Reporter Eutin

Ein Schwein, das pfeifen kann

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Plön (los). „Ich glaub’, mein Schwein pfeift“ zählt zu den vielleicht bekanntesten Spontisprüchen der 70-er und 80-er Jahre. Ein Ausdruck von Überraschung ist bei dem pfeifenden Schwein des Plöner Kreismuseums auch angebracht: Die pfiffige Keramik kann einiges mehr als herkömmliche Töpfer-Tiere. Museumsleiterin Julia Meyer präsentiert das ungewöhnliche Ausstellungsstück derzeit im Rahmen der aktuellen Sonderausstellung über die AG Heimatkunde im Kreis Plön, die noch bis Juni besichtigt werden kann.
Entstanden sei die Arbeit ihrem Stil nach in einer Töpferwerkstatt in Schönberg in der Probstei, nachweislich vor der Mitte des 19. Jahrhunderts. Zuletzt benutzt wurde das pfeifende Schwein jedoch in Gadendorf in der Nähe von Lütjenburg, erzählt Julia Meyer. In den 50-er Jahren entdeckt, fand es den Weg ins Museum.
Dargestellt ist eine ländliche Szene: Eine Sau, die von ihren spielenden Ferkeln umringt wird. Es ist ein anrührend gestaltetes Bild, das sich von der qualvollen Schweinehaltung in heutiger Zeit krass unterscheidet, in der unter anderem Muttertiere sich in engen Käfigen gar nicht mehr rühren können. Doch hier ist Bewegung im Spiel, ganz dem Temperament der Vierbeiner entsprechend, die der Kunsthandwerker damals abgebildet hat. Höchst lebendig, naturnah gestaltet und lebensfroh wirkt das quirlig anmutende Ensemble auf der Tonplatte, so wie man Schweine alter Haustierrassen etwa noch in der Arche Warder (bei Kiel) erleben kann.
Kunstvoll ist die dekorative Keramiksau mit ihren Ferkeln als Sparschwein gefertigt, in das Münzen eingeworfen werden können. Seitlich des Tierkörpers hat der Töpfer noch ein Mundstück angefügt, das beim Hineinblasen pfeifende Geräusche beim Austritt des Luftstroms über den Schlitz erzeugt. So ist denkbar, dass ein hineingeworfenes Geldstück vielleicht zusätzlichen Einfluss auf die Tonqualität hatte und somit die Spielerei anstelle der Sparidee im Vordergrund gestanden hat. In dieser Zeit steckte die Entwicklung des Vereinswesens von der ersten Sparkasse bis hin zum Sparclub sowie etlichen anderen Organisationen ohnehin noch den Kinderschuhen. Analog einer Effektpfeife wie sie auch zum Imitieren oder Anlocken von Vögeln sowie als Kinderspielzeug gefertigt wird und wurde, zeigt das kleine Kunststück mit Pfeiffunktion seine Artverwandtschaft auch mit solchen Keramikinstrumenten.
Als Spardose kann es dennoch genutzt worden sein, wenn auch umständlich: „Der Schlitz ist groß genug, dass man hineingestecktes Geld auch wieder herausbekommen könnte“, erklärt Julia Meyer. Grundsätzlich sei die Benutzung von Spardosen schon seit römischer Zeit belegt. Auch aus der Zeit des Mittelalters und der Renaissance gibt es Beispiele aus hiesigen Breiten. Ebenso stellten die Keramiker des 19. Jahrhunderts solche Objekte häufig her: „Dabei wurden stets Einzelstücke gefertigt“, weiß Julia Meyer. Und so ist die kreative Keramikarbeit mit dem ungewöhnlichen Motiv, der Sau und spielenden Ferkeln ein echtes Unikat. „Es gibt bislang auch keine weiteren Hinweise für die Verbindung von Schwein und Pfeife.“
Besondere Werkstücke wie diese sind früher wahrscheinlich aus der Resteverarbeitung entstanden: „Auch die Glasmacher haben zum Feierabend etwas Kurioses geblasen, wenn sich noch etwas in den großen Töpfen befunden hat, das vom Glasschmelzen übrig geblieben war“, zieht Julia Meyer den Vergleich des Töpfer- zum Glasmacherhandwerk. Als Beispiele finden sich noch ein Elefant und ein grazil gefertigtes Pferd unter den Museumsschätzen. Beide Archiv-Bewohner sind aus farblos-transparentem Glas gemacht, wobei der Elefant rund 120 Jahre, das Pferd sogar um die 170 Jahre alt und somit wie die Schweinefamilie aus Keramik bereits Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden ist. Und ebenso wie diese ist der Elefant als Spardose gefertigt. „Ob er überhaupt jemals als solche benutzt wurde, ist fraglich“, meint Julia Meyer, „oder man hat das Geld mühsam wieder aus ihm herausgeschüttelt.“ Das gläserne Pferd sei dagegen ohne weiteren Zweck als dekoratives „Stehrumsel“ gestaltet worden – und das mit großer Handfertigkeit, genau wie die pfiffige Schweinegruppe. Diese muss sich auch und vielleicht gerade als Blasinstrument großer Beliebtheit erfreut haben, glaubt Julia Meyer: „Die Pfeife zeigt deutliche Spuren der Abnutzung.“


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