Mehr Schutz für Frauen in Not: Ministerin Touré stellte Förderprogramm vor – Ostholstein plant zweites Frauenhaus

Marlies Henke 149
24 zusätzliche Frauenhausplätze sollen im Kreis Ostholstein entstehen. Über die Planungen und das neue Förderprogramm des Landes informierten (v. lks.): Gerhard Petermann (Investitionsbank Schleswig-Holstein), Fabian Weist (Wohnungsbaugesellschaft Ostholstein), Julia Dabelstein (Frauenberatung und Notruf Ostholstein), Gleichstellungsministerin Aminata Touré, Landrat Timo Gaarz und Stephanie Stührholdt (Gleichstellungsbeirat Ostholstein).

24 zusätzliche Frauenhausplätze sollen im Kreis Ostholstein entstehen. Über die Planungen und das neue Förderprogramm des Landes informierten (v. lks.): Gerhard Petermann (Investitionsbank Schleswig-Holstein), Fabian Weist (Wohnungsbaugesellschaft Ostholstein), Julia Dabelstein (Frauenberatung und Notruf Ostholstein), Gleichstellungsministerin Aminata Touré, Landrat Timo Gaarz und Stephanie Stührholdt (Gleichstellungsbeirat Ostholstein).

Bild: Marlies Henke

Neustadt in Holstein. 264 Frauen und Kinder musste das Frauenhaus Ostholstein im vergangenen Jahr abweisen, weil Plätze fehlten. Aufgenommen werden konnten lediglich 56 Menschen. Die Zahlen zeigen, wie groß der Bedarf an Schutz für von Gewalt betroffene Frauen und ihre Kinder ist. Bei einem Besuch in der Neustädter Frauenberatungsstelle stellte Gleichstellungsministerin Aminata Touré (Grüne) am Montag ein Förderprogramm des Landes vor: Mit 30 Millionen Euro sollen in Schleswig-Holstein 200 zusätzliche Frauenhausplätze entstehen.

„Wir haben als Regierung gemeinsam mit dem Parlament in den vergangenen Jahren immer mehr Geld in den Ausbau von Frauenhausplätzen und Frauenberatungsstellen gesteckt. Aber wir mussten feststellen, dass unsere Bemühungen noch nicht ausreichen. Denn zu viele Frauen und ihre Kinder haben bislang keinen Platz gefunden“, sagte Touré.

Das Geld stammt aus dem Bundesprogramm für Infrastruktur und Klimaneutralität. Mit der Veröffentlichung der Förderrichtlinie können Frauenhäuser, Kommunen und Landkreise nun Fördermittel für zusätzliche Schutzplätze beantragen. Voraussetzung ist, dass sie ihre Vorhaben bis zum 15. Dezember 2026 bei der Investitionsbank Schleswig-Holstein anmelden. Das Programm läuft bis Ende 2030.

Ostholstein setzt auf 24 neue Plätze

„Gewaltschutz ist ein großes gesellschaftliches Thema, und der Kreis Ostholstein will sich dieser Verantwortung stellen“, sagte Landrat Timo Gaarz. Bereits zu Jahresbeginn habe es ein erstes Gespräch mit dem Land über ein weiteres Frauenhaus gegeben. Inzwischen seien die Planungen weit fortgeschritten. Gemeinsam wolle man neben den 15, die es im Kreis bereits gibt, 24 zusätzliche Schutzplätze schaffen.

An dem Projekt wirkt auch die Wohnungsbaugesellschaft Ostholstein (WoBau OH) als Bauherrin mit. Sie hatte bereits das aktuelle Frauenhaus Ostholstein errichtet. Diese Erfahrungen wolle man in das geplante zweite Frauenhaus gerne einbringen, sagte Fabian Weist von der WoBau OH und betonte: „Ich freue mich einerseits, dass wir helfen können, andererseits bedauere ich es, dass wir so eine Einrichtung überhaupt noch brauchen.“

Auch die Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH) begleitet den Ausbau. Gerhard Petermann, Bereichsleiter bei der Förderbank, berichtete von landesweit sechs Interessenten, die ihre Projekte bereits vorbereitet hätten. Dazu gehöre auch der Kreis Ostholstein. Bis zum Jahresende rechne er mit einer Übersicht über geplante zusätzliche Schutzplätze im dreistelligen Bereich.

Viele Frauen finden keinen Platz

Wie angespannt die Lage ist, zeigen weitere Zahlen aus dem Frauenhaus Ostholstein: Die Auslastung lag 2025 bei 90 Prozent, die durchschnittliche Aufenthaltsdauer bei 88 Tagen. Für die Mitarbeiterinnen ist es besonders belastend, Frauen abweisen zu müssen, die oft erst nach langem Zögern Hilfe suchen. Sybille Rohowski, Vorstandsmitglied des Frauenhauses und früher selbst dort beschäftigt, beobachtet die Entwicklung. Als sie 2005 dort angefangen habe, hätten Frauen meist noch in einem anderen Frauenhaus in Schleswig-Holstein untergebracht werden können. Heute müssten Betroffene zum Teil in andere Bundesländer ausweichen. Für Frauen und Kinder bedeute das zusätzliche Belastungen: Sie müssten ihr vertrautes Umfeld verlassen, Kinder gegebenenfalls die Schule oder Kita wechseln.

Für Touré reicht es jedoch nicht, immer neue Schutzplätze zu schaffen. Auch die Gewalt selbst müsse bekämpft werden. „Wir wollen durchaus Schutzräume schaffen, aber wir wollen, dass die Gewalt aufhört“, sagte die Ministerin. Dafür müsse stärker bei den Tätern angesetzt werden.

Im Anschluss machten sich die Beteiligten bei einem Rundgang ein Bild von der Frauenberatungsstelle, die derzeit umgebaut und erweitert wird (der reporter berichtete). Die Investitionsbank Schleswig-Holstein unterstützt den Umbau mit rund 550.000 Euro. (he)

Anmerkung der Redaktion: Aus Schutzgründen wurden die Standorte der bestehenden und geplanten Frauenhäuser sowie die Namen der Mitarbeitenden nicht genannt.