

Stockelsdorf. „Lassen Sie uns einfach die reale Welt da draußen ein paar Stunden vergessen. Was ich Ihnen heute nicht versprechen kann, aber wenigstens empfehlen, ist Zuversicht, Mut und Frohsinn.“ Mit diesen Worten begann Manfred Beckmann, Bürgervorsteher der Gemeinde Stockesldorf, seine Rede zum Neujahrsempfang. Rund 400 Gäste waren in der vergangenen Woche am späten Freitagnachmittag der Einladung der Gemeinde Stockelsdorf ins Feuerwehrhaus der Freiwilligen Feuerwehr Stockelsdorf am Bohnrader Weg gefolgt.
Einmal mehr unterstrich Beckmann nach der Begrüßung der Gäste das ehrenamtliche Engagement vieler Stockelsdorfer auf vielen Ebenen und ergänzte dazu: „Wenn wir Ehrenamtliche nicht immer wieder die tolle Unterstützung mit Sponsoring und Spenden von vielen Unternehmen, Firmen und Selbstständigen hätten, würde es uns auch viel schlechter gehen. Deswegen auch hier ein großer Dank an die, die uns für unsere gemeinsame Arbeit in Stockelsdorf bei vielen Projekten großzügig helfen.“
In ihrer anschließenden Neujahrsansprache stellte Stockelsdorfs Bürgermeisterin fest, dass das Leben aktuell „ein hohes Tempo“ habe. Und dass sich das auch auf den gesellschaftlichen Umgang miteinander auswirke. „Erwartungen sind hoch, Geduld ist oft knapp, und die Bereitschaft, erst einmal genau hinzuschauen, bevor man urteilt, nimmt leider ab.“
Ein Beispiel dafür sei kürzlich die Debatte um das Streusalz gewesen. „Die Liefersituation war angespannt, nicht nur bei uns, sondern in vielen Kommunen. Trotzdem entstand schnell der Eindruck, es gäbe einfache Schuldzuweisungen. Dabei ist Winterdienst nicht nur eine Aufgabe der Gemeinde. Er beginnt auch vor der eigenen Haustür. Er bedeutet, selbst den Schneeschieber in die Hand zu nehmen – für sich, für die ältere Nachbarin, für einen sicheren Gehweg. Viele – gerade die Älteren – wissen noch, was sich gehört: dass Gemeinschaft auch heißt, füreinander einzustehen und selbst mit anzupacken.“
Kein Mensch halte sich gerne in Kommentarspalten auf. „Und eigentlich wissen wir alle: Man sollte sie besser meiden. Deshalb kann ich nur sagen: Gehen Sie lieber raus. Reden Sie miteinander. Und wer es besser weiß, der soll sich engagieren“, sagte sie und schlug den Bogen zur Kommunalpolitik.
„Gerade hier vor Ort tragen wir eine besondere Verantwortung. Denn unsere Entscheidungen sind nicht abstrakt. Sie betreffen den Alltag der Menschen: Kitas, Schulen, Straßen, Vereine und die Zukunft unserer Gemeinde. Manche in unserer Gemeindevertretung scheinen manchmal zu vergessen, dass sie genau diese Verantwortung tragen. Sie benehmen sich dann so, als seien sie Opposition, und ich wäre die Regierung. Das schmeichelt mir ja – aber in Wahrheit leite ich nur die Verwaltung. Die politischen Entscheidungen treffen die Gremien“, stellte die Rathauschefin klar.
Und diese Entscheidungen könne und dürfe man nicht auf andere abschieben. Verantwortung in der Kommunalpolitik heiße auch, sich zu Entscheidungen zu bekennen. Selbst dann, wenn sie schwierig seien oder nicht allen gefielen. Eine Situation sei ihr besonders im Gedächtnis geblieben: „In der Einwohnerfragestunde zur Gemeindevertretung, als der Haushalt für 2026 beschlossen werden sollte, hat mich der Vorsitzende der Jugendorganisation einer Mehrheitsfraktion als Bürger gefragt, wie es um die prognostizierte Verschuldung unserer Gemeinde bestellt sei.“
Das sei eine berechtigte und wichtige Frage, so Julia Samtleben. „Und natürlich habe ich sie aus meiner Sicht als Verwaltungschefin beantwortet. Ich habe gesagt: Unser Haushalt bildet alle Ausgaben und möglichen Kreditlasten ab – aber nicht alle Einnahmen. Andere rechnen mit Fördermitteln, die noch gar nicht bewilligt sind. Wir tun das nicht. Gleichzeitig habe ich gemerkt: Diese Frage zeigt, wie komplex kommunale Verantwortung eigentlich ist. Denn die Höhe der Verschuldung entsteht nicht im Büro der Bürgermeisterin. Sie ist das Ergebnis politischer Entscheidungen, die in den Gremien gemeinsam getroffen werden – über Investitionen, Prioritäten und Zukunftsprojekte.“
Dies sei kein Vorwurf, sondern ein Hinweis darauf, wie wichtig es sei, „dass wir uns alle immer wieder bewusst machen, welche Rolle wir jeweils haben: Politik, Verwaltung, Ehrenamt und Bürgerschaft – wir alle tragen auf unterschiedliche Weise Verantwortung für das, was in unserer Gemeinde geschieht.“
Sie glaube: „Politische Einigkeit, ohne gleichförmig zu sein, war immer eine unserer großen Stärken. Unterschiedliche Meinungen – ja. Aber ein gemeinsames Ziel: das ist das Beste für Stockelsdorf.“
Abschließend sagte sie: „Stockelsdorf ist eine engagierte Gemeinde. Hier wird viel geleistet – im Ehrenamt, in den Vereinen, in sozialen Einrichtungen, in der Verwaltung und in der Nachbarschaft. Es ist nicht alles perfekt. Aber wir haben eine starke Grundlage. Und wir haben Menschen, die Verantwortung übernehmen. Ich wünsche mir für das neue Jahr, dass wir dieses Verantwortungsgefühl weiter stärken. Dass wir wieder öfter fragen: Was kann ich beitragen? – und nicht nur: Wer ist schuld? Dass wir respektvoll miteinander umgehen, auch wenn wir unterschiedlicher Meinung sind. Und dass wir den Mut behalten, Probleme offen anzusprechen, ohne uns gegenseitig schlechtzureden. Ich danke Ihnen allen dafür, dass das Interesse an diesem Neujahrsempfang so groß ist – dass so viele von Ihnen heute hierhergekommen sind. Das zeigt, wie sehr Ihnen unsere Gemeinde am Herzen liegt.“ (SE)




