Reporter Eutin

Premiere für die „Ole Leev“

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Laboe (ed). Viel zu lang war die Durststrecke, die Theatermacher und Theaterbegeisterte hinter sich haben – aber jetzt geht es ganz langsam wieder los, langsam, aber spektakulär, denn im Rahmen des Modellprojektes des Landes ist an den ersten beiden Juni-Wochenenden bei den Laboer Lachmöwen das Ohnsorg-Theater zu Gast mit seinem Programm „Lütt un Lütt“. Um sich das Theater anzuschauen, war in der vergangenen Woche Carina Dawert zu Gast in Laboe, die Referentin der Intendanz des Ohnsorg-Theaters – zusammen mit Jan Steffen und Matthias Dehn von den Laboer Lachmöwen inspizierte sie Bühne und Gegebenheiten und freute sich über den Charme und die Möglichkeiten des kleinen, aber feinen Theaters. Carina Dawert ist Kielerin und den Lachmöwen schon lange Zeit herzlich verbunden. „Immer wieder haben wir überlegt, wie wir das Ohnsorg-Theater nach Laboe bekommen“, erzählt sie, „aber unsere Tourneeproduktionen sind immer sehr groß, das hätte nicht geklappt. Aber jetzt haben wir Lütt un Lütt, und damit können wir überall im Norden spielen.“
 
Entwickelt in Corona-Zeiten ist Lütt un Lütt ein Programm von Kleinformaten, eine Produktionsserie mit der Idee, noch näher am Publikum zu sein – „das Ohnsorg-Theater war immer schon sehr familiär, sehr nah am Menschen“, so Carian Dawert, „mit Lütt un Lütt sind wir es noch mehr – und können auch unter Corona-Bedingungen in sehr kleinen Theatern spielen.“ Ein- bis Zwei-Personenstücke ohne viel ChiChi oder großes Bühnenbild. „Licht an und Licht aus, zwei Stühle und ein Tisch“, lacht die Ohnsorg-Referentin,
„das reicht uns und lässt viel Raum für Nähe zum Publikum.“ Zu dem Publikum, das im LachmöwenTheater seit zehn Jahren in den gemütlichen roten Sesseln sitzt, die das Ohnsorg-Theater damals im Rahmen eines Umbaus ausrangierte und den Laboern vermachte – und sich darin erstmals für Stücke des Ohnsorg-Theaters im Laboer Theater niederlassen kann. Lütt un Lütt ist wie gemacht für eine Theater wie das der Lachmöwen.
 

So steht das erste Wochenende vom 4. bis zum 6. Juni im Zeichen einer echten Premiere – oder besser: Einer plattdeutschen Erstaufführung. Ohnsorg-Mimin Meike Meiners hat eine niederdeutsche Fassung von Elke Heidenreichs Alter Liebe geschrieben und bringt sie zusammen mit ihrem Mann, dem Ohnsorg-Schauspieler Oskar Ketelhut auf die Bühne des Lachmöwen-Theaters – die beiden erzählen in einer szenischen Lesung die Geschichte von Lore und Harry, zwei Alt-Achtundsechzigern, deren Liebe in die Jahre gekommen ist und deren unterschiedliche Vorstellung von einem angenehmen, interessanten Lebensabend zu häufigen Diskussionen führt. Denn während Harry die geruhsame Gartenarbeit für sich entdeckt, kann sich Lore als leidenschaftliche Bibliothekarin ein Leben ohne die lebendige Literatur nicht vorstellen. Und wenn Harry von Fernreisen schwärmt, lebt Lore nur für die nächste Autorenlesung. Als aber ihre Tochter Gloria in dritter ehe einen zwielichtigen Immobilienspekulanten heiraten will, sind sich die beiden wieder einig über die gemeinsamen Werte und schmieden neue Pläne. Wie alte Liebe zu neuem Glück kommt, erzählt Ole Leev auf herzerwärmende Weise op platt – und auch, dass Glück und Liebe keinen Rost ansetzen. „Das ist eine wirklich einmalige Geschichte, dass das Ohnsorg-Theater bei uns eine Erstaufführung spielt“, strahlt Jan Steffen, „das ist etwas ganz Besonderes für die Region und freut uns sehr.“ „Und die Lachmöwen-Bühne ist perfekt für die Ole Leev“, freut sich Carina Dawert.

 
Am zweiten Wochenende vom 11. bis zum 13. Juni dann ist Bella Butenschön auf der Bühne des Lachmöwen-Theaters zu Gast – die Solokomödie „Bella Butenschön oder De hillige Johanna vun de Inbooköök“ (im Original „Shirley Valentine“ von Willy Russell) hat Frank Grupe neu auf plattdeutsch übersetzt und an die Zeit angepasst. In der einzigen und Hauptrolle ist Beate Kiupel zu sehen, eine der beliebtesten Ohnsorg-Ladys. „Sie ist eine unserer Ohnsorg-Größen“, strahlt Carina Dawert, „und freut sich schon riesig auf die Vorstellungen – für sie geht ein Traum in Erfüllung.“ Denn Bella Butenschön bewegen die essentiellen Fragen des Lebens – sie ist eine Frau in den besten Jahren, verheiratet, Hausfrau, die Kinder aus dem Haus. Ihre Träume? Verflogen. Stattdessen sinniert sie mit der Wand in der Küche über die Zeiten, in denen das Leben noch vor ihr lag. Oder: Liegt es gar noch vor ihr? Als eine Freundin sie zu einer Reise nach Griechenland einlädt, findet Bella Butenschön einen Weg weg von Bratkartoffeln mit Spiegelei, dem Mann, mit dem sie nicht reden kann, und den sensationslüsternen Nachbarn – und hin zu sich und ihrem Leben. Eine Solokomödie, die nichts anderes braucht, heiter, tiefgründig und mit Kultstatus.
 

Für das Laboer Theater, das in diesem Jahr sein 35jähriges Jubiläum feiert, ist Lütt un Lütt ein tolles Geburtstagsgeschenk. „Eigentlich wollten wir eine große Sause machen, aber das ist doch ein super Anfang.“ Beide Stücke laufen 75 Minuten – mit einer Pause zum Lüften und damit auch mit einem weiteren Stück Normalität, denn: „Wir planen derzeit“, so Jan Steffen, „mit unserer üblichen Gastronomie.“ Und wenn man von Maske und Abstand absieht, davon, dass das Haus nicht ganz voll ist, kann das ein fast normaler Theaterabend werden. Zwei Stücke, die mit Humor und Lebensweisheit aufwarten, liebenswert und liebevoll inszeniert mit großartigen SchauspielerInnen – und das in der unnachahmlichen Atmosphäre des LachmöwenTheaters. 45 Gäste sind pro Aufführung erlaubt – sollte der Ansturm sehr groß sein, haben die Lachmöwen eine Ausbau-Reserve in Sachen Vorstellungen in Petto.
Die Vorführungen finden immer freitags und samstags um 20 und sonntags um 16 Uhr statt – es muss bitte eine Maske getragen werden, die am Platz abgenommen werden darf. Karten für die beiden Stücke gibt es online unter www.lachmoewen.de oder telefonisch unter (04343) 4946-440 oder per Email an info@lachmoewen.de.


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