Reporter Eutin

„Die Welt ein kleines bisschen besser machen“

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Wendtorf (ed). Dass Omas eine streitbare Spezies sind, wenn es um das Wohl ihrer Enkel geht, ist bekannt. Dass sie sich aber organisieren, um die Welt für alle Enkel ein Stückchen besser zu machen, das ist neu: „Natürlich würden wir auch lieber was anderes machen als zu Demos zu fahren und zu protestieren“, sagt Christa Klupp von den Kieler Omas gegen Rechts, „aber so lange es Sachen gibt, gegen die man auf die Straße gehen muss, gegen und Menschen, für die man sich engagieren muss, machen wir eben das. Wir wollen die Welt für unsere Nachkommen ein kleines bisschen besser machen.“
 

Der Gedanke, die Welt besser zu machen, war es auch, der Monika Salzer vor drei Jahren in Wien dazu bewog, die Omas gegen Rechts zu gründen – als sich abzeichnete, dass Faschismus, Rassismus, Ausgrenzung und Populismus fast sowas wie gesellschaftsfähig werden könnte. „Sie hat sich auf die starken Frauen ihrer Generation berufen, auf deren Mütter, die für uns so viel bewegt haben. Und sie bewegte der Gedanke, dass es nicht nochmal so kommen darf wie vor 80 Jahren“, so Marion Förster. Und schon im Januar 2018 wurde die erste Omas gegen Rechts-Gruppe in Deutschland gegründet, die nächsten folgten schnell und längst gibt es auch Omas gegen Rechts hier oben bei uns – Gudrun Knehler hat die Kieler Omas gegen Rechts gegründet und schnell Mitstreiterinnen gefunden. Zusammen gehen sie auf die Straße – immer dann, wenn es gegen Faschismus, Rassismus, Hetze, Ausgrenzung, Ungerechtigkeit geht. Sie sind bei Fridays for Future dabei, Mitglied des Rundes Tisches gegen Rassismus und Faschismus, nehmen an Demos gegen Rechts, gegen Aluhutträger und Coronaleugner ebenso teil wie an Menschenketten für Geflüchtete, LGBTQ und alle Benachteiligten, waren beim Rap gegen Rechts in Sülfeld und protestieren auch mal gegen die AfD vor dem Kieler Landtag. Und bringen Tee und Kekse mit. „Omas sind fürsorglich und kümmern sich“, sagt Gudrun Knehler, „und das machen wir. Für alle Kinder. Für alle, die ausgegrenzt werden.“ So waren es zu Beginn des Corona-Lockdowns die Kieler Obdachlosen, die plötzlich, als alles zu war, ohne Suppenküchen, ohne Passanten mit `nem Euro, ohne die Möglichkeit, sich aufzuwärmen, irgendwo die Toilette aufzusuchen, sich zu waschen, waren.
 
„In Kiel wurde deshalb ein Versorgungszaun eingerichtet“, erzählt Marion Förster, „dem wir uns angeschlossen, heißen Kaffee ausgeschenkt und Brötchen geschmiert, Lebensmittel und Hygieneartikel ausgegeben, Essen und Isomatten ausgegeben haben.“ Denn über die Obdachlosen hatte keiner so richtig nachgedacht, und so konnten die Omas gegen Rechts dazu beitragen, ihnen ein bisschen über diese Zeit hinweg zu helfen. „Und dann haben wir darüber nachgedacht, wenn wir in diesem Jahr mit einer Aktion unterstützen können“, erzählt Gudrun Knehler, „und welche Aktion überhaupt möglich sein würde.“ Die zündende Idee hatte dann Marion Schmidt: Ein Hofflohmarkt. Draußen, mit viel Platz und trotzdem schön. Gute Kontakte zu einem Wendtorfer Hofbesitzer sicherte die Location – und als die Omas gegen Rechts ans Spendensammeln ging, stellten sie fest, dass die Menschen mehr als willens waren, die tollsten Sachen zu spenden. „Wir haben wirklich alles“, strahlt Marion Schmidt. „Die Schuppen sind voll mit Kleinmöbeln, Kleidung, Büchern, Hausrat, Deko, allem, was man brauchen kann. Das hat Ausmaße angenommen, das ist irre. Toll.“ Jetzt fehlen nur noch die Flohmarktbummler – die sind am kommenden Samstag, dem 3. Oktober eingeladen nach Wendtorf auf den Hof in der Dorfstraße 30/32. Von 10 bis 16 Uhr darf hier gebummelt, getrödelt, gehandelt werden, was das Zeug hält – und es wären keine Omas, wenns nicht auch Kaffee, Kuchen, Schmalzbrote gäbe. Der Erlös geht komplett an den Hempels eV, der Obdachlose mit Mittagstisch, Kleiderstube, Café und vielem mehr unterstützt. „Hier können wir alle Hygienemaßnahmen umsetzen – es wird eine Einbahnstraßenregelung geben, Desinfektionsmittel“, so Jutta Helbig von den Omas gegen rechts, „und wir lächeln Ihnen hinter unseren Masken zu und freuen uns, wenn Sie hinter Ihrer Maske zurücklächeln.“
 

Weitere Omas gegen Rechts sind übrigens herzlich willkommen. „Wir würden sehr gern weitere Gruppen aufbauen, vielleicht in Eutin und Plön“, sagt Gudrun Knehler. Alle Infos sind unter omasgegenrechts-kiel.de zu finden, per Email zu erreichen unter Omas-gegen.rechts-kiel@t-online.de. Es ist nicht nötig, eine biologische Oma zu sein – und auch Opas dürfen mitmachen – wichtig ist nur die Einstellung und der Wunsch, etwas dagegen zu tun, dass Rechts weiter in die Gesellschaft rückt. Eine gute Gelegenheit, die Omas und ihre Aktionen kennenzulernen, bietet sich auf dem Wendtorfer Hofflohmarkt.


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