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Eine neue Rehastation für Uhu & Co Stiftung Elisabeth Mierendorff freut sich über neue Voliere

Eutin (ed). Die Elisabeth Mierendorff Stiftung sagt nicht vielen Menschen etwas, in Wildtierschützer-Kreisen jedoch ist seit über 20 Jahren bekannt, dass hier verletzte oder kranke Greifvögel in den besten Händen sind und in den meisten Fällen gesundgepflegt, aufgepäppelt und wieder ausgewildert werden. Wer in freier Wildbahn nicht mehr zurechtkommt, findet hier ein dauerhaftes Zuhause.


Zu verdanken ist all das Elisabeth Mierendorff – sie verfügte testamentarisch, große Teile ihres Nachlasses dem Bereich des Tierschutzes zur Verfügung zu stellen. Um ihren letzten Willen zu realisieren, wurde die ihren Namen tragende gemeinnützige Stiftung bürgerlichen Rechts 2002 gegründet. Ihr Domizil hat die Stiftung am Schießsportzentrum Kasseedorf – und wer denkt, dass Schießstand und Greifvogel-Krankenstation sich nicht vertragen, muss wissen, dass Uhus nur vor freilaufenden Hunden Angst haben, alles andere störe sie nicht, sagen die Experten der Mierendorff Stiftung – genauso wie die Fledermäuse, die überall auf dem Gelände wohnen.


Zwei große Volieren bieten den verletzten oder kranken Greifvögeln Platz zum Gesundwerden, zwei kleine dienen als „Ambulanz“. Zwischen 150 und 200 Greifvögel aller Art können es sein, die die Mierendorff Stiftung aufpäppelt, Uhus, die sich in Netzen verwickelt haben, in Elektrozäune geflogen sind, angefahren wurden oder einfach krank sind – Sperber oder Schleiereulen mit verletzten Flügeln, ein Waldkauz, der als Mini gefunden und hier aufgezogen wurde. Aber nicht alle sind „kompatibel“, da sind mehrere Volieren unabdinglich. Zudem: „Sind die Vögel erstmal in den großen Volieren“, schmunzelt Anne Knosher von der Mierendorff Stiftung, „habe ich keine Chance, sie versorgen zu können. Deswegen sind sie, so lange sie Pflege brauchen, in den kleinen Volieren.“ So wartet hier gerade eine kleine Schleiereule darauf, wieder so fit zu werden, dass sie in der großen Voliere ihre Muskeln stärken darf, damit sie bald wieder in der Freiheit ihre Schwingen ausbreiten kann. Die eine allerdings ist noch besetzt von einem schlecht gelaunten Sperber, der demnächst wieder ausgewildert wird – in der anderen leben vier sehr eindrucksvolle Uhus, von denen zwei eher schüchtern sind, eine ist die erklärte Chefin und sehr wachsam, und ein Nachwuchs-Uhu ist auf dem besten Weg ins freche Teenager-Alter. Sie alle trainieren hier ihre Flugfähigkeiten, üben mit Fangübungen das Futteranfliegen und werden von Anne Knosher fit gemacht fürs echte Leben. Anne Knosher macht das alles mit einer wunderbaren Ausgeglichenheit – „sie hat ein Händchen für die Vögel“, freut sich Otto Witt, „das macht sie einfach toll, mit so viel Herz bringt sie die Vögel wieder auf die Beine, dass es eine Freude ist.“ Kann ein Vogel wieder ausgewildert werden, füttert Anne Knosher ihn noch eine Weile weiter, außerhalb der Voliere, bis er wieder gelernt hat, selber für sein Futter zu sorgen.
Beide Volieren sind so alt wie die Stiftung selbst, im Gegensatz zum Engagement der Greifvogelschützer aber schon sehr in die Jahre gekommen – „wir hatten gehofft, dass sie ein bisschen länger halten“, so Otto Witt aus dem Vorstand der Stiftung, „aber das Holz war doch schon recht mitgenommen.“ Also wurde im 20. Jahr der Stiftung erstmal eine der beiden großen Volieren komplett neu gebaut, in Eigenleistung mit freundlicher Unterstützung von Kay Dreekholt – ausbruchssicher, großzügig, mit Sitz- und Freifluggelegenheiten. Und die vier Uhus machen den Eindruck, als wären sie ganz zufrieden mit ihrem Domizil, besonders das Sitzbrett mit Aussicht ist sehr beliebt.
Schon doppelt so lange wie es die Mierendorff-Stiftung gibt, schlägt Günther Kurz’ Herz für Uhus – schon als kleiner Junge habe er Gewölle gesucht, sie gereinigt und bestimmt, wollte eigentlich Biologe werden, aber das Leben sah etwas anderes für ihn vor, und wer weiß, wozu es gut war, denn als in den 80er Jahren jemand für den landesweiten Eulenschutz gesucht wurde, war er der erste Ansprechpartner. Dass es eine Aufnahmestation für verletzte Greifvögel gibt, ist sein Verdienst. Und in der Mierendorff Stiftung ist Kurz seit ihrer Gründung aktiv. „Wie viele Stunden er damit verbracht hat“, würdigt Otto Witt seinen Kollegen, „verletzte und kranke Greifvögel aus dem ganzen Land zu holen, Futter für sie zu be- und sie zu versorgen, das ist aller Ehren wert.“ Zudem ist er maßgeblich daran beteiligt, dass der Uhu in Schleswig-Holstein wieder stabil heimisch ist, obwohl er in den 80er Jahren für so gut wie ausgestorben galt. Von überall wurden damals Uhus zusammengesucht und hier angesiedelt, sodass es 2005 bereits wieder 80 Paare gab. „Heute müssen es etwa 250 bis 300 Uhus sein, die hier leben“, vermutet Günter Kurz, „ein paar sind weitergezogen bis nach Schweden hoch. Aber es ist schön zu wissen, dass die Arbeit sich gelohnt hat.“ Mittlerweile kann er nicht mehr aktiv für die Stiftung arbeiten, verbunden bleibe er ihr aber doch, sagt er, „als ex-interner Berater daran angedockt“, wie Otto Witt ergänzt. Und dass die Verbundenheit auf Gegenseitigkeit beruht, zeigt eine besonders herzliche Geste: Die nagelneue Voliere trägt den Namen „Voliere Günter Kurz“, eine Hommage, die eigentlich alles über Günter Kurz’ Leben für den Greifvogelschutz sagt.
Gleich unterhalb der Volieren informiert eine nagelneue Schautafel über die Arbeit der Greifvogelschützer – „wir wollten das 20jährige gern mit einem neuen Infokasten begehen und haben unseren Jungjäger Jonas Wandhoff, der gleichzeitig auch Tischler ist, gefragt, ob er uns eine Schautafel baut“, erzählt Christian Meissner aus dem Vorstand der Stiftung, „und er hat nicht nur das gemacht sondern sie uns auch zusammen mit seinem Onkel Hannes Wandhoff gesponsert.“ Für den wetterfesten Aushang hat das Foliencenter gesorgt, ebenfalls kostenlos. Für solche Spenden ist der Verein sehr dankbar – denn ohne Spenden wäre seine Arbeit kaum möglich, und dafür ist auch die Werbung wie über solche Schautafeln immens wichtig. Denn wie überall sind auch hier die Sorgen wegen steigender Kosten groß – zumal demnächst die zweite Voliere erneuert werden muss. Viel mehr aber fallen die täglichen Kosten ins Gewicht, denn bei der Versorgung der Vögel sind Anne Knosher und ihre Kollegen auf Küken angewiesen. „Sie sind als Nahrung für Greifvögel alternativlos“, so Christian Meissner, „es gibt sie aber in Deutschland nicht mehr, also müssen wir sie in Holland bestellen, das ist natürlich um ein Vielfaches teurer.“ Eine kleine Stiftung wie die Mierendorff Stiftung belastet das besonders, zumal die aktiven ehrenamtlichen Greifvogelschützer der Natur zurückgeben, was immer sie können – mit großem Engagement, mit Zeit und Herz.
Wer die Mierendorff Stiftung unterstützen möchte, ist herzlich willkommen.


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