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„Die Isolation ist das größte Problem“

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Lernen am heimischen Schreibtisch statt im Hörsaal, im Seminarraum oder in der Bibliothek - für viele Studierende ist das der Alltag.

Lernen am heimischen Schreibtisch statt im Hörsaal, im Seminarraum oder in der Bibliothek - für viele Studierende ist das der Alltag.

Foto: A. Jabs

Eutin (aj). Das Abitur am Voßgymnasium hatte er mit Bravour bestanden und mit Volkswirtschaftslehre war auch das passende Studienfach gefunden. Für das Wintersemester 2019/20 schrieb sich der heute 20jährige Ole an der Christian-Albrechts-Universität (CAU) ein. Einführungsveranstaltungen, Vorlesungen, Übungen und erste Kontakte zu anderen Studierenden - alles lief nach Plan für den jungen Eutiner. Bis dann im März 2020 Corona das Leben einfror. Die ersten Auswirkungen auf das Studium waren sofort spürbar: „Normalerweise kann man die Prüfungsleistungen zum Ende eines Semesters auf zwei zeitliche Abschnitte verteilen“, erzählt Ole. Im Frühjahr 2020 aber wurde der zweite Prüfungszeitraum gestrichen, die entsprechenden Nachweise konnten nicht erbracht werden. Eine Lücke mit Konsequenzen, denn die Kurse bauen aufeinander auf und werden zum Teil nur im Wintersemester angeboten. Kurz erklärt: Wer den Grundkurs im Wintersemester nicht abgeschlossen hat, kann im Sommersemester den Aufbaukurs nicht belegen. Der Wechsel ins Distanzstudium macht in einer Reihe von Studiengängen Veranstaltungen unmöglich, für die eine Präsenz der Studierenden unabdingbar ist. Von Freunden mit anderen Studienfächern weiß Ole, dass die universitäre Lehre aktuell auch in Kleingruppen organisiert wird, wo es machbar ist. Eine Freundin hat ihr Lehramtspraktikum an einem Gymnasium absolvieren können und den Corona-Schulalltag hautnah miterlebt.
Grundsätzlich hat Ole die Umstellung auf das Distanzlernen zu Beginn der Pandemie als besser organisiert wahrgenommen als an den meisten Schulen: „Ich war beeindruckt, dass das weitgehend reibungslos funktioniert hat“, sagt er. Vorlesungen im Live-Stream zugänglich zu machen, ist bereits vor Corona ein Projekt der CAU gewesen: „Die Pandemie hat dies deutlich beschleunigt“, konstatiert der Student. Viele Lehrende stellen die Vorlesungen auch als Video zur Verfügung. Das hat durchaus Vorteile, gerade für Studierende, die wie Ole nicht in Kiel wohnen, sondern normalerweise täglich zu den Lehrveranstaltungen pendeln: Man kann sich die Lernzeit flexibler einteilen und es entfallen die Fahrt und längere Wartezeiten zwischen einzelnen Vorlesungen und Übungen. Allerdings sind gerade diese Pausen auch die Zeit für die informelle Begegnung mit Kommilitoninnen und Kommilitonen, die Zeit, in der sich Lerngruppen bilden, Freundschaften entstehen: „Jemand hat mir gesagt, das Studium sei die spannendste Zeit im Leben. Davon merke ich nichts“, meint Ole. Gerade für diejenigen, die ihr Studium während der Pandemie begonnen haben, gibt es kaum eine Möglichkeit, sich mit der Universität und den Menschen dort vertraut zu machen. Und natürlich fehlen auch allen anderen der Austausch als wesentlicher Bestandteil allen Lernens und die wissenschaftliche Diskussion in besonderem Maße. Fragen an Professor*innen zu stellen, nachzuhaken, eigene Überlegungen einzubringen, alles, was eigentlich in den Übungen in Ergänzung zu den Vorlesungen stattfindet: „Ich war gerade dabei, engere Kontakte zu knüpfen,“ berichtet Ole.
Die Kommunikation am Rechner kann diese beginnende Nähe nicht ersetzen: „Die Isolation ist das größte Problem!“ Wer noch keine Lerngruppen hatte, weil er oder sie wie Ole gerade erst in die akademische Ausbildung gestartet war, sitzt nun allein vor dem Bildschirm: „Im Schnitt habe ich sechs Stunden Online-Veranstaltungen am Tag“, rechnet Ole vor. Dazu kommen abendliche Spielerunden mit den engsten Freunden – auch die finden am Computer statt, weil es die Pandemie nicht anders erlaubt. Verzichten mag und kann er darauf nicht: „Das sind meine sozialen Kontakte“, verdeutlicht er.
Wie die Zukunft aussieht, weiß Ole nicht genau. Die Prüfungen, die er schreiben muss, bereiten ihm einiges Kopfzerbrechen, obwohl ihm das Lernen an sich nicht schwerfällt. Zumeist sind die Leistungskontrollen als open-book-Arbeiten konzipiert. Das bedeutet, dass das Lernmaterial benutzt werden darf, dafür sind die Fragestellungen deutlich schwieriger. Aus Angst vor Betrugsversuchen werden komplexere Anwendungen gefordert statt der eigentlich üblichen Wissensfragen: „Dadurch gibt es dann häufiger Zeitprobleme“, schildert Ole. Die hohe Abhängigkeit von einer funktionierenden technischen Ausrüstung ist für den PC-Kenner kein großes Problem. Für andere Studierende aber schon. Und wenn das Netz oder das eigene WLAN überlastet sind, hilft auch kein technischer Sachverstand. Sechs Semester dauert der VWL-Bachelor-Studiengang normalerweise, Ole gilt offiziell als Zweitsemester, obwohl er rein rechnerisch im vierten Semester studiert. Wegen der veränderten Bedingungen werden zwei Semester nicht gezählt, außerdem gibt es bei Prüfungen einen Corona-Freiversuch: „Das ist eine gewisse Kompensation.“ Wenn alles glattläuft, wird ihn Corona ein Jahr kosten. An einem lässt er dennoch keinen Zweifel: „Ich halte die Maßnahmen zur Vermeidung einer Ansteckung für richtig“, betont er. Und auch der Impfneid ist für ihn kein Thema, obgleich die damit verbundenen Diskussionen aufmerksam und kritisch verfolgt. Den Gedanken der Solidarität trägt er wie die allermeisten jungen Menschen mit und hält den Verzicht aus. Und wie alle anderen wünscht auch er sich, so schnell wie möglich zur Normalität zurückkehren zu können: „Aber erst, wenn es sicher ist!“


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