Leserbrief: Cap-Arcona 3.5.1945
Wenn Dr. Birkholz meint, zu dem Geschehen am 3.5.1945 rund um das Lotsenhaus am Strand von Neustadt weitere Erkenntnisse als bisher ermitteln zu können, erscheint mir dieses recht optimistisch zu sein.
Die Mauer des Schweigens rund um dieses Geschehen steht seit 81 Jahren bombenfest wie kaum eine andere Mauer. Wenn Kripobeamte nach monatelangen Ermittlungen die Ermittlungsakten ohne positives Ergebnis abschließen mussten, erscheint es mir wenig Erfolg für seine Bemühungen zu geben. Auch wenn Täter oder Tatbeteiligte nach 81 Jahren kaum noch zu ermitteln sind, werden deren Angehörige (Kinder, Enkel, Urenkel) aus naheliegenden Gründen keine Familieninternas öffentlich machen. Täter und Tatbeteiligte haben ihr Wissen mit ins Grab genommen, und kein Angehöriger wird die Mauer des Schweigens zum Einstürzen bringen.
Bei allem Verständnis für das Bemühen um Aufklärung rund um das Geschehen am Strand, vermisse ich Untersuchungen über das Schicksal des Kapitäns und der Besatzung der Cap Arcona. Sie waren auch Opfer des Angriffes der britischen Luftwaffe und sind es wert, auch ihrer zu gedenken. Wie sind Überlebende mit ihrem Schicksal klar gekommen, wie viele von ihnen wurden auch am Strand in Neustadt getötet?
Eine weitere Frage stellt sich um die Beteiligung der Reederei der Cap Arcona, denn der Luxus-Liner war ja kein Kriegsschiff, an der verhängnisvollen Fahrt von Lübeck in die Neustädter Bucht. Wurde die Reederei für den Transport „menschlicher Güter“ auch noch bezahlt?
Jan-Wilhelm Strelow, Neustadt in Holstein

