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Singen, reden, Kontakte knüpfen

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Für ihre Hymne stehen die Frauen auf, Swetlana Andresen begleitet sie.

Für ihre Hymne stehen die Frauen auf, Swetlana Andresen begleitet sie.

Foto: A. Jabs

Preetz (aj). Swetlana Andresen weiß, dass Musik die Sprache ist, die Menschen miteinander verbindet, unabhängig davon, woher sie kommen und was sie ansonsten miteinander verbindet. Auch deshalb ist die erste Brücke, die an diesem Freitagnachmittag im Bugenhagenhaus in Preetz gebaut wird, eine musikalische. Swetlana Andresen sitzt am Piano und spielt für die Frauen aus der Ukraine, die der Einladung in den Offenen Treff gefolgt sind. Die Pianistin und Klavierlehrerin hat die Stücke gezielt ausgesucht. Und sie lag richtig. Die fünf Frauen singen mit, mal laut, mal leise und auch wenn die Tonart Moll ist, spürt man den Trost, der im gemeinsamen Gesang liegt. Manchmal gehen ihre Blicke in eine unbekannte Ferne und man kann nur ahnen, an wen und woran sie in diesen Momenten denken.
 

Elena ist mit ihrer deutschen Gastgeberin gekommen: „Wir haben über verschiedene private Kontakte gehört, dass noch eine Bleibe für eine Mutter mit Sohn gesucht wird und seit Samstag wohnt Elena bei uns“, erzählt die Preetzerin. Sie spricht kein Russisch oder Ukrainisch und Elena kann kein Englisch und kein Deutsch. So muss der vierzehnjährige Sohn dolmetschen oder man behilft sich mit dem Übersetzungsprogramm auf dem Smartphone. In den ersten Tagen, so erzählt die „Herbergsmutter“ habe sie viel Ämtergänge erledigen müssen: „Und auch wenn nicht immer alles klappt, sind alle bei der Stadt sehr freundlich und unterstützen uns nach Kräften“, berichtet sie. Elena kommt aus Charkiw. Ihr Mann und ihre Eltern sind noch dort: „Gestern hat sie uns ein Foto gezeigt: von Bombensplittern im Hauseingang“, erzählt die Preetzerin, der sie wohnt. Solche Geschichten haben sie alle zu erzählen. Am Kaffeetisch ist die Stimmung dennoch nicht gedrückt, man tauscht sich aus, die Kinder spielen. Allen ist eines gemeinsam: Sie sind so tapfer, dass man fast vergisst, was sie hinter sich lassen mussten: Ihre Lieben, ihr Zuhause, ihr Leben. Sie waren Mediendesignerinnen, haben im Chor gesungen, sich um die Eltern gekümmert. Jetzt ist ihnen wichtig, dass die Kinder schnell in die Schulen gehen, Sport treiben und Hobbies pflegen können. Wenn man fragt, was sie sich wünschen, gibt es nur eine Antwort: „Frieden in der Ukraine“. Elena Andresen übersetzt, schafft Verbindungen, donnerstags um 16 Uhr gibt sie außerdem einen Sprachkurs in der Jugendherberge in Schönberg. Über Unterstützung zur Anschaffung von Lehrmaterial würde sie sich freuen. Und alle, die freitags ab 15 Uhr im Bugenhagenhaus dabei sein wollen, sind ihr herzlich willkommen. Kontakt kann man via Email an klavierschule-swetlana@outlook.de aufnehmen.


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