

Eutin (aj). Was bleibt von einem Komponisten, der seit 200 Jahren tot ist, in der Stadt, in der er geboren wurde, die jedoch nie seine Heimat war? Zum Beispiel ein Gymnasium, das seinen Namen trägt. Mit der Frage, was das für die Schulgemeinschaft heute bedeutet, setzten sich Schüler*innen und Lehrkräfte des Carl-Maria-von Weber-Gymnasiums anlässlich seines 200. Todestages an einem Festabend kreativ und kenntnisreich auseinander und sie luden ein, sie auf ihrer vielschichtigen Suche nach Weber zu begleiten.
Schon die Begrüßung am Haupteingang in der Plöner Straße fiel stilecht aus. Festlich in Kostüme der Zeit gekleidet, geleiteten Schüler*innen die Gäste über einen roten Teppich vorbei am Weber-Fotospot in die Aula. Auch hier war alles Weber – von der Musik über einen Videoclip und einen historischen Vortrag von Lehrer Frank Petzold bis zu einer Reihe von Weber-Porträts, die das Stadtarchiv zur Verfügung gestellt hatte. Bei der Frage nach dem Highlight des Abends mochte man schwanken zwischen dem Original-Kirchenbuch mit dem Taufeintrag des Komponisten, dem das „Maria“ und das adelnde „von“ erst später hinzugefügt wurden, und der Präsentation der Büste, die Festspielfreunde aus der Opernscheune kennen. Sie hat nun als Dauerleihgabe der Stadt ihren Platz in der Schule gefunden. Vielleicht aber war Weber auch im Grußwort von Bürgervorsteherin Elgin Lohse gegenwärtig. Sie hat vor 40 Jahren an der Weberschule ihr Abitur gemacht, lange im Schulchor gesungen und ist überdies in Klangweite der Festspielbühne aufgewachsen: „Ich kann die meisten Stücke des ‚Freischütz‘ mitsingen oder doch zumindest mitsummen“, verriet sie. Die Stadt sei geprägt von Webers Musik und ihrer Erinnerung daran: „Musik trägt immer einen Hauch von Ewigkeit in sich, ich hoffe, dass wir das hinübernehmen in die neue Zeit, die glaubt, alles zu wissen“, schloss Elgin Lohse ihre kurze Ansprache. Eine Antwort darauf gaben die Musizierenden: Maya Bohnsack und Maria Christiansen spielten vierhändig Webers Andante con variazioni und Jarik Stoffer meisterte Beethovens Menuett in G. Welchen Gehalt der Name Weber über das Musikalische hinaus für die Schule hat, formulierte Anja Holdt, Lehrerin für Latein und Geschichte, so: „Der Name ist auch ein verbindendes Element zwischen lokaler, deutscher und europäischer Geschichte.“ Ob man sich wie 1955 wieder für den Komponisten als „Paten“ der Schule entscheiden würde, ließ Frank Petzold dahingestellt. Der Name aber sei unabhängig davon „Auftrag, Weber weiter zu verehren und seiner zu gedenken.“ Ein Auftrag, der eingelöst wird.

