an die Erste Hilfe: „Hat jemand Herzkammerflimmern, bleiben drei Minuten, um ihn zurückzuholen“, weiß Andreas Ebbersmeyer, „ein Rettungswagen braucht bis zu 15 Minuten, bis dahin sollte der Bewusstlose versorgt werden. Zumindest mit einer Herz-Lungen-Massage.“ Also mit Herzmassage und Mund zu Mund-Beatmung. Und da helfen Erste Hilfe-Kenntnisse sehr, einfach um sicherer zu sein. Allerdings kann man ohnehin nicht viel falsch machen, außer man tut gar nichts. Das wäre der größte Fehler.
Wer sich ein bisschen scheut, einen fremden Menschen Mund zu Mund zu beatmen, kann sich mit einem Beatmungstuch behelfen, dass auf den Mund des Patienten gelegt wird – das Tuch gibt es klein zusammengefaltet im Täschchen zu kaufen und passt prima in jede Tasche.
Mit seinem Defi und der Sanitäter-Ausbildung ist Andreas Ebbersmeyer in der App „meine Stadt rettet“ verzeichnet – wird also bei einem Unfall oder anderen Notfall ein Sanitäter gebraucht, kann die Leitstelle sehen, ob Andreas Ebbersmeyer in der Nähe ist, ihn anfunken und er eilt als Ersthelfer zur Unglücksstelle. Aber auch, wenn in der Nachbarschaft Hilfe gebraucht wird, ist der Sanitäter schnell vor Ort. Seines Wissens sei seiner der einzige Defibrillator in Fissau, sagt er, und der dürfe gern in Notsituationen eingesetzt werden. Bisher, toi toi toi, wurde er noch nicht gebraucht. „Mein Motto ist dabei Haben ist besser als Brauchen“, sagt der Fissauer. Andreas Ebbersmeyer hat viel Zeit und Geld in seine Ausbildung und Ausstattung investiert, das aber ist für ihn zweitrangig: „Wenn ich auch nur einmal wo auch immer ein Leben retten kann“, sagt er, „sind mit die Kosten egal.“


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