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„Jenseits des Klassenraums mit Herz und Hand“

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Eutin (ed). Schon im Gang durftet es köstlich nach frischem Brot und fruchtiger Suppe – in der nagelneuen Schulküche der Wilhelm-Wisser-Schule stehen die Schüler der 8b an den Kochtöpfen, pürieren Karotten und Süßkartoffeln, schmecken mit Kokosmilch, Limettensaft, Salz und Pfeffer ab. „Hawaiianische Karotten-Kokos-Suppe“, grinst Lynn. Zusammen mit ihrer Klassenkameradin Celina hat sie einen großen Topf der orangefarbenen Suppe mit dem exotischen Aroma gekocht – Lehrer Joachim Rehbein hat lediglich das Rezept geliefert und hätte Hilfestellung geleistet, wenns nötig geworden wäre. War es aber nicht, denn Lynn, Celina und ihre Klassenkameraden sind echte Profis am Herd – sogar wenn ihnen der Bürgermeister und eine Horde Presseleute in die Töpfe gucken. Denn die Schulküche, in der die 8b ihre Suppe kocht (und gleich auch verspeist) ist nagelneu – und ein echtes Neidobjekt für alle, die gern kochen. Mit Induktionsherden samt Abluftanlage und versenkbaren Ofentüren, hell und freundlich und mit allem ausgestattet, was man braucht. Kein Schickimicki, sondern einfach eine schöne, praktische Küche, wie man sie sich nur wünschen kann. Eine echte Besonderheit ist der höhenverstellbare Arbeitsbereich, der individuell anpassbar und barrierefrei ist. Der Ofen ist in bequemer Höhe und kann auch vom Rollstuhl aus bedient werden. Die Höhe der Arbeitsplatte kann je nach Größe des daran arbeitenden Schülers rückengesund verstellt werden. Über 100.000 Euro hat die Stadt Eutin hier investiert – und das muss natürlich in Augenschein genommen werden. Für die Besichtigung der Investition hatten sich Eutins Bürgermeister Carsten Behnk und seine Mitarbeiter Simone Handschuck und Karten Heyck aus dem Bauamt den Unterricht der 8b ausgesucht – „Ich als Konsument“ heißt der Wahlpflichtunterricht im Rahmen des Faches Verbraucherbildung. Während ein Teil des Fachs ganz normal im Klassenraum stattfindet und gesunde Ernährung, bewusstes Einkaufen und alles rund um einen Haushalt behandelt, findet der praktische Unterrichtsteil in der Schulküche statt – „und der macht in so einer neuen Küche ja noch viel mehr Spaß“, freut sich Sven Ulmer, der Schulleiter der Wilhelm-Wisser-Schule. Zudem unterstreiche die neue Küche die Attraktivität der Schule, an der, wie er selbst die Erfahrung gemacht habe, ausgezeichnete Arbeit geleistet werde, sagt der Bürgermeister, „diese Küche ist eine echte Qualitätsverbesserung.“ Geplant hat die Stadt die neue Küche zusammen mit der Schule – „und alle unsere Wünsche wurden berücksichtigt“, so Sven Ulmer. Kein Wunder, dass die Küche vom frühen Morgen mit der Zubereitung der Speisen für die Caféteria bis in den Nachmittag hinein ausgebucht ist. „Wir haben schon externe Anfragen gehabt“, schmunzelt der Schulleiter, „hier will jeder kochen.“ Kein Wunder. Das Wichtigste: Auch die Schüler finden ihre neue Küche super – „das macht Spaß, hier drin zu kochen“, sind Lynn und Celina sich einig, sie finden den Unterricht sowieso toll, das Kochen, das Abschmecken, das Kennenlernen neuer Aromen und das gemeinsame Essen. Celina und Lynn geben ihrer Suppe den letzten Schliff, während Falk, Weda und Sarah abwaschen. Freiwillig und gerne, sagen die drei, sogar das macht jetzt mehr Spaß – Weda findet die neue Küche superschön, da muss auch alles wieder sauber werden. Außerdem sei Abwaschen entspannend, sagt sie. Sarah trocknet lieber ab – wie auch immer, Saubermachen gehört dazu zum Kochen. Vorher haben die drei Karotten und Süßkartoffeln geschnippelt für alle, „wir haben heute eben die wichtigen Arbeiten erledigt“, grinst Weda. Aus drei großen Töpfen duftet köstliche Suppe – dazu gibts Baguette (selbstgebacken) und Kräuterbutter (bio und mit Bio-Kresse), danach Bananenstücke in Blätterteig. „Es muss ja auch Nachtisch geben“, schmunzelt Joachim Rehbein. Das wird alles zusammen verspeist, denn auch das gehört dazu – zum Kochen, zum Unterricht und zur Nachhaltigkeit. Und nachhaltig ist die Verbraucherbildung in mehr als nur einer Hinsicht – die Schüler lernen, wie sie aus guten Zutaten leckere Gerichte kochen können, nehmen Ideen, Motivation und Rezepte mit nach Hause. Tierwohl ist ebenso Thema wie Bio, was macht Sinn zu kaufen, was nicht. Nachhaltigkeit eben. Sie verwenden auch mal Lebensmittel, die sie noch nicht kennen – und können sich bei der Verarbeitung „austoben“. „Das ist ein Unterricht jenseits des Klassenraums mit Herz und Hand“, sagt Joachim Rehbein, „während der normale Schultag für die Schüler echt anstrengend ist, können wir sie hier mit handfesten Tatsachen für gutes Essen begeistern.“ Die Schüler sehen, was sie schaffen – können die Früchte ihrer Arbeit sogar verspeisen – „es ist etwas Faßbares. Wir erleben die Kinder hier aus einer ganz anderen Perspektive. Von solchem Unterricht bräuchten wir mehr.“



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