Reporter Eutin

„Was haben wir an Werten, die wir verteidigen müssen?”

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Ahrensbök (ed). In einer Zeit, in der es einen spürbaren Rechtsruck gibt, in der gegen Geflüchtete gehetzt wird, in der rechtsextreme Gruppen und Parteien einen Zulauf haben wie schon lange nicht mehr, ist es umso wichtiger, dass es Menschen gibt, die dagegen ansteuern. Im Kleinen vielleicht, aber von Herzen Überzeugungsarbeit gerade bei jungen Menschen leisten. In der Gedenkstätte Ahrensbök engagieren sich Dr. Ingaburgh Klatt und ihre KollegInnen seit vielen Jahren mit viel Zeit und Herzblut dafür, an die Schrecken der NS-Zeit zu erinnern, nicht mit mahnendem Zeigefinger sondern mit kleinen, feinen Ausstellungen, mit Vorträgen, Veranstaltungen – und all das in einem Haus, das einst eines der frühen Konzentrationslager war. Jetzt haben sie Nachwuchs im Team, der an keiner besseren Stelle wirken könnte.
Erst seit Mitte April arbeitet Luisa Taschner im Team der Gedenkstätte Ahrensbök – „es fühlt sich aber schon viel länger an“, schmunzelt die 29jährige Gedenkstättenpädagogin, „allein wegen der vielen Eindrücke und der tollen Menschen, die hier arbeiten.“ Die junge Frau ist in der Nähe von Kiel geboren und aufgewachsen, ein echtes Nordlicht also. Studiert hat Luisa Taschner in Berlin, Archäologie und Kulturwissenschaften mit dem Beifach Geschichte – ihre Masterarbeit hatte das Thema „Zeitzeugen der NS-Zeit im Bildungsbereich“. Umso lieber ist sie zurück nach Schleswig-Holstein gekommen, um hier zu arbeiten.
Ihr Job besteht darin, den Besuchern der Gedenkstätte die NS-Zeit zu vermitteln – in ihren Facetten und all dem Schrecken, der auch vor unserer Haustür stattfand. Und für Luisa Taschner ist der „Job“ alles andere als nur ein Job: „Es ist mir eine Herzensangelegenheit, gerade jungen Menschen diese Zeit nahezubringen“, sagt sie, „einfach weil ich glaube, dass es elementar dafür ist, ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie wichtig unsere Demokratie und Menschenrechte sind.“ Ihre Arbeit in der Gedenkstätte biete ihr die Möglichkeit, über Menschenfeindlichkeit und Rechtsextremismus aufzuklären.
Also führt Luisa Taschner die Besucher der Gedenkstätte durch die Räume des geschichtsträchtigen Hauses, das einst als Villa für den Direktor der Zuckerfabrik gebaut wurde. 1932 wurde es an die Regierung in Eutin vermietet – im April 1933 diente es als Unterkunft für die arbeitslosen Mitglieder der als Hilfspolizei eingesetzten SA, bevor es im Oktober des gleichen Jahres zum frühen Konzentrationslager wurde. Politisch Andersdenkende wurden hier eingesperrt, auch sogenannte „Landstreicher“, zwar nur für wenige Monate – aber umso erschreckender, dass so früh schon Menschen weggesperrt wurden, die anders dachten. Denn schon im Dezember wurde das KZ aufgelöst, die Häftlinge wurden im Ahrensböker Ortskern untergebracht – und das Haus des Zuckerfabrikendirektors wurde für ein halbes Jahr zur Schule. Und stand dann viele Jahre leer.
Eben weil es so viel erlebt hat, ist es für Luisa Taschner der perfekte Ort, um den Menschen die Schrecken der NS-Zeit, ihre Entstehung und ihre Folgen zu verdeutlichen. „Man kann hier sehr gut vor Augen führen, wie früh bereits anders denkende Menschen weggesperrt wurden“, sagt sie, „und das komplette System von seinen Anfängen bis zu seinem Ende zeigen. Und dass diese Dinge nicht nur irgendwo sondern hier vor der Haustür geschahen.“ Denn das Ende ist der sogenannte Todesmarsch von Auschwitz durch die Dörfer Ostholsteins bis an die Ostsee nach Kap Arcona – ihm ist ein ganzer Raum gewidmet, in dem der Weg nachgezeichnet wird, die Stationen aufgezeigt und Überlebende zu Wort kommen. Eindrucksvoll, berührend und nachhaltig. „Unsere Gedenkstätte ist nicht wie die großen Lager“, sagt Luisa Taschner, „aber das Spannende ist, dass man hier sehr gut sehen kann, wie das NS-System direkt vor der Haustür entstand und bis ins kleinste Dorf funktionierte. Es ist vielen Menschen nicht bewusst, was hier in der Nachbarschaft geschehen ist, und das kann man hier sehr gut zeigen.“
Luisa Taschners Stelle wird von der Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten und der Sparkassen-Stiftung Ostholstein finanziert – für ein Jahr zunächst. Sollte aber die Möglichkeit bestehen, dass sich die weitere Finanzierung ihrer Stelle ergibt, würde sie gern bleiben, sagt sie. „In Anbetracht der politischen Situation in vielen Ländern müssen wir auf die Gefahren hinweisen, die sie birgt“, erklärt Luisa Taschner. „Wir müssen zeigen, was wir an Werten haben, die wir verteidigen müssen, damit so etwas nie wieder passiert.“ Viele Menschen kämen bereits in die Gedenkstätte, aber es dürften noch viele mehr sein, die diesen Ort wahrnehmen, wünscht sie sich. Besonders Schulklassen sind ihr herzlich willkommen – für eine Führung, einen Workshop, ein Projekt. „Schulklassen aus ganz Ostholstein und über die Kreisgrenzen hinaus dürfen sich herzlich gern anmelden“, sagt sie, „und auch Lehrern stehe ich für dieses Thema gern zur Verfügung.“
Die Gedenkstätte Ahrensbök ist zu erreichen unter Tel 04525 493060, Fax 04525 493090 und Email gedenkstaetteahrensboek@t-online.de.


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