Reporter Eutin

Kurs auf Lebensfreude

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Eutin (aj). Freundinnenclique, Kolleginnen, Sportskameradinnen – wer die fröhliche Truppe sieht, die an diesem frühherbstlichen Nachmittag an der Fissauer Bucht auf dem Gelände des Germania Rudervereines die Boote zum Steg bringt, mag sich vieles vorstellen, was die Frauen verbindet. Krebs gehört wahrscheinlich nicht dazu. Tatsächlich aber ist es die Selbsthilfegruppe „Hoffnungsschimmer“, die sich auf eine Runde auf dem Großen Eutiner See vorbereitet. In der Regel kommen sie im Gemeindehaus in Fissau zusammen, sprechen über ihren Alltag, tauschen sich über ihre Erfahrungen aus, reden und schweigen miteinander, beraten sich in Fragen praktischer Probleme und auch die große Angst, die die meisten niemandem zumuten mögen, darf hier selbstverständlich Raum finden. Nun also: Rudern! „Es gibt eine Reihe von Studien, die belegen, dass regelmäßige Bewegung die Prognose für an Krebs Erkrankte verbessern kann“, sagt Dr. Uta Fenske. Auch die Vorsitzende des Vereins zur Hilfe Krebskranker Ostholstein ist bereits im Sportdress. Die Ärztin leitet das Brustzentrum der Sana-Klinik und dass sie zur Besatzung in einem der beiden Vierer mit Steuerfrau gehört, bezeugt die enge Verbindung zwischen der Krebshilfe und der Onkologie. Auch hinter der Ruder-Aktion steht mit Psychologin Meike Adler eine wichtige Bezugsperson aus dem Brustzentrum, die sich zudem in der Krebshilfe engagiert – und rudert! Seit vielen Jahren und in Familie. Deshalb hat sie nicht nur organisiert, dass die Frauen vom „Hoffnungsschimmer“ die Boote benutzen und vom Vereinsgelände aus starten dürfen, sie hat mit Tochter und Schwiegersohn auch gleich zwei versierte RuderInnen zur Unterstützung gewinnen können. Und so weicht die Ausgelassenheit schnell einem konzentrierten Zuhören, als Meike Adler erklärt, wie genau man seinen Platz im schmalen Boot einnimmt und was dann zu tun ist. „Einige von uns waren schon dabei, für andere ist heute Premiere“, berichtet Sibylle Latza am Rande. Sie ist eine der Ansprechpartnerinnen im „Hoffnungsschimmer“, hat erlebt, was eine Krebsdiagnose bedeutet, und weiß, welche Kraft es braucht, um am Leben festzuhalten. Unternehmungen wie der Ausflug aufs Wasser stärken nicht nur die Muskeln, sondern auch den Zusammenhalt – und machen einfach Spaß. Deshalb hatte die Gruppe 2019 auch die Idee, bei der Germania-Regatta der Betriebsmannschaften an den Start gehen. Dass der launige Wettbewerb nicht stattfindet, heißt nicht, dass man auf das Erlebnis verzichten muss – Meike Adler und dem Verein sei Dank. Die Psychologin ist inzwischen fertig mit den kurzen theoretischen Hinweisen und die Frauen besetzen die beiden Gigruderboote: „Die sind kentersicher“, lautet die beruhigende Auskunft, ehe das erste Boot ablegt und mit der Energie der gleichmäßigen Ruderschläge bald ein gutes Stück Strecke gemacht hat. Es ist wichtig, aufeinander zu achten und den eigenen Rhythmus im Blick zu haben, um Meter für Meter voranzukommen - und vielleicht beschreibt genau das auch das Miteinander in der Selbsthilfegruppe.
In jedem Fall aber ist der sportliche Nachmittag ein Beleg dafür, dass Sport ein eigentlich unverzichtbares Element für Menschen mit Krebserkrankungen ist. Deshalb ist dieser Punkt auch in die Arbeit der Krebshilfe Ostholstein integriert – vorausgesetzt, es gibt die Möglichkeit für ein solches Angebot: „Es ist zunehmend schwierig, Hallenzeiten für die ‚Sport nach Krebs-Gruppen‘ zu ergattern“, erklärt Dr. Uta Fenske. Und mit der Schließung des Bewegungsbades im St. Elisabeth-Krankenhaus fehlt ein wichtiger Ort für die Wassergymnastik: „Wir würden uns sehr freuen, wenn wir da mit einem Bad in der nahen Umgebung eine Lösung finden könnten“, so Dr. Fenske. Und dann sitzt auch die Medizinerin im Boot und auch der zweite Vierer ist rasch nur noch als kleiner Punkt auf dem See auszumachen. Und der „Hoffnungsschimmer“, der über allem liegt, was diese Gruppe unternimmt, ist an diesem Nachmittag ein silbriges Glitzern auf der grauen Wasseroberfläche.
Zu den Treffen der Selbsthilfegruppe an jedem ersten Donnerstag sind an Krebs erkrankte Frauen und Männer und auch Angehörige herzlich willkommen. Auskunft gibt es bei Sibylle Latza (04524-13519 und Rena Menzel (0175-2032311) oder Sie schreiben eine Email an hoffnungsschimmer-leuchtturm@web.de


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