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Bürgermeister wollte Gleichstellungsbeauftragte vom Amt entpflichten

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Die ehrenamtliche Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Timmendorfer Strand, Susanne Sommerfeld, während ihrer Stellungnahme in der Sitzung der Gemeindevertretung.

Die ehrenamtliche Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Timmendorfer Strand, Susanne Sommerfeld, während ihrer Stellungnahme in der Sitzung der Gemeindevertretung.

Foto: René Kleinschmidt

Timmendorfer Strand. In der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung in Timmendorfer Strand beantragte Bürgermeister Robert Wagner die Entpflichtung der Gleichstellungsbeauftragten Susanne Sommerfeld. Dies sorgte für weiteren Ärger und Unverständnis.

Susanne Sommerfeld ist nach ihrem Eintritt in den Ruhestand seit dem 1. Mai 2020 bestellte Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Timmendorfer Strand. In der Begründung zu seinem Antrag führte Wagner aus: „Frau Sommerfeld engagiert sich als Gleichstellungsbeauftragte schwerpunktmäßig extern mit Frauenfrühstücken und einem Sommerfest. Innerhalb der Verwaltung konzentriert sich die Tätigkeit der Gleichstellungsbeauftragten auf die Begleitung und Teilnahme an Auswahl- und Bewerbungsgesprächen. Interne Sprechstunden, Angebote oder Workshops für die Beschäftigten der Gemeindeverwaltung sind bisher in der Amtszeit von Bürgermeister Wagner nicht erfolgt, ebenso fehlt nach wie vor ein Frauenförderplan in der Dienststelle.“

Anfang März hat die Gleichstellungsbeauftragte der Gemeindeverwaltung Timmendorfer Strand, „an einem außerdienstlichen Treffen teilgenommen“. Dieses fand auf Einladung der fünf Fraktionen, welche das Abwahlverfahren gegen den Bürgermeister anstreben, statt. „Der Bürgermeister wurde im Vorfeld und im Nachgang nicht über diese Einladung informiert. Bei diesem Treffen ging es unter anderem um konkrete Personalangelegenheiten mit Namensnennungen und Sachverhaltsdarstellungen,“ so Bürgermeister Wagner.

„Konstruktive Kritikgespräche wurden seitens Frau Sommerfeld nicht mit dem Bürgermeister geführt. Aufgrund der jüngsten Ereignisse wird zukünftig eine objektive und konstruktive Zusammenarbeit zwischen Bürgermeister und Gleichstellungsbeauftragter erheblich erschwert,“ so Bürgermeister Wagner, der „aufgrund dieser Vorkommnisse und wegen der schon längere Zeit nicht mehr vorhandenen kooperativen Zusammenarbeit“ den Widerruf der Bestellung von Frau Sommerfeld und die Nachbesetzung der Position der Gleichstellungsbeauftragten vorgeschlagen hat.

Auf die Ausführungen von Robert Wagner nahm die Gleichstellungsbeauftragte in der Sitzung wie folgt Stellung: „Es ist nicht richtig, dass ich mich extern schwerpunktmäßig lediglich mit Frauen-Frühstücken und mit einem Sommerfest beschäftige. Ich habe seit Herrn Wagners Dienstantritt unter anderem an 40 Bewerbungsgesprächen teilgenommen.“

Es sei auch nicht ihre originäre Aufgabe einen Frauenförderplan zu erstellen, sondern, die Dienststelle bei der Erfüllung der Ziele des LGG zu unterstützen. Es sei eine Gemeinschaftsaufgabe der gesamten Dienststelle, insbesondere der Dienstkräfte mit Leitungsfunktionen. „Die Führungskräfte können sich bei Fragen zu diesem Themenbereich der fachlichen Kompetenz der Gleichstellungsbeauftragten, in meinem Fall ehrenamtlich, und des Fachdienstes Personalservice bedienen,“ so Sommerfeld.

Weiter sagte sie: „Ich sehe es unter anderem als meine Aufgabe, Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde und Mitarbeiter*innen der Verwaltung im Bedarfsfall zu unterstützen und mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.“ Sie beobachte das Geschehen in der Verwaltung seit langem mit großer Sorge. „Ich erlebe Arbeitsplatzwechsel, Kündigungen und einen hohen Krankenstand. Wenn ich Zeugin eines Gespräches werde, in dem einem Mitarbeiter vorgeworfen wird, seine Pflicht nicht getan zu haben, ihm eine Versetzung auf einen anderen Posten angedroht wird, er mit Gesten und Mimik und Reden eingeschüchtert wird, so ist dies kein Gespräch auf Augenhöhe. Hier wird Druck ausgeübt, die Position des Vorgesetzten hervorgekehrt, in einer Art und Weise, die fast sprachlos macht. Für mich ist dies eine Form der Gewalt, die ich aufs Tiefste ablehne.“

Sie suche dann nach Lösungen, nach Auswegen und Veränderungen für die Mitarbeiter, um ihnen ihr berufliches Leben erträglicher zu machen. „Die Mitarbeiter der Gemeinde haben das Recht mit Würde und Respekt behandelt zu werden und Anerkennung für ihre Leistung zu bekommen. In diesem erwähnten Fall vom 9. März bin ich der Einladung der Fraktionsvorsitzenden und der Gemeindevertreter der fünf Fraktionen gefolgt, und habe Rede und Antwort gestanden.“

Sie habe nur das berichtet, was sie erlebt und gehört hat. „Mein Selbstverständnis als Gleichstellungsbeauftragte gebietet dieses. Ich werde mich, solange ich dieses Amt ausübe, immer für Schwächere einsetzen und nicht schweigen und versuchen, Mitarbeiter zu stützen, zu schützen und ihnen zu helfen.“

Weiter sagte sie im öffentlichen Teil der Sitzung: „Wenn ich auf der Tagesordnung des nächsten Hauptausschusses (fand am 9. Juni statt, Anm. d. Red.) lese, dass die Verwaltung auf der Suche nach einer neuen Gleichstellungsbeauftragten ist, da meine Bestellung mit Beschluss der Gemeindeverwaltung vom 3. Juni widerrufen worden ist, dann ist dies eine Vorausnahme einer noch nicht getroffenen Entscheidung. Dieses Handeln ist respektlos, und verletzt nicht nur meine Würde, sondern auch die der Gemeindevertreter, in deren alleiniger Kompetenz diese Entscheidung liegt. Ihr mangelndes Schamgefühl in dieser Angelegenheit, sehr geehrter Herr Wagner, mögen manche auch als unverschämt bezeichnen.“

Diesen Angriff auf die Ehrenamtlerin bezeichnete SPD-Gemeindevertreter Jörn Eckert als „unsägliche Ehrabschneidung“.

Der Antrag von Wagner wurde schließlich mit Enthaltungen der CDU abgelehnt und somit bleibt Susanne Sommerfeld als ehrenamtliche Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde im Amt.

Nach der Sitzung sagte Susanne Sommerfeld gegenüber dem „reporter“: „Meine vom Bürgermeister angestrebte Entpflichtung als Gleichstellungsbeauftragte wurde von den Gemeindevertretern mit großer Mehrheit - ohne Gegenstimme - abgelehnt. Ich werde, wenn die Jahreszeit und Corona es wieder zulässt, das von vielen Frauen der Gemeinde sehr beliebte und geschätzte Frauenfrühstück wieder anbieten. Selbstverständlich bin ich weiterhin für Bürger*innen der Gemeinde und Mitarbeiter*innen der Verwaltung in meiner Funktion als Gleichstellungsbeauftragte zur persönlichen Beratung und Hilfestellung bei Sorgen und Nöten bereit, Ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.“

Susanne Sommerfeld ist tagsüber telefonisch unter der Telefonnummer 0151-18566167 zu erreichen, „um bei Bedarf auch einen persönlichen Gesprächstermin zu vereinbaren.“


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