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Revue auf 26 Jahre in der Fahrbücherei im Kreis Plön

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Kreis Plön (los). 26 Jahre war Susanne Stökl beruflich im Kreis Plön auf Achse. Nun wechselt die Leiterin der Fahrbücherei in die Altersteilzeit und kann auf die bewegte Zeit in der rollenden Bibliothek zurückblicken. An ihrem letzten Arbeitstag am 13. Januar heißt es dann Abschied nehmen vom Bücherbus.
26 Jahre lang war die Leiterin der Fahrbücherei Susanne Stökl mit dem Brummi für die großen und kleinen Leser auf Tour. Ihre Lesebegeisterung hat als „roter Faden“ ihrer Berufstätigkeit eine Literatur-Spur durch die Ortschaften im Kreisgebiet gelegt – Bücherspaß, der ansteckt. Denn vor allem „ist es der Kontakt zu den Lesern“, sagt sie, der in der Fahrbücherei so schön ist.

 


Manche Leser kennt Susanne Stökl von Beginn an. „Es gibt Familien im Kreis Plön, da kenne ich vier Generationen“, erzählt sie. „Manche sprechen mich an und berichten davon, wie sie als Kind hier Bücher ausgeliehen haben – und haben nun selbst ihr Kind dabei.“
Man sieht sich regelmäßig im Bücherbus. „Es gibt Leser, die kommen alle drei Wochen zu uns – die meisten Leser tun das -, obwohl die Leihfrist sechs Wochen beträgt.“ Dabei sei die mobile Ausleihe für die Mitarbeiter ein äußerst kommunikativer Job, sagt Susanne Stökl: „Da entsteht viel Kontakt“. Und die Möglichkeit, den Bus vorausschauend zu bestücken. Denn mit der Zeit erfahre sie, was manche gern lesen, und lege vor der Tour extra für sie Bücher heraus, die sie interessieren könnten.

 


„Die Leser freuen sich darüber“, sagt sie. „Mir gefällt aber auch das Unterwegssein.“ Die Landschaft, Menschen und Dörfer zu sehen, Orte, die sich verändern, weil Neubaugebiete entstehen, zählen für sie dazu. Und immer machen die Schulhaltepunkte ihr großen Spaß, wo die anrollende Fahrbücherei stets heiß erwartet wird: „Wenn der Bus kommt, laufen die Kinder alle los. Das ist einfach klasse.“
Rund 60 Prozent der Fahrbüchereinutzer sind Kinder. Für die verschiedenen Altersgruppen hat Susanne Stökl ein geeignetes Leseangebot „an Bord“ des Bücherbusses, angefangen bei den Pappbilderbüchern für die ganz Kleinen, die dünne Papierseiten mit ihren Fingerchen noch nicht so gut zu fassen bekommen.

 


Gestaffelt nach Alter wird den Jüngsten ein geeignetes Leseangebot bereitgestellt, wobei die Schulkinder vor allem nach lustigen oder spannenden Geschichten fragten. „Jungs finden Superhelden toll, wie Spiderman, Minecraft oder bei Star Wars“, sagt Susanne Stökl: „Es wird viel gekämpft.“ Ebenso stünden bei den Kindern Abenteuer- und Kriminalgeschichten hoch im Kurs, wie zum Beispiel die „Drei Fragezeichen“, die es in einer „Kids“-Version für Leseanfänger mit weniger Text gibt. „Auch die Schrift ist größer, damit die Erst- und Zweitklässler das Buch bewältigen können“, erklärt Stökl. Sehr gefragt seien auch Sachbücher, ob über Dinosaurier oder Pferde, Ritter oder ägyptische Mumien.
Auch wenn die Beliebtheit von Dinos, Pferden, von Helden oder den Drei Fragezeichen wohl seit Jahrzehnten unverändert geblieben ist, hat demgegenüber der Dienst in der Fahrbücherei eine rapide Entwicklung durchlaufen.

 


1996 begann Susanne Stökl noch „analog“: „Die Umstellung der Fahrbücherei auf EDV erfolgte erst im Mai 1996“, erzählt sie. Zuvor erfolgte die Ausleihe mit Hilfe eines Zettelkatalogs. Es bedeutete im Prinzip Handarbeit, indem „auf der Tour alles aufgeschrieben wurde“, ob es um Auskünfte zu den Buchtiteln eines bestimmten Autors oder zu neu erschienenen Büchern und deren Ausleihe ging. Der Bürotag mittwochs diente der Recherche, um nachzuschauen, „was es an Büchern gibt“. Der Katalogrecherche schloss sich die Bestellung für die Leser an, „damit die Bücher auf die nächste Tour gelegt werden konnten“.

 


Erst seit der Umstellung auf EDV konnte Susanne Stökl im Bus am PC nach den gefragten Buchtiteln schauen „und direkt in der Fahrbücherei im Bestand vorbestellen“. Und gleich vor Ort darüber Auskunft geben, was die Fahrbücherei von einem Schriftsteller oder zu einem Thema im Bestand hat.
Eine weitere Modernisierung war Jahre später mit der Einrichtung eines neuen Cloud-basierten EDV-Systems erfolgt. „Da hatte man für die Optik gleich das Titelbild im Katalog, während vorher der Buchtitel nur schriftlich aufgeführt war“, erklärt Susanne Stökl. Ein weiterer Vorteil des neuen Systems: „Wir sind immer auf dem aktuellen Stand.“ So sind relevante Informationen gleichzeitig für beide Busse, die für die Fahrbücherei im Kreis Plön ihren Dienst tun, aktuell einsehbar. Wird ein entliehenes Buch im Moment der Ausleihe als nicht mehr verfügbar registriert, kann diese Information mittels dieser elektronischen Vernetzung in beiden Bussen abgerufen werden. „Beim alten EDV System mussten die Daten abends immer extra abgeglichen werden, per Befehl, von einem Bus zum anderen“, erklärt Susanne Stökl.

 


Die Ausleihe wurde durch EDV einfacher: „Viele Leser bestellen jetzt auch von Zuhause aus vor“, so Stökl, „die Bücher liegen dann bereits auf der nächsten Tour.“ Ebenso könne die Leihfrist am heimischen PC verlängert werden.
Wichtige Auskünfte versendet die Fahrbücherei per E-mail an ihre Nutzer. „So wird man als Leser rechtzeitig erinnert, dass die Frist verlängert oder das Buch abgegeben werden muss.“ Vorteilhaft auch: Die ständig aktualisierten Regelungen während der Coronabeschränkungen haben mit Hilfe des E-mail-Verteilers unmittelbar kommuniziert werden können. Ebenso sei dies hilfreich, „wenn der Bus in die Reparatur muss“, die Tour also ausfällt. Die aktuellen Auskünfte sind darüber hinaus auf der Homepage (www.fahrbuechereikreisploen.de) aufrufbar.

 


Anders in früheren Jahren: „Da mussten die Leser alle angerufen werden“, blickt Susanne Stökl zurück. Allerdings zeigten sich die Nutzer der Fahrbücherei stets hilfsbereit „und boten an, ihnen bekannte Leser zu informieren und Frau XY anzurufen“, erzählt sie, „die Leute vor Ort wissen ja, wer da zu uns kommt“.

 


Dennoch habe es selbst während der Zeit des alten EDV Systems immer ein paar Stunden gedauert, die Leser zu informieren, so Stökl. „Und dann fängt man natürlich auch an zu klönen, muss aber die Gespräche auch ein bisschen knapp halten.“
Mit Einführung der „Onleihe zwischen den Meeren“ konnten die Leser der Fahrbücherei die Bücher, Zeitschriften oder Hörbücher auf ihre mobilen Endgeräte herunterladen, „was praktisch im Urlaub ist“. Oder sie konnten seitdem zweigleisig sowohl den Bücherbus als auch die Onleihe nutzen. „Wenn ein Buchtitel ausgeliehen ist, kann man auf Onleihe ausweichen“, erklärt Susanne Stökl. „und manche leihen nur noch online aus.“ Voraussetzung sei, dass man als Leser registriert ist und den Jahresbeitrag von 18 Euro entrichtet hat. Das Ausleihen der Bücher sowie die Onleihe sind danach kostenfrei. Nur wer auf äußerst spezielle Lektüre aus ist, zahle einen Euro extra pro Medium. Solche Leserwünsche können zum Beispiel wissenschaftliche Aufsätze aus Fachzeitschriften sein. „Man bestellt aus einer Zeitschrift einen Aufsatz, der kopiert wird, und kann die Kopie behalten – für eine Euro.“

 


Eine weitere Einführung ist die „Mobile Saatgutbibliothek“ in 2021. Für den Erhalt sogenannter „alter“ Gemüsesorten gibt es Literatur und abgepacktes Saatgut im Bücherbus. So können sich erfahrene sowie künftige große und kleine Gärtner mit dem Thema auseinandersetzen, seiner Verknüpfung mit Nachhaltigkeit und Klimaschutz auf die Spur kommen, eigenes Gemüse erfolgreich zu kultivieren lernen, und sich das Knowhow über die Gewinnung von eigenem Saatgut vermehrungsfähiger historischer Sorten aneignen, die rund um den Globus die Menschheit begleitet haben. Die vielfältigen Informationen auch zur der großen politischen Dimension dieses Themas liegen im Bücherbus bereit oder werden auf Wunsch auf die nächste Tour gelegt.

 


Verglichen mit dem Fachkräftemangel heutzutage war ihr Berufsstart mangels Stellen schwierig, erzählt Susanne Stökl. „Ich wollte Bibliothekarin werden“, berichtet sie. Doch ein Nummerus clausus von 1,8 ermöglichte der gebürtigen Hamburgerin dieses Ziel nur mit einer langen Wartezeit. „Daher machte ich einen einjährigen Lehrgang und arbeitete dann Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre als Fremdsprachensekretärin in einer Maschinenbaufirma.“ Diese vertrieb riesige, zum Teil 18 Meter lange Beschichtungsmaschinen zum Laminieren, Kaschieren oder Imprägnieren, erinnert sie sich. „Viel davon ging nach Skandinavien“, erzählt Susanne Stökl, aber nicht nur: „Ein Auftrag ging nach Syrien – abgewickelt in französischer Sprache.“ Was diesen unterschied: „Da durfte kein Teil irgendwas mit Israel zu tun haben.“

 


Susanne Stökl studierte nach der überbrückten Wartezeit Bibliothekswesen an der Fachhochschule und arbeitete für ein Jahr als Schwangerschaftsvertretung in der Stadtbücherei in Braunschweig. „Eine Stelle zu bekommen, war sehr schwierig“, sagt sie, „es gab zu viele Bewerber und zu wenige Stellenangebote.“ Heute sei dies umgekehrt.

 


Es folgten 10 Jahre im Sauerland, wo Susanne Stökl bis 1996 in einer Fahrbücherei arbeitete.
Trotzdem zog es sie zurück. Als sie sich erfolgreich auf die Stellenausschreibung im Norden bewarb, „war das für mich ein Sechser im Lotto“, so Stökl. „Ich hatte immer das Wasser vermisst und auch die Nähe zu Skandinavien.“

 


Dieser Vorliebe entsprechend zählt Reiseliteratur zu Susanne Stökls bevorzugter Lektüre und stehen neue Reiseziele jetzt auf ihrer Agenda.
Vor allem freut sie sich, „jetzt Zeit fürs Lesen zu haben“, sagt sie. Ihre Empfehlung: Donna Leons „Mein Leben in Geschichten“, das ungewöhnliche Einblicke in andere Kulturkreise bietet, „Geschichten aus ihrer Zeit in Saudi Arabien, China und Iran, wo sie lebte, als der Schah stürzte“. Und auch die Reihe von Commissario Brunetti von Donna Leon findet sie besonders lesenswert. „Dabei bin ich eigentlich eher eine Sachbuchleserin“, sagt Susanne Stökl, die aus haptischen und optischen Gründen „print“ „online“ vorzieht. Und so wird sie als Nutzerin dem Bücherbus treu bleiben. „Ich bin ja hier an der Quelle und besuche die Kollegen in der Fahrbücherei“, sagt die Preetzerin.


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