Reporter Eutin

„Bosseln ist eine tolle Parasportart“

Eutin (cb). Mit einem kräftigen „Gut Stock“, dem Schlachtruf der Bosselgemeinde, begrüßten die Landessportwartin des Rehabilitations- und Behinderten-Sportverbandes Schleswig-Holstein e.V. (RBSV S-H), Angelika Carstesen und der Vorsitzende der Sportgemeinschaft Eutin, Uwe Tewes die teilnehmenden Sportlerinnen und Sportler. In der Turnhalle des Eutiner Weber-Gymnasiums trafen sich die Damen der SG Eutin und der Reha SG Itzehoe sowie die Herren der SG Eutin, der Reha SG Itzehoe und der SGR Rendsburg zur Landesmeisterschaft.

Der Bosselsport ähnelt sehr dem Eisstockschießen und dem Curling, bei dem, wie vor kurzem bei der Olympiade zu sehen war, kräftig gefegt werden musste. „Auf Besen können wir verzichten, weil die Bossel auf einer Bürste gleiten“, erklärte die Spielführerin der Eutiner Damen, Helga Plötz. Um die gut 4 Kilogramm schwere Bossel, wie das Sportgerät heißt, präzise so dicht wie möglich an die Daube ins Ziel zu bringen, braucht es eine Menge Fingerspitzengefühl. Was so leicht aussieht, ist das Ergebnis von regelmäßigem Training. „Wir werfen das Gerät nicht einfach auf die Bahn, sondern müssen es mit einer gewissen Technik anschieben. Mal kräftiger, mal etwas sanfter. Je nachdem, wo wir die Bossel hinhaben wollen“, beschrieb Günter Falkenstein von der Reha SG Itzehoe den Umgang mit dem Spielgerät.

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten eine körperliche Beeinträchtigung, die jedoch niemanden daran hinderte, mit großem Einsatz und auch Spaß an der Sache das Spiel gewinnen zu wollen. Die verschiedenen Beeinträchtigungen werden laut Verbandsregeln mit Punkten bewertet. Bei den einzelnen Durchgängen müssen die Frau- beziehungsweise Mannschaften jeweils vier Beeinträchtigungspunkte aufweisen. Bei den Itzehoer Frauen, die nicht auf diese Anzahl kamen, durfte daher gemäß der Statuten Günter Falkenstein mitspielen. „Allerdings darf der Mann im Team nicht spielentscheidend sein und fängt aus diesem Grunde bei jedem der sechs Durchgänge als Erster an. Ich darf zum Beispiel keine gegnerische Bossel aus dem Spielfeld schießen. Da muss ich schon mit etwas gebremsten Schaum spielen“, schilderte Falkenstein die Regel.

Die Landessportwartin Angelika Carstesen war von dem Bosselspiel begeistert, auch wenn sie sich eine größere Teilnahme gewünscht hätte. „Ich bin für die Rehasparte neu im Vorstand des Verbandes und kannte dieses Angebot bisher gar nicht. Natürlich hatte ich schon mal etwas von Boßeln gehört, musste aber lernen, dass das überhaupt nichts miteinander zu tun hat. Bosseln ist eine tolle Parasportart. Leider fehlt es, wie überall, an Nachwuchs“, sagte sie und ergänzte, dass Menschen mit einer Beeinträchtigung durch Sportarten wie diese in den Vereinen integriert und somit wahrgenommen werden. 

Die Sportgemeinschaft Eutin setzt sich seit sieben Jahrzehnten für diese Ziele ein und bekam dafür den Anny-Trapp-Preis 2025 verliehen. Außerdem holten die Eutiner Vereinsdamen nun auch noch die Landesmeisterschaft im Bosseln und verwiesen die Frauschaft aus Itzehoe auf Rang zwei.

Bei den Herren gab es einen Dreikampf, der letztlich von der Riege aus Itzehoe gewonnen wurde. Die Männer der SG Eutin belegte vor den Rendsburger Herren Platz zwei.


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