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Die Niederdeutsche Bühne Preetz feiert 2024 ihren 90. Geburtstag

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Preetz (vg). Seit nunmehr neun Jahrzehnten ist die Niederdeutschen Bühne Preetz die Konstante im Kulturleben der Schusterstadt. Nur Krieg und Pandemie haben verhindert, dass in den vergangenen 90 Jahren nicht lückenlos Theater gespielt wurde. Ein wichtiger Faktor in der Historie war der langjährige Bühnenleiter Heinz Kock (1920-2015), der zu den Gründungsvätern dieser Speeldeel gehört und sie wie kein anderer geprägt hat.
„In 70 Jahren bei der Niederdeutschen Bühne hat er in 111 Inszenierungen mitgespielt und bei unzähligen Stücken auch selbst Regie geführt. Im Alter von 81 Jahren hatte er 2001 seine letzte Hauptrolle“, berichtet sein Sohn Ulrich Kock, der heute Geschäftsführer der Niederdeutschen Bühne Preetz ist. Immer an Heinz Kocks Seite war Ehefrau Lotti, die auf 60 Jahre Erfahrung als Regisseurin, brillante Darstellerin und „Toseggersch“ zurückblicken konnte. „Das Theater war immer mehr als ein Hobby, es war unser Leben!“, waren sich beide einig.
Kein Wunder also, dass auch Ulrich Kock früh in den Theaterzirkus eingespannt wurde. „Als Kind gab es kein Entrinnen. Ich durfte den Vorhang auf- und zuziehen, Scheinwerfer einrichten und die Bestuhlung aufbauen. Dann habe ich auch ein paar Mal Rollen übernommen“, erzählt Kock. Damals hat die Theatertruppe noch im Schützenhof gespielt, ehe es in die Friedrich-Ebert-Halle ging. „Plattdeutsch habe ich übers Textbuch gelernt, zu Hause haben wir komischerweise nie Platt gesprochen“, erinnert sich Ulrich Kock. Später war er beruflich so stark eingebunden – er war im maritimen Sektor tätig und stets in Europa unterwegs –, dass er 30 Jahre lang Abschied von der Bühne nahm. Erst im vergangenen Jahr schickte er sich an, die Familientradition fortzusetzen.
Fast zu den Urgesteinen zählt mittlerweile auch Frauke Bosch. Die stellvertretende Bühnenleiterin kam 1987 zu den Preetzer Plattsnackern. „Damals wurde ich von Familie Kock angesprochen“, erinnert sie sich. Ihr Debüt hatte sie in einem Einakter, der im Schützenhof gezeigt wurde. „Plattdeutsch habe ich zunächst wie eine Fremdsprache gelernt, oft war es learning by doing. Das war damals genau wie heute kein Hinderungsgrund, sich hier zu engagieren. Die Bühne hilft einem, wo sie kann“, unterstreicht Frauke Bosch. Bereits 1993 führte sie erstmals Regie und bildete für viele Jahre zusammen mit Claudia Siemsen das Regie-Duo für das alljährliche Weihnachtsmärchen. Das plattdeutsche Theater mache ihr einfach Spaß, sagt sie und betont: „Es hält den Kopf jung und ermöglich viele soziale Kontakte zu Menschen aus ganz unterschiedlichen Berufsgruppen.“
Die Ursprünge der Niederdeutschen Bühne lassen sich übrigens im Preetzer Stenografenverein finden. Dort wurden nicht nur Schulungen durchgeführt, sondern auch die Geselligkeit gepflegt. Im Jahr 1928 entstand daraus eine Kleinkunstbühne, die schließlich am 1. Februar 1934 in die „Preetzer Laienbühne“ umgewandelt wurde und sich verstärkt der plattdeutschen Sprache widmete. 1940 erfolgte dann die Umbenennung in „Niederdeutsche Bühne Preetz“.
Die Corona-Zeit ist an der Preetzer Bühne nicht ganz spurlos vorbeigegangen. Einige Darsteller sind abgesprungen, aber es kommen wieder neue hinzu – vor allem: Es gibt wieder eine rund 15-köpfige Jugendgruppe. „Im Schnitt haben wir heute 100 bis 150 Zuschauer in unseren Theatervorstellungen in der Aula des Friedrich-Schiller-Gymnasiums. Das Weihnachtsmärchen in der Friedrich-Ebert-Halle lief zuletzt bombig, fast alle Aufführungen waren ausverkauft“, zieht Ulrich Kock Zwischenbilanz. Um die Zukunft der Theatertruppe ist ihm nicht bange.

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