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Polizei führte Kontrollen durch: Ruhiges Wochenende an der Küste und nur wenige Uneinsichtige

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Timmendorfer Strand-Niendorf/Scharbeutz. Seit Mittwoch, dem 18. März, dürfen Touristen Schleswig-Holstein generell nicht mehr betreten – das hat die Landesregierung bereits am Dienstag, dem 17. März, beschlossen.

Ebenfalls geschlossen bleiben alle gastronomischen Betriebe im Land (ausnahmen gelten nur für Liefer- und Abholservices). In den Tagen zuvor habe sich gezeigt, dass insbesondere in den Tourismushochburgen an Nord- und Ostsee Cafés und Restaurants zu hoch frequentiert gewesen seien, sagte dazu Wirtschafts- und Tourismusminister Bernd Buchholz. Deshalb habe sich die Landesregierung entschlossen, die Gastronomie noch stärker einzuschränken, um Tagestouristen gar keine Anreize zu bieten.
 


Das Land hat außerdem an die Kreise und kreisfreien Städte erlassen, dass ab sofort in Vorsorge- und Reha-Einrichtungen keine entsprechenden Maßnahmen mehr erbracht werden dürfen. Es dürfen hierfür keine neuen Patientinnen und Patienten mehr aufgenommen werden. Nur Maßnahmen bei Patientinnen und Patienten bzw. betreuten Personen, die bis zum 16. März begonnen worden sind, dürfen zu Ende durchgeführt werden.

Mit einer Videobotschaft hat sich Ministerpräsident Daniel Günther am Freitag an die Bürger des Landes gewendet und an ihr Verantwortungs­gefühl appelliert. Es sei jetzt an der Zeit, dass sich alle an die Regeln hielten. „Wir haben keine lange Testphase, sondern es muss jetzt funktionieren,“ so der Ministerpräsident in seiner Videobotschaft.
 


Die Landesregierung versuche, auf generelle Ausgangssperren zu verzichten. Denn jeder solle weiterhin die Möglichkeit haben, an die frische Luft zu gehen. „Aber das können wir nur, wenn sich alle auch an diese Regeln halten“, betonte Günther. „Deswegen bitte ich wirklich alle in dieser Zeit, solidarisch zu sein. Ich vertraue auf Euch, bitte enttäuscht mich nicht.“

Die Landespolizei Schleswig-Holstein bereitete sich zudem rechtzeitig auf das Einsatzgeschehen für das vergangene Wochenende vor. In den vergangenen Tagen setzte die Landespolizei Schleswig-Holstein in erster Linie auf den Dialog mit der Bevölkerung, was die Einhaltung von Allgemeinverfügungen aus Anlass der Corona-Krise anbelangt. „Das zu erwartende gute Wetter am Wochenende wird voraussichtlich viele Menschen dazu animieren, an die frische Luft zu gehen“, so die Befürchtungen der Landespolizei noch vor dem Wochenende. Die Polizei rechnete so mit erhöhten Besucherzahlen zum Beispiel in Parks und an den Stränden. Die Polizei hat dazu die Präsenz erhöht und ist mit verstärkten Streifen im Land unterwegs, um unter anderem Gruppenbildungen aufzulösen. Das Landeskabinett von Schleswig-Holstein hat nämlich am vergangenen Freitag, dem 20. März, eine Verschärfung der Beschränkungen von privaten Versammlungen beschlossen. Demnach sind private Veranstaltungen und Ansammlungen von Personen im öffentlichen Raum ab einer Teilnehmerzahl von mehr als fünf Personen untersagt (inzwischen wurde von Bund und Ländern das Kontaktverbot beschlossen).
 


Aber auch das Einreiseverbot mit touristischen Hintergrund und mögliche Zweitwohnungsbesitzer, die sich nicht an die Allgemeinverfügung halten, stehen im Visier der Polizei: So wurden am vergangenen Samstagvormittag unter anderem zwischen Timmendorfer Strand und Scharbeutz diverse Kraftfahrzeuge mit auswärtigen Kennzeichen von der Polizei kontrolliert. Natürlich waren darunter auch einige Fahrzeuge mit „mitgenommenen“ Kennzeichen aus dem vorherigen Wohnort (was seit geraumer Zeit möglich ist) oder Firmenfahrzeuge mit auswärtigen Kennzeichen, aber auch Fahrzeugführer, die sich momentan eben nicht im Norden aufhalten sollen. Von rund 100 Fahrzeugen, die in einer Stunde kontrolliert wurden, haben Beamte - laut Polizeisprecher Stefan Muhtz - etwa ein Drittel zurückgewiesen, da sich diese widerrechtlich an der Küste aufgehalten haben.
Seinen Unmut über die Ignoranz und das Nichtbeachten der beschlossenen Maßnahmen von einigen Mitbürgern hat Hotelier Stephan Muuss aus Niendorf/Ostsee auf facebook kundgetan, das dann auch R.SH, NDR Welle Nord und das NDR Fernsehen Anlass zum Berichten gab.

Am vergangenen Donnerstag hat Stephan Muuss den Anruf einer Dame erhalten, die ihn am Telefon fragte, ob am Freitag das Café geöffnet sei und auch schon die Strandkörbe vor dem Hotel auf der Promenade stehen. „Ich war baff am Telefon, daraufhin frage ich noch freundlich, ob sie kein Radio hört, Fernsehnachrichten oder Sonstiges sehe. Na ja, sagte die Dame, man kann sich ja auch anstellen! Sie wolle einfach nur an die Ostsee, mehr nicht. Auf die Frage von wo sie denn anruft, antwortete sie: Aus Hamburg und es wäre ja auch egal.“
Dann erzählte ihr Stephan Muuss am Telefon etwas überspitzt: „Gute Frau, wenn sie über die A 1 kommen, ist in Buddikate sowieso Schluss!“ Ihre Antwort: „Hä, wie, warum das denn?“ „Ja, weil dort Kontrolle ist, zur Zeit dürfen keine Touristen nach Schleswig-Holstein,“ entgegnete ihr Stephan Muuss. „Oh das ist ja gut, dass sie mir das sagen, dann fahre ich gleich über Bad Segeberg. Danke für den Tipp und bis morgen dann!“
 


„Bitte nicht falsch verstehen: Wir lieben und brauchen unsere Gäste, aber bitte nicht jetzt!“, so Stephan Muuss, der vielen aus der Seele spricht und dafür zum Teil aber auch angefeindet wird. Aber es geht schließlich um Vorkehrungen und Maßnahmen, die jeder beachten sollte, zum Schutz der Gesundheit aller!

Ein NDR-Fernsehteam interviewte den Niendorfer Gastronom und Hotelier vor seinem Hotel in Niendorf/Ostsee. Teile des Gespräches und ein Statement der Scharbeutzer Bürgermeisterin Bettina Schäfer, die im Vorfelde auch eindringlich an die Bürger und Touristen sowie Zweitwohnungsbesitzer appelliert hat, war am Samstag im „Schleswig-Holstein-Magazin“ im NDR Fernsehen zu sehen.
 


In Timmendorfer Strand, Niendorf/Ostsee und Scharbeutz ist deutlich weniger los auf den Straßen, den Fußgängerzonen und Promenaden, dafür herrschte aber wiederum reger Betrieb in Haffkrug sowie auf den Stränden der Ostseebäder, so auch in der Gemeinde Timmendorfer Strand.

Die Gemeinde Timmendorfer Strand hat vorsorglich - trotz bereits verhängtem Einreiseverbot nach Schleswig-Holstein - zwei Großparkplätze in Timmendorfer Strand und die Seebrücken gesperrt. Warum der Vogelpark-Parkplatz in Niendorf/Ostsee nicht auch gesperrt wurde, ist nicht bekannt. Auch auf dem öffentlichen Parkplatz beim Edeka-Markt in Niendorf/Ostsee standen im hinteren Teil zahlreiche Fahrzeuge mit auswärtigen Kennzeichen. „Das können ja nicht alles Firmenfahrzeuge sein, eben stieg eine Familie mit Kindern aus,“ schüttelt ein Niendorfer Anwohner den Kopf, der das Geschehen beobachtet.


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