Reporter Timmendorf

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Timmendorfer Bürgermeister

Ermittlungen gegen Bürgermeister Sven Partheil-Böhnke: Staatsanwaltschaft prüft mutmaßlich vorgetäuschten Hackerangriff

Gegen den Bürgermeister der Gemeinde Timmendorfer Strand, Sven Partheil-Böhnke (FDP), laufen derzeit Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Lübeck.

Bild: René Kleinschmidt

Timmendorfer Strand. Gegen den Bürgermeister von Timmendorfer Strand, Sven Partheil-Böhnke (FDP), laufen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Lübeck. Im Zentrum des Verfahrens steht der Anfangsverdacht des Vortäuschens einer Straftat. Zudem wird wegen möglicher Beleidigungsdelikte ermittelt. Die Ermittlungen werden gemeinsam von der Staatsanwaltschaft und dem Staatsschutzkommissariat der Lübecker Polizei geführt, da die Vorwürfe im Zusammenhang mit der Amtsausübung des Bürgermeisters stehen.

Hintergrund der Affäre ist der bundesweit beachtete Einsatz rund um den Buckelwal „Timmy“, der Ende März vor Niendorf/Ostsee strandete. Nach der erfolgreichen Rettungsaktion geriet Partheil-Böhnke öffentlich mit dem Meeresbiologen und YouTuber Robert Marc Lehmann aneinander. Der Bürgermeister warf Lehmann später vor, dessen Einschätzungen seien „zu 90, nein, 100 Prozent“ falsch gewesen. Lehmann widersprach den Vorwürfen öffentlich, woraufhin sich der Konflikt weiter zuspitzte.

Im weiteren Verlauf wurden E-Mails bekannt, die vom Account des Bürgermeisters verschickt worden sein sollen. Darin wurde Lehmann unter anderem als „absolut inkompetenter, selbstdarstellerischer Spinner“ bezeichnet und persönlich diffamiert. Aufgrund dieser Nachrichten leiteten Polizei und Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen des Verdachts der Beleidigung ein.
Partheil-Böhnke erklärte anschließend, nicht selbst Urheber der E-Mails zu sein. Sein E-Mail-Account beziehungsweise sein Mobiltelefon seien gehackt worden, rund 30 Nachrichten seien ohne sein Wissen in seinem Namen versandt worden, wie er der Presse mitteilte. Aus Sicherheitsgründen sei das Rathaus zeitweise vollständig von seinen Kommunikationssystemen getrennt worden. Polizei und Gemeinde veranlassten daraufhin Ermittlungen zu einem möglichen Cyberangriff sowie eine externe forensische Untersuchung der IT-Systeme. Deren Ergebnis liegt nach Angaben der Gemeinde inzwischen vor, wird jedoch bislang nicht veröffentlicht.
Die Staatsanwaltschaft prüft inzwischen jedoch, ob es den behaupteten Hackerangriff tatsächlich gegeben hat oder ob eine Straftat lediglich vorgetäuscht wurde. Darüber hinaus werden mögliche Vermögensschäden untersucht, die durch die Sicherheitsmaßnahmen und die beauftragte IT-Forensik entstanden sein könnten. Ob Anklage erhoben wird, ist derzeit noch offen.

Nach Angaben der Ermittlungsbehörden wurde Partheil-Böhnke bereits rechtliches Gehör gewährt und zu den Vorwürfen befragt. Gegenüber den Lübecker Nachrichten kündigte der Bürgermeister an, sich bis zum Abschluss der Ermittlungen nicht weiter öffentlich zu äußern. Sobald Ergebnisse vorlägen, werde die Öffentlichkeit transparent und umfassend informiert. Zwischenzeitlich hat sich Partheil-Böhnke krankgemeldet; die Amtsgeschäfte werden vorübergehend von seinem Stellvertreter Nils Hopp (BBNP) übernommen. Solange die Ermittlungen laufen gilt die Unschuldsvermutung. (rk)

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