Reporter Eutin

„Fro Pieper“ ermittelt wieder

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Laboe (los). Die Laboer „Lachmöwen“ haben nach der Corona-Pause mit dem Ein-Mann-Stück „Scheit mi een beten dood“ den Schritt zurück ins aktive Kulturgeschehen gewagt und für das Theater am Katzbek 4 ein aufwendiges Hygienekonzept entwickelt. Jan Steffen vom Vorstand des Lachmöwentheaters zieht für den Neustart trotz aller Schwierigkeiten eine positive Bilanz. „Und es ist in jedem Fall besser so, als nichts zu tun“, unterstreicht er. Das Lachmöwentheater will im Gespräch bleiben und hat den Betrieb bei aller Vorsicht im August wieder anlaufen lassen. Dafür wurde ein ernstes, aber im Kern sehr zeitbezogenes Stück ausgewählt. Eigentlich hätten die Lachmöwen ein volles Haus verdient: Christian Becker glänzte in der Paraderolle eines gerade arbeitslos Gewordenen und zog für das darzustellende Wechselspiel seelischer Höhen und Tiefen sämtliche Register der Schauspielkunst. Vor Corona bedingt dünn besetzten Publikumsreihen gelang ihm die kraftvolle, energiegeladene Umsetzung des langen, zugleich gekonnt kurzweilig inszenierten Monologs. Dessen Herausforderung bestand darin, die angeschlagene Psyche überzeugend zu adaptieren. Christian Becker ist seit rund 10 Jahren bei den Lachmöwen dabei und ausgebildeter Schauspieler. Sein bemerkenswerter Auftritt – insbesondere angesichts der derzeitigen Lage der Kulturlandschaft – blieb nicht ohne Wirkung. Der positive Effekt: Es kamen nicht nur ganz neue Besucher ins Laboer Theater, „er hat zum Teil auch ein anderes Publikum angesprochen“, freut sich Steffen, denn das sei langfristig das Ziel der Lachmöwen. „Und wir hatten am Schluss immer durchweg ein begeistertes Feedback.“
Hat das Lachmöwentheater normalerweise 148 Plätze zur Verfügung, dürfen derzeit 45 Besucher Platz nehmen – und auch erst dann ihren Mund-Nasenschutz abnehmen. Wer im großen Saal Getränk und Imbiss zu sich nehmen möchte – auch das ist seit kurzem wieder möglich – wird vom Lachmöwen-Service bedient, damit er an seinem Platz sitzen bleiben kann und Bewegung und Kontakt im Raum vermieden werden. Desinfektion und ausgiebiges Lüften runden die Maßnahmen ab. Aus ein bisschen Frösteln müssen Kulturfreunde sich dieser Tage einstellen. Doch das lohnt sich, denn Christian Becker und Jan Steffen sind mit den anderen Akteuren von „Fro Pieper lävt gefährlich“ noch einmal auf der Bühne zu erleben. Einige Krimi-Vorstellungen hatten wegen der Pandemie im Frühjahr abgebrochen werden müssen, 14 von insgesamt 35 Terminen entfielen. „Durch die Kohortenregelung der Bühnenmitglieder haben wir vom Gesundheitsamt das Okay bekommen“, freut sich Jan Steffen, denn es sei wichtig zu schauen, „wie die Leute reagieren“, ob sie wieder vermehrt ins Theater gehen mögen und ob ein Stück mit mehr Schauspielern auch mehr Besucher anspricht.
Aufführungen von „Fro Pieper“ gibt es am 30. und 31. Oktober sowie am 1. November, weitere am 6., 7. und 8. November (Kartenbestellung unter 04343-4946440 oder www.lachmoewen.de). Der Vorhang öffnet sich jeweils um 20 Uhr.
Es handelt sich übrigens um das auch post mortem beliebteste und bekannteste Bühnenstück „Busybody“ des Briten Jack Popplewell in der niederdeutschen Fassung.
Die Schauspieltruppe vom Verein Niederdeutsche Bühne Laboe haucht dem Dreiakter um einen Totgeglaubten Leben ein. Angela Tafel macht sich in der Titelrolle als Putzfrau Erna Pieper auf die Suche nach einer verschwundenen Leiche. Wobei es das Ziel der Reinmachefrau ist, den Kriminalfall in Konkurrenz zu Kommissars Willi Brockmann (Matthias Dehn) – und sehr zu dessen Verdruss - selbst aufzuklären. Denn sie ist es, die Herrn Hennings, ihres Chefs vermeintliche Leiche (Jan Steffen) im Büro findet und daraufhin die Polizei informiert. Als Brockmann und sein Assistent Waldemar Schulz (Christian Becker) eintreffen, ist dieser Tote dummerweise nicht nur verschwunden, sondern taucht andernorts sogar quicklebendig wieder auf. Der Wettstreit um die Aufklärung nimmt Fahrt auf und „Fro Pieper“ kann dank einer guten Portion kriminalistischen Gespürs bei gleichzeitiger Anwendung unorthodoxer Methoden durchaus Punkte auf ihrer Erfolgsskala verbuchen. Dabei entpuppt sich, dass auch Sekretärin Ulla Gerdes (Doppelbesetzung: Lea Fischer, Christina Theuer), Prokurist Robert Westphal (Doppelbesetzung: Asmus Finck-Stoltenberg, Sebastian Fey) sowie Auszubildende Erika Reinhold (Dreifachbesetzung: Lea Gaycken, Julia Preuss, Kathrin Heim) und Ehefrau Henning (Dorothea Slenczek) in die Ereignisse verwickelt sind.
Bereits ab 10. November sind die Lachmöwen aber schon mit den Proben von „Frühstück bi Kellermann“ beschäftigt, das im kommenden Jahr auf die Bühne gebracht wird. Premiere ist der 23. Januar 2021. Und da der Kartenvorverkauf am 10. November startet, bieten die findigen Laboer Theaterleute mit 25 Aktiven, darunter 12 Bühnendarsteller auch gleich eine gute Idee für Weihnachtsgeschenke.
Zwischenzeitlich gibt es aber noch ein Intermezzo mit Ilse Hoppe und Traute Steffen auf der Bühne. Das „Überraschungspaket mit zwei älteren Damen“ sei für die Vorweihnachtszeit geplant, kündigt Jan Steffen an. Derzeit werde außerdem ein Hörspiel („Oma Bruhn mutt starven“) aufgezeichnet und soll demnächst erhältlich sein. Auch außerhalb des Theaters „die Leute fürs Plattdeutsche begeistern zu können“, sei dabei ein Anliegen der Lachmöwen.
Das „kreative Vortasten“ des Lachmöwentheaters in sich verändernden Zeiten nimmt aber noch andere Züge an. So werde ein ehemaliges Laboer Polizeigebäude in der Dorfstraße 8 unter die Fittiche genommen und zur Theaterschule umgewandelt. Anträge für Förderung aus dem Kulturfond der Bundesregierung seien inzwischen gestellt worden, berichtet Jan Steffen mit Blick auf eine notwendige zweckmäßige Instandsetzung. Künftig könnte es hier nicht nur um Theater op Platt oder Hochdeutsch gehen, auch eine Schreibwerkstatt und Improvisationsworkshops hat Jan Steffen auf dem Ideenzettel, eventuell eine Theater AG der Grundschule Laboe, „wo Christian Becker ohnehin schon Platt unterrichtet“. Schließlich braucht Kultur auch Nachwuchs.


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