Reporter Eutin

Von Linden, Revoluzzern, Krieg und wie aus Zweien Eins wurde

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Preetz (ed). Was hat die Schleswig-Holsteinische Erhebung mit dem Tag der deutschen Einheit zu tun? Oder ein Apotheker mit der Gründung des Preetzer Friedhofes? Oder die vier Grabplatten mit einem mysteriösen Flugzeugabsturz während des Zweiten Weltkrieges? Die Antworten auf diese Fragen und noch viele mehr gibt die Preetzer Stadtführerin Anne-Kathrin Kalb bei ihrer Friedhofs-Führung am Tag der deutschen Einheit, dem 3. Oktober. Zum 37. Mal führt sie über dieses Stückchen Preetzer, sogar Schleswig-Holsteinischer Geschichte, erzählt in Geschichten und Anekdoten Wissenswertes und Skurriles, Lustiges und Tragisches.
 
Dabei stimmt sie ihre Führung immer auch auf den Tag ab, an dem sie stattfindet, schlägt gekonnt einen Bogen aus der Vergangenheit in die Gegenwart – so ist der Grund der Einheit, die am Donnerstag gefeiert wird, nicht die erste Teilung unseres Landes gewesen. „Op ewig ungedeelt“ lautete das Motto der Schleswig-Holsteinischen Erhebung 1848 – „bis heute wird der Kampfgenossen gedacht“, so Anne-Kathrin Kalb, „auch hier auf dem Preetzer Friedhof steht ein gedenkstein, der an die Männer erinnert, die hier in Preetz im Lazarett an ihren Kampfeswundern verstorben sind.“ Wie es überhaupt zu der Erhebung kam, davon erzählt die Stadtführerin ebenso wie vom Graf von Reventlou, der zur den Anführern der Erhebung gehörte und dessen Grab ganz nahe des Gedenksteins liegt. „Bei der Gelegenheit“, schmunzelt Anne-Kathrin Kalb, „kommen wir auch zu Fanny, seiner Tochter, und was sie mit dem letzten deutschen Kaiser zu tun hatte.“ An ihrer Seite ist bei der Friedhofs-Führung der Preetzer Friedhofsverwalter Detlef Beisner, der Anne-Kathrin Kalbs unfassbar profundes Wissen um die Preetzer Geschichte hier und da aus der Sicht der Friedhofskultur ergänzt und Spannendes beizusteuern hat. So gehen die beiden mit ihren Gästen auch zurück in das Stück dunkler deutscher Geschichte, in die Zeit des Zweiten Weltkriegs – 1941 nämlich stürzte ein britisches Flugzeug in den Postsee, ein Unglück, bei dem alle vier Insassen ums Leben kamen. Was sie mit den vier Steinplatten zu tun haben, um die sich bisher ein Geheimnis rankte, werden die beiden gern berichten. „Ein Geheimnis, das wir übrigens ohne Frau Kalb niemals gelüftet hätten“, freut sich Detlef Beisner, „und von dem wir am 3. Oktober erstmals erzählen können.“

Weiter geht es zu Arthur Götting, dem Preetzer Künstler, aber auch in die nähere Geschichte, zum Grab des Förster Bartels, der 1961 so brutal ermordet wurde – an seine Courage erinnert nicht nur die neue Gedenktafel im Wald sondern auch sein Grab auf dem Preetzer Friedhof.

Nicht fehlen darf bei der Friedhofs-Führung natürlich der Stifter des Preetzer Friedhofs Johann Gotthilf Pabst, der seine Eckkoppel als zukünftigen „Gottesacker“ dem Flecken Preetz vermachte – nicht ohne die eine oder andere Bedingung zu stellen natürlich. So wie die, dass er als Erster auf dem neuen Friedhof beigesetzt werde. „Leider ist der Herr Pabst aber schon 1832 gestorben, der Friedhof aber erst 1835 eröffnet“, erzählt Anne-Kathrin Kalb mit einem Schmunzeln, „so ist es nicht sicher, ob ihm dieser Wunsch erfüllt werden konnte oder ob doch ein anderer vorher hier beerdigt wurde. Herr Pabst wurde zunächst an der Stadtkirche beigesetzt, die damals noch Fleckenkirche war, aber als der Friedhof dann eröffnet wurde, sogleich umgebettet.“ Hier liegt er nun mit einer, vielleicht zwei seiner Ehefrauen in einem Lindenkranz. Überhaupt die Linden: Sie seien ein typischer Friedhofs-Baum hier oben im Norden, weiß Detlef Beisner zu berichten. „Einerseits, weil sie so gut mit unserem Klima und dem Boden zurecht kommen, andererseits weil sie eine kirchliche Bedeutung haben.“ So ist nicht nur das Grab des Herrn Pabst von Linden gesäumt sondern auch alle Wege des Friedhofs.

Anne-Kathrin Kalb nimmt ihre Gäste mit auf eine Reise durch die Preetzer Geschichte, von den Anfängen des Friedhofs, der damals noch weit außerhalb des Fleckens Preetz lag, bis in die Gegenwart, erzählt, wie aus dem Haus des Totengräbers eine Kapelle wurde, wie der eine oder andere Preetzer (fast) zu Weltruhm gelangte, wie aus Holstein und Schleswig eins wurde – und was die Österreicher damit zu tun haben. Mit unglaublichem Kenntnisreichtum, einem Augenzwinkern und viel Charme lässt sie Vergangenes aufleben – und zeigt, dass vieles gar nicht so weit weg ist, wie es scheint.

Treffpunkt für die Friedhofs-Führung ist am 3. Oktober um 14 Uhr an der Kapelle am Eingang zum Preetzer Friedhof.
Wer die Führung am 3. Oktober verpasst, hat die nächste Gelegenheit, mit Anne-Kathrin Kalb über den Preetzer Friedhof zu schlendern, am Volkstrauertag, dem 17. November – „da“, so verrät die Preetzer Stadtführerin, „wird der Schwerpunkt aber ein anderer sein.“ Es lohnt sich also immer wieder, sich ihn anzuschließen und Spannendes, Skurriles und Wissenswertes über die Preetzer Geschichte zu hören.


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