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„Wir sind ein wichtiger Baustein in der Betreuung der Kleinsten“

Eutin (ed). Mit dem Recht auf einen Krippenplatz für Kinder unter drei Jahren geht auch der Ausbau der Krippenplätze voran – „und trotzdem könnten wir und alle Tagesmütter um uns herum unsere Plätze doppelt belegen, so lang sind unsere Wartelisten“, sagt Kirsten Gast, die zusammen mit Sabine Höppner seit zwölf Jahren die Kindertagespflege Die kleinen Strolche in Eutin betreibt. Längst sind Tagesmütter und -väter ein wichtiger Baustein in der Kinderbetreuung, aber auch in der Bildung und der frühkindlichen Förderung geworden. Über 300 Kinder werden liebevoll und kompetent von den rund 100 Ostholsteiner Tagesmüttern und -vätern betreut – „und doch haben wir keine richtige Lobby“, sagt Kirsten Gast. Denn anders als in den anderen Kreisen und Städten des Landes bezahlt der Kreis Ostholstein seinen Tagesmüttern und -vätern weder Krankheits- noch Urlaubstage, von Fortbildungstagen ganz zu schweigen. Während die benachbarten Kreise Plön (28 Urlaubs- und zehn Krankheitstage) oder Stormarn (30 Urlaubstage) ihren Tageseltern Krankheit und oder Urlaub bezahlen – in Schleswig Flensburg sind es sogar 42 Urlaubs- und zehn Krankheitstage, in Lübeck 20 Urlaubs- und zehn Krankheitstage.
Um gemeinsam für eine gerechtere Entlohnung der Tagesmütter und -väter eintreten zu können, haben sie sich zusammengetan: 52 Tagesmütter und -väter sind „Kindertagespflege OH eV“ – mit 52 Mitgliedern sind das gut die Hälfte aller Kindertagespflegepersonen des Kreises. Sie alle werden vom Kreis Ostholstein bezahlt – mit 3,90 Euro pro Kind und Stunde für Pflege- und Sachkosten. Wenn das Kind denn da ist. Wird es krank oder aus anderen Gründen abgemeldet, bekommen die Tagesmütter nichts. Bei einer Auslastung von fünf Kindern, die die ganze Woche angemeldet und auch da sind, hat eine Tagesmutter nach Abzug aller Kosten einen Stundenlohn von 4,11 Euro. „Und das obwohl wir flexibel betreuen, qualifiziert sind und einen Bildungsauftrag erfüllen“, macht Kirsten Gast deutlich.
Viele der Tagesmütter – wie auch Kirsten Gast und Sabine Höppner – haben sich in einer umfassenden Ausbildung über 100 Stunden zur Fachkraft für Frühpädagogik ausbilden lassen, weil der Kreis ihnen eine Erhöhung des Satzes in Aussicht gestellt hatte. „Passiert ist aber nichts“, sagt Sabine Höppner. „Toll wäre es, wenn wir nach Qualifizierung bezahlt würden – eine erfahrene Tagesmutter, Fachkraft für Frühpädagogik, bekommt aber genauso viel wie eine Tagesmutter, die sich sofort nach der Ausbildung selbständig macht.“ Denn selbständig sind die Tagesmütter und -väter, aber doch wieder nicht, denn die Eltern stellen den Antrag auf den Platz bei einer Tagesmutter beim Kreis Ostholstein – und an diesen entrichten die Eltern auch die Gebühr. Die Tagesmütter und -väter wiederum bekommen dann Pflege- und Sachkosten vom Kreis. 3,90 Euro pro Stunde und anwesendem Kind. Wenn sie denn nicht krank oder im Urlaub sind – und das Kind anwesend ist.
Für das Land Schleswig Holstein haben Bund und Länder 237,5 Millionen Euro für die Kindertagespflege ausgeschüttet — die Tagesmütter und -väter in Ostholstein haben davon bisher nichts gemerkt. „Uns wurde gesagt, dass hier nichts davon abgegriffen wurde“, erklärt Kirsten Gast. An der Situation hat sich seit 2010 nichts geändert.
Um hier etwas zu bewegen, um Urlaubs- und Krankheitstage bezahlt zu bekommen wie jeder Arbeitgeber – denn die Eltern zahlen pro Monat und nicht pro Stunde – haben die Tagesmütter und -väter beschlossen, an der bundesweiten Aktion Baustein teilzunehmen. Der Vorstand von Kindertagespflege OH eV hat sich Anfang Mai am Strand von Haffkrug getroffen und mit einem großen bunten Tuch auf sich aufmerksam gemacht, in das mit jeder laut gerufenen Forderung – wie gerechte Bezahlung, Urlaubs- und Krankheitstage – ein bunter Baustein geworfen und hochgeschleudert wurde. Die Bausteine stehen für die Forderungen, aber auch für den großen Baustein, den die Tagesmütter und -väter für Kinder unter drei Jahren und ihre Eltern sind. Für die Lütten sind sie Bezugspersonen, bei denen sie sich geborgen fühlen dürfen – für die Eltern oftmals notwendige Betreuungspersonen, denen sie ihr Wertvollstes anvertrauen können.
„Wir wollen gar nicht unheimlich viel mehr pro Kind und Stunde“, erklärt Kirsten Gast die Aktion Baustein, „nur eine kontinuierliche, pauschale Bezahlung wie sie fast jeder Arbeitnehmer bekommt – auch als Wertschätzung für unsere Erfahrung, für Qualifikation und Wissen.“ Und für die liebevolle, kompetente Betreuung der Kleinsten in unserer Gesellschaft, die den Lütten Raum gibt zu wachsen, sich zu entfalten und zu echten Persönlichkeiten zu werden.
Das Video zur Aktion Baustein ist auf youTube zu sehen, weitere Informationen gibt es unter www.kindertagespflege-oh.de.



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