Reporter Eutin

Vor-Ort-Begegnung mit der Geschichte

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Ein Schultag in der Landesbibliothek: was die Zehntklässler der Voßschule erlebten, soll sich weiter etablieren.

Ein Schultag in der Landesbibliothek: was die Zehntklässler der Voßschule erlebten, soll sich weiter etablieren.

Eutin (aj). Wie es ist, aus zunächst schwer zugänglichen Quellentexten Personen und deren Schicksale herauszuschälen, die Berichte Einzelner in das Allgemeine einzuordnen und dieses Wissen in der Gegenwart abzubilden, ist eine Erfahrung, die 21 Schülerinnen und Schüler der Eutiner Voß-Schule jüngst in der Landesbibliothek machen konnten.
Zum Thema „Migration“ arbeiteten sie gruppenweise mit ausgewählten Quellen und schlugen dabei einen Bogen vom 16. bis ins 18. Jahrhundert: „Wir haben unter anderem den Söldner im Dreißigjährigen Krieg, Hugenotten, die zwei Jahre auf ihre Ausreise warten, die Böhmischen Brüder, die wegen ihrer religiösen Überzeugung fliehen müssen und mit den Salzburgern eine Gruppe von 20.000 Menschen, die in Richtung Preußen unterwegs sind“, erläuterte Professor Dr. Axel Walter. Dem Leiter der Forschungsstelle für Reiseliteratur ist es ein Anliegen, mit den Schulen zusammenzuarbeiten und die Landesbibliothek als Lernort zu etablieren. Ein Interesse, dass er mit den Fachlehrerkräften für Geographie und Deutsch, Jil Gross, und Geschichte und Wipo, Stephan Kober teilt: „Für uns ist das eine gute Möglichkeit, Wissenschaft und Schule zusammenzuführen und auf universitäres Arbeiten vorzubereiten“, stellt Kober die Vorzüge des Projektes heraus. Und Gross ergänzt: „Außerdem werden die Bezüge zwischen den Fächern klar.“ Wie das konkret aussieht, war im Seminarraum der Landesbibliothek zu erleben: Aus den historischen Berichten der jeweiligen Protagonisten erstellten die Zehntklässler Plakate: „Wir haben auf google maps die Wege nachvollzogen, die der Söldner mit seiner Truppe zurückgelegt hat“, berichtete Henrike König, während sie eine entsprechende Landkarte aufklebte. Gemeinsam mit Svenja Rosplesch und Younes Götz hatte sie sich mit dem Tagebuch eines Söldners befasst, dessen Aufzeichnungen 1625 beginnen und 1649 mit dem Abschied aus der Armee enden – ein Leben im Dreißigjährigen Krieg, das durch die Schilderungen greifbar wurde: „Das war spannend, weil man solche Einblicke sonst nicht hat“, meinte Svenja. Die Herausforderung, so Younes, habe darin bestanden, sich die Quelle zu erschließen: „Die Sprache ist ganz anders als heute.“ Wie diese Drei haben sich auch die anderen 15- bis 17jährigen durch die Berichte gearbeitet. Als in einer Abschlussrunde die Ergebnisse dargestellt wurden, zeigte sich schnell, wie tief die Jugendlichen in die Historie eingedrungen sind.

Über die Fakten hinaus benannten sie Auffälligkeiten, wie die Emotionslosigkeit eines Vaters, der den Tod seiner Kinder vermerkte, oder die Pendelbewegungen der Flüchtenden. Die Frage der Geschichtslehrerin: „Ist Migration ein altes oder ein neues Phänomen?“ wurde vor dem Hintergrund der neuen Erkenntnisse differenziert beantwortet und trotz der Unterschiedlichkeit der behandelten Lebensläufe fanden die Schüler sich wiederholende allgemeine Muster: „Wenn ein Projekt so gut beginnt, kann man es gern fortsetzen“, zeigte sich Dr. Walter angesichts des Engagements der jungen Leute begeistert. In den Sommerferien werden die Plakate in der Landesbibliothek im Rahmen einer Ausstellung zu sehen sein.



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